Spiele Testberichte

Civilization VI: Großes Strategiespiel mit kleinen Mängeln

Verschiedene Völker haben verschiedene Interessen und Agenden

Die Völker bringen viel Variation in das Spiel. Jedes einzelne der 18 Völker hat seinen eigenen besonderen Vorteil. Die Deutschen haben beispielsweise als einziges Volk den Hanse-Bezirk zur Verfügung, welcher die Produktivität erhöht. So kann man durch die gewählte Fraktion den eigenen Spielstil unterstützen und sich Vorteile für den angestrebten Sieg sichern. Hier bietet Civilization VI bereits deutlich mehr Variation als der Vorgänger, bei den Sondereinheiten hinkt der sechste Teil allerdings ein wenig hinterher. Die meisten Nationen haben aktuell nur eine einzige Spezialeinheit zur Verfügung, was den einzelnen Fraktionen spielerisch nicht so viel Tiefgang gibt, wie sie haben könnten.

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Dazu kommt jetzt noch die Tatsache, dass die Völker jetzt auch einen Charakter haben, wenn man gegen sie spielt. Jeder Herrscher verfolgt zwei Agenden, eine offene und eine geheime, welche man über Spione aufdecken muss. Catherine de‘ Medici legt beispielsweise einen sehr großen Wert auf ein Informationsnetzwerk aus Spionen und Botschaften und verachtet jeden, der sich nicht ausreichend mit Informationen über seine Gegner versorgt. Will man ein Bündnis mit ihr schließen muss man also eine ordentliche Vorarbeit an Informationsbeschaffung leisten.

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Damit das Ganze auf Dauer nicht langweilig wird, will Firaxis mit den DLCs noch alternative Führer für die verschiedenen Nationen nachliefern. Bisher hat nur Griechenland zwei verschiedene Anführer, in Zukunft sollen aber noch einige alte Bekannte, wie der französische Anführer Napoleon, dazu kommen.

Straßen sind dieses Mal kein taktisches Element mehr

Ein Feature, das im neuen Teil vollkommen verloren geht, ist die Möglichkeit selbst Straßen zu bauen. Straßen entstehen auf der Route von Händlern und werden von diesen auf dem Weg angelegt. Dadurch ist die Anzahl der eigenen Straßen auf die Anzahl der Händler, welche einem zur Verfügung stehen, limitiert. Zusätzliche Straßen kann man erst bauen, wenn man Handelsbezirke und Häfen hat. Das führt dazu, dass man für einen starken Handel auf taktische Straßen verzichten muss und umgekehrt.

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Etwas schade ist, dass einem so eine Entscheidung aufgezwungen wird und man etwas Entscheidungsfreiheit einbüßt. Zwar ist man Herrscher über sein Reich, darf aber nicht selbst entscheiden, wo die eigenen Straßen gebaut werden. Das fühlt sich etwas dumm an und nimmt dem Spiel ein altbekanntes Element. Zwar kann man im späteren Spielverlauf noch Pioniere rekrutieren, von diesen benötigt man aber eine halbe Armee um eine Straße zu bauen, was diesen Kontrollverlust am Anfang des Spiels nicht wirklich ausgleicht.

Neue Möglichkeiten die Innenpolitik zu gestalten

Vollkommen neu ist der Politik-Baum, welchen ihr mit Kulturpunkten erforscht. Dieser bietet euch die Möglichkeit 50 Sozialpolitiken zu erforschen, welche ihr in euer politisches Programm einbinden könnt. Das gleicht auch aus, dass es dieses Mal lediglich 67 naturwissenschaftliche Techniken zur Erforschung bereitstehen. Das wirkt im Vergleich zum Vorgänger, der ganze 79 Techniken zum Erforschen zu bieten hatte, zwar mager, fällt aber im Spiel selbst kaum auf.

