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Muss man Einnahmen auf Twitch versteuern?

In diesem Artikel wollen wir die unvermeidbaren Dinge des Geldverdienens beleuchten, die sich im Zusammenhang mit Twitch ergeben könnten. Sollte dich also die obige Frage auf diese Seite geführt haben, gehen wir schwer davon aus, dass du schon mit Twitch in Berührung gekommen bist.

Dennoch ein kurzer Verständnis-Schnellcheck für alle: Twitch.tv ist ein Live-Streaming-Portal von allerlei angesagten Videospielen auf Computer und Spielekonsolen wie Xbox One oder PS4. Die Idee: Nutzer spielen ihre Lieblingsspiele online und präsentieren ihr Gameplay der Twitch-Community, also quasi ein „Let’s Play“ mit Live-Charakter. Von Klassikern wie Minecraft über Fortnite bis zu komplexen Dota 2-Turnieren wird hier alles geboten, was das Gamer-Herz höher schlagen lässt. Hinzu kommt, dass die Anmeldung und Nutzung des Webportals vollkommen kostenlos sind, sofern man sich nicht für die Turbo-Mitgliedschaft entscheidet. Konkrete Kosten fallen in den meisten Fällen also nicht an (höchstens für die Streaming-Ausrüstung), weshalb uns eher das Thema Einnahmen interessiert. Wie können Streamer mit Twitch Geld verdienen und – noch viel wichtiger – müssen diese Einnahmen auch versteuert werden?

Geld verdienen mit Twitch

Wer heutzutage seine Brötchen mit Online-Spielen verdienen will, sollte sich Twitch nicht entgehen lassen. Denn dort gibt es verschiedene Möglichkeiten, um als Streamer bares Geld zu verdienen – und zwar nicht nur als Profi mit einer Mega-Fanbase, sondern auch als blutiger Neueinsteiger. Das A und O einer erfolgreichen Twitch-Karriere ist natürlich der Streaming-Inhalt: Was streame ich, wie streame ich, welche Infos und welchen Nutzen erhalten meine Zuschauer? Je interessanter, lustiger, kreativer und informativer der Kanal, desto höher die Wahrscheinlichkeit damit richtig gutes Geld zu verdienen. Die drei gängigsten Einnahmequellen auf Twitch sind:

  • Affiliate Marketing/Produktempfehlungen
  • Spenden und Donations
  • Abonnements

Reine Produktempfehlungen wie beispielsweise das verwendete Headset kann man bereits ohne eine Twitch-Partnerschaft anbieten. Dafür reicht in vielen Fällen ein Partnerprogramm mit Online-Händlern wie Amazon oder eBay, mit welchem du sogenannte Affiliate-Links (Achtung, diese müssen entsprechend gekennzeichnet sein) auf deinem Kanal einbinden kannst. Diese haben für den Zuschauer keinerlei Nachteile, bieten dir als Streamer aber eine Gewinnbeteiligung an den Verkäufen.

Auch mit Donations und Kanal-Abos lässt sich Geld verdienen, und davon nicht gerade wenig. Sind deine Zuschauer von deiner Streamer-Perfomance überwältigt, weil du beispielsweise viele wertvolle Tipps bereithältst oder einfach tierisch unterhaltsam bist, können sie dir ein Trinkgeld spenden. Dieses ist unbegrenzt und kann schwindelerregende Höhen annehmen, wenn du einen besonders finanzstarken Fan für dich gewonnen hast. Zudem können die Zuschauer deinen Kanal kostenpflichtig abonnieren. Von den Monatsabo-Einnahmen bekommen Streamer immerhin rund 50% zugeschrieben.

Wer sich also richtig ins Zeug legt und seinen Zuschauern ein Live-Erlebnis bietet, kann mit Twitch durchaus tausende Euros im Monat verdienen. Selbst zu Beginn sind dreistellige Beträge nicht auszuschließen, wenn die Streaming-Qualität besonders hoch ist. Entsprechend stellt sich hier die Frage: Was passiert mit den Einnahmen und müssen diese versteuert werden?

Twitch-Einnahmen versteuern – darauf musst du achten

Streaming von zu Hause aus ist für die meisten Gamer und Twitch-User lediglich ein Hobby, das neben dem Hauptberuf ausgeübt wird. Sobald du aber mit deinem Kanal Geld einnimmst, wird es etwas komplizierter. Hast du diverse Monetarisierungsmaßnahmen wie oben beschrieben auf deinem Twitch-Kanal eingebaut, solltest du beachten, dass man dir damit eine Gewinnerzielungsabsicht unterstellen kann – völlig egal, ob du das nur am Wochenende zum Zeitvertreib oder 24/7 im Dauerbetrieb machst.

Fakt ist: Alle Einkünfte aus einer selbständigen Tätigkeit sind ab dem ersten Cent einkommenssteuerpflichtig. Das bedeutet im Klartext, dass jeder Streamer, der auf Twitch Einnahmen generiert, eine selbständige Tätigkeit beim Finanzamt melden muss, sei es ein Gewerbe oder eine freiberufliche Tätigkeit. Zu diesen Einnahmen zählen nicht nur Affiliate-Umsätze oder Abonnement-Erträge, sondern auch sämtliche Spenden der Twitch-Zuschauer.

Spenden/Donations müssen versteuert werden

Spenden sind laut dem Einkommensteuergesetz nur für Vereine oder andere gemeinnützige Organisationen steuerfrei, nicht aber für freiwillig erbrachte Dienstleistungen wie das Online-Streaming. Wer bei den Donations auf Twitch mit Trinkgeldern argumentiert, hat genauso schlechte Karten: Trinkgelder sind nur für Arbeitnehmer steuerfrei (klassisches Beispiel: der angestellte Kellner), aber nicht für Selbständige.

Es reicht bereits die Angabe eines Paypal-Buttons und eines Spenden-Hinweises, um dem Finanzamt zu signalisieren, dass man eine Gewinnerzielungsabsicht hat – heißt, man möchte damit Geld verdienen, und zwar regelmäßig. Ob tatsächlich jemand spendet oder nicht, spielt hierfür keine Rolle.

Der Steuerberater kann helfen

Sollte das alles bei dir der Fall sein, ist ein Gang zum Steuerberater