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Hackerangriff auf iranische Banken: Was und wer steckt dahinter?

Iranische Demonstranten hatten im letzten Monat bei Protesten gegen die Regierung Hunderte von Bankfilialen angezündet. Nun haben die Behörden mit einem noch größeren Problem zu kämpfen. Denn aufgrund eines Hackerangriffs wurden die Informationen von rund 15 Millionen iranischer Kundenkonten bei den drei größten Banken des Landes veröffentlicht.

Das Problem dürfte die Wirtschaft des Landes, die bereits von den Auswirkungen amerikanischer Sanktionen betroffen war, weiter erschüttern. Die Zahl der betroffenen Konten entspricht fast einem Fünftel der Bevölkerung des Landes.

„Dies ist der größte Finanzbetrug in der Geschichte des Iran. Millionen von Iranern sind besorgt, ihren Namen auf der Liste der gehackten Konten zu finden.“ Aftab News, eine konservative Medienseite

Iranische Regierung schweigt

Der iranische Informations- und Telekommunikationsminister Mohammad Javad Azari Jahromi beschrieb den Angriff als Datendiebstahl durch einen verärgerten Mitarbeiter. Er hätte wohl Zugang zu den Konten gehabt und sie im Rahmen eines Erpressungsversuchs enthüllt. Der Minister bestreitet, dass die Computer des Bankensystems überhaupt gehackt wurden. Lange Zeit hat auch die Regierung zu den Vorfällen geschwiegen. Das sehen viele als Eingeständnis, dass Irans Finanzinstitute durchaus verwundbar sind. Die Bankkartendaten wurden erstmals am 27. November veröffentlicht und erst jetzt sickerten die ersten Details dazu durch.

Cyberexperten halten einen Hackerangriff durchaus für wahrscheinlicher und vermuten hinter einem Datenklau dieser Größenordnung einen verfeindeten Staat. Es ist gut möglich, dass die Hacker zu Zeiten der Proteste für weitere Instabilität sorgen wollten. Dieser Beweggrund würde auch zu der Art und Weise passen, wie der Datenklau ablief.

Bankdaten zuerst auf Telegram veröffentlicht

Die Kontoinformationen wurden nämlich erstmals auf Telegram in einem Chat namens „Ihre Bankkarten“ präsentiert. Telegram ist im Iran relativ weit verbreitet. Darunter stand die Nachricht: „Wir werden den Ruf ihrer Banken genauso verbrennen, wie wir ihre Banken in Brand gesteckt haben“. Damit bezog man sich wohl auf die Demonstranten im ganzen Land, die im letzten Monat etwa 730 Bankfilialen plünderten und niederbrannten, als Protest gegen die Regierung.

Quelle: nytimes

In der Telegrammnachricht heißt es auch, dass die Täter von den Banken Zahlung verlangt hätten, aber ihre Forderung ignoriert worden sei. Aus diesem Grund würden sie nun die Daten von Millionen von Bankkarten freigeben. Die auf Telegram veröffentlichten Informationen enthalten Namen von Kontoinhabern und Kontonummern, nur die PIN-Codes werden verdeckt angezeigt. Besonders krass: Die Hacker präsentierten auch Anweisungen, wie man Fälschungen der gezeigten Karten selbst erstellen und nutzen kann.

Auf den Schreck schickten die Banken ihren Kunden Textnachrichten und die iranische Cyberpolizei alarmierte sie in einer E-Mail. Die Betroffenen wurden aufgefordert ihre Karte sofort zu ersetzen und am besten gleich ein neues Bankkonto zu eröffnen. Bisher hat aber keine der drei Banken eine öffentliche Erklärungen abgegeben.

Hacker verfügt über hohe technologische Kompetenz

Eine iranische Organisation, die sich die Citizenship Protection Foundation nennt, bietet laut ihrer Website und Berichten in iranischen Medien kostenlose Rechtsberatung für Iraner an, die von der Datenschutzverletzung betroffen sind. Die Homepage der Organisation enthält einen Link zu dem Hack und meint, dass die Geheimdienste des Landes nun den Fall untersuchen.

ClearSky, ein Cybersicherheitsunternehmen, gehörte zu den Ersten, die vor dem Angriff warnten. Der Vorstandsvorsitzende der Firma sagte, der Umfang des Verstoßes deutete darauf hin, dass der Verantwortliche „über eine hohe technologische Kompetenz verfügte, die normalerweise von den staatlichen Geheimdiensten zur Verfügung gestellt wird“. ClearSky gab am 3. Dezember eine Warnung an israelische Kreditkartenunternehmen heraus, im Falle eines iranischen Gegenangriffs in Alarmbereitschaft zu sein. Vielleicht würden dann nämlich die Behörden in Teheran zu dem Schluss kommen, dass die Banken von feindlichen ausländischen Mächten angegriffen worden seien.

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Vera Bauer

Ich bin 24 Jahre alt und wohne in der Nähe von Wolfsburg. Hier habe ich mich als Bloggerin und YouTuberin selbstständig gemacht. Technik begleitet mich durch meinen ganzen Alltag - studiert habe ich beispielsweise "Interactive Media Design", ein Studiengang, der Technik und Design miteinander verbindet. Auf meinem YouTube-Kanal nehme ich meine Zuschauer zu Techevents mit und stelle Geräte in kreativen Reviews vor :)

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