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Die Sozialpolitiken werden in Karten dargestellt und in vier Kategorien eingeteilt. Jede einzelne gibt euch verschiedene Boni. Wie viele dieser Boni aus welcher Kategorie ihr verwenden könnt, wird durch das von euch gewählte politische System bestimmt. So könnt ihr beispielsweise im Faschismus viele militärpolitische Karten verwenden. Dabei bringen euch die Karten mehr Boni, je länger eure Regierung stabil ist.

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KI

Hier schwächelt das Spiel ein bisschen. Zwar steuern alle Nationen immer recht effizient auf einen Sieg zu, in der Interaktion mit euch sind sie aber oft etwas ungelenk. So werden Fehler, die ihr begeht, oft nicht in vollem Maße bestraft oder sogar ignoriert. So könnt ihr gegen die meisten Nationen Städte an euren Grenzen recht ungeschützt lassen und es euch leisten den einen oder anderen Krieg vom Zaun zu brechen ohne eure politischen Beziehungen dauerhaft zu schädigen.

Hier wird hoffentlich in den nächsten Patches noch nachgebessert.

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Multiplayer

Im Multiplayer können sich bis zu zwölf Spieler gegenseitig die Herrschaft über die Welt in verschiedenen Zeitaltern anjagen und ihre Reiche ausbauen. Hier bietet das Spiel von vornherein vielfältige Einstellungsmöglichkeiten, welche euch erlauben das Spiel zu spielen, wie ihr es wollt.

Wer wann und wie lang ziehen darf könnt ihr genauso festlegen wie das Startzeitalter und die Start- und Kartenbedingungen. Außerdem könnt ihr noch verschiedene Modi spielen, welche ihre eigenen Bedingungen mitbringen und euch noch ein neues Spielerlebnis eröffnen. So kann man beispielsweise im „Heiliger Boden“-Modus um die Glaubensvorherrschaft im Mittelalter kämpfen.

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Solche Runden lassen sich dann auch um einiges schneller spielen als die sehr langwierigen Einzelspielermissionen.

Dabei fällt aber der teilweise fehlende Komfortfaktor des Spiels stark ins Auge. Kleine Dinge, wie die Angriffsreichweite von Städten, werden nur extrem klein gekennzeichnet, weshalb sie gern übersehen werden. Vor allem wenn man mit einer weiter raus gezoomten Ansicht spielt. Extrem nervig ist auch, dass sobald man mit einer Einheit einen Zug macht, das Spiel sofort zur nächsten springt. Diese unkontrollierbare Kameraführung nervt, vor allem wenn man im Match mit Freunden unter Zeitdruck steht.

Grafik

Grafisch entfernt sich Civilization VI sehr weit vom Vorgänger. Den realistischen Look hat die Reihe im neuen Teil komplett hinter sich gelassen und durch einen Comic-Look ersetzt. Dieser ist, wenn man den Look der Reihe gewöhnt ist, sehr gewöhnungsbedürftig und wirkt leider nicht sehr hochwertig. Der Nebel des Krieges wird durch eine schöne klassische Landkarte dargestellt. Das ist aber leider auch das einzige was von der Grafik positiv in Erinnerung bleibt.

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Das Ganze wirkt einfach eine Spur zu verspielt und zu niedlich. Selbst die Führer wirken eher niedlich als bedrohlich, wenn sie einen einschüchtern wollen. Zumindest ich hatte den Eindruck, dass dem Spiel einiges an Ernsthaftigkeit verloren geht und die ganze Optik sehr billig wirkt.

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Simon Uhl

Zurzeit bin ich noch Schüler eines Baden-Würtenberger Gymnasiums und mache gerade mein Abitur. Als knapp jüngster Vertreter unseres Teams war meine erste Gaming Erfahrung wohl der Gamboy advance mit Pokemon Feuer Rot. Seitdem hab ich mich über den Nintendo DS, die Playsation 2, die Wii und die Playstation 3 bis zum PC durch alle Gaming Generationen Durchgezockt.

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