Spiele Testberichte

Cuphead im Test – Bossfight-Action im 30er-Jahre Stil

Mit Cuphead ist vor wenigen Tagen ein 2D-Plattformer für Xbox One und Windows 10 erschienen. In dem Indie-Titel von Studio MDHR steuert der Spieler eine Kaffeetasse mit Füßen durch Levels im Look alter Trickfilme. Doch lohnt es sich zum Controller zu greifen, um in Bosskämpfen gegen Märchendrachen, Riesenkarotten und andere tödliche Gefahren anzutreten? Nicht für alle Spieler, wie unser Test zeigt.

Ein Spiel, welches ausschließlich aus Endgegnern besteht? Nunja, mit diesem Konzept trat der Cuphead-Entwickler ursprünglich bei der E3 2014 an. Damals nannte Studio MDHR im Trailer „coming 2015“ als geplanten Releasetermin. Daraus wurde nichts, wie wir heute wissen. Uns hatte der erste Einblick in das Indie-Game allerdings richtig gut gefallen. Vor allem der Cartoon-Look machte schon damals einiges her. Als Liebhaber alter Disney-Zeichentrickfilme konnten wir uns an dem animierten Cuphead und den abgedrehten Bossgegnern nicht satt sehen. Die Grafik ist eine der Stärken des Spiels, die sich trotz Releaseverzögerung auch im Jahr 2017 nicht verstecken braucht. Die Levels wirken wie aus einem Guss und versprühen an jeder Ecke den Enthusiasmus der Grafiker – kurzum: Walt Disney wäre stolz auf euch, Jungs!

Cuphead mit super Grafik
Grafik auf Walt Disney-Niveau.

Doch allein die Grafik macht nun mal kein gutes Spiel – zumindest in den wenigsten Fällen. Beim Gameplay ausschließlich auf Bossfights zu setzen war wohl auch Publisher Microsoft zu wenig. Daher wurde der Titel um Levels erweitert, in denen sich Cuphead durch ein Areal kämpfen muss, bis er schlussendlich auf einen Endgegner trifft. Eine Entscheidung, die für das Spiel etwa so wertvoll ist wie die „Story“. Nein, wir werden kein weiteres Wort darüber verlieren. Nicht falsch verstehen: Wir machen uns eigentlich nichts aus einer seichten Story bei Plattformer-Games! Doch es wirkt eher störend, wenn einem der Bierdeckel-Plot im Spielverlauf immer wieder durch Dialoge oder Zwischensequenzen aufgezwungen wird.

Sperrgebiet für n00bs

Im Kern geht es bei Cuphead unabhängig von der Pseudo-Story und Plattformer-Stages nach wie vor um Bossfights. Die Kämpfe sind toll inszeniert, maximal fordernd und schweißtreibend. Egal ob es im Casino gegen eine überlebensgroße Registrierkasse oder draußen im Gemüsebeet gegen einen fiesen Karotten-Gegner geht, der Spielspaß stimmt. Jeder Boss hat ein spezielles Angriffsmuster und kann im normalen Schwierigkeitsgrad nur bezwungen werden, wenn der Spieler das Muster genaustens analysiert. Dabei muss geschickt zwischen unterschiedlichen Schussvarianten gewechselt werden, um dann doch …

… ins Gras zu beißen!

Cuphead ist auf dem normalen Schwierigkeitsgrad B-R-U-T-A-L heftig und Trial & Error ist unausweichlich. Im ersten Anlauf gilt es erstmal sein Movement so gebacken zu bekommen, dass man nicht gleich bei der Anfangs-Offensive des Bosses heftig einstecken muss. Denn wie bei anderen Genre-Vertretern haben die Gegner auch bei Cuphead Evolutionsstufen. Ist der Boss einmal down, kehrt er in einer mutierten Fassung zurück und killt dich in den allermeisten Fällen direkt. Natürlich könnte man jetzt sagen, stell doch einfach den Schwierigkeitsgrad runter und dann packst auch du n00b es irgendwann einmal. Schon richtig, aber dann verpasst man auch einiges. Denn im unteren Schwierigkeitsgrad bekommt man nicht alle Evolutionen des Gegners zu sehen und es fühlt sich daher schlecht an. Unser Vorschlag: Auch im untersten Schwierigkeitsgrad das komplette Repertoire des Feinds abfeuern, dafür einfach die Gegner-HP etwas absenken. Dass ist dann immer noch kein Casual-Gameplay, aber es ist erfüllender – so zumindest unsere Hoffnung (Update plz!).

Starke Bossgegner in Cuphead
Der Bossgegner macht mit Cuphead kurzen Prozess.

Natürlich ist es unglaublich belohnend, wenn man nach dem xten-Mal (x >= 1000) einen Bossgegner legt. Allerdings überhaupt zigfach neue Anläufe zu nehmen ist der Spieler von heute gar nicht mehr gewohnt. Vielmehr ist er durch die stetige Casualisierung der vergangenen Jahre nur noch ein Schatten seiner selbst: Der Gamer hittet den Quicksave-Button vollautomatisch nach jedem erfolgreichen Angriff – Cuphead bietet hingegen keine Speicherfunktion oder Rücksetzpunkte während der Kämpfe …

Stell dich dieser knallharten Herausforderung oder lass es sein. Cuphead ist kein Game, um sich schnell in einen Flow zu spielen. Es ist allerdings auch nicht unfair, weshalb die Schuld am Ableben in 99,99 % bei der Person vor der Xbox One zu suchen ist.

… ein direkter Schlag in die Fresse, ihr Casual-Pussys!

Was allerdings wirklich cool ist, und damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet: Cuphead hat auch Bullet Hell-Abschnitte, in denen man sich in einem kleinen Flieger per Dauerfeuer gegen eine Armada Feinde erwehrt. Einfach nur G-E-I-L!

Cuphead bietet Bullet Hell-Abschnitte
Bullet Hell-Abschnitte entschädigen für das ganze Leid.

 

Pro
Contra
Gameplay
80%
+ Taktischer Waffeneinsatz
+ Bossgegner sind knallharte Herausforderung
– Flow-Gefühl stellt sich selten ein
Abwechslung
60%
+ Bullet Hell-Abschnitte
+ Große Varianz bei den Bossgegnern
– Starker Fokus auf Bossgegner schränkt spielerische Abwechslung auf Dauer ein
Steuerung
90%
+ Eingängig und schnell erlernbar
Grafik
100%
+ Look fängt Cartoon-Attitüde perfekt ein
+ Ausgefallenes Aussehen der Bossgegner
+ Cuphead und Gegner sind toll animiert
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Daniel Rottinger

Daniel Rottinger studiert an der Hochschule der Medien in Stuttgart Crossmedia/Public Realations. Vor dem Studium hat der gelernte Online-Redakteur für ein Branchenmagazin im Telekommunikationssektor gearbeitet.

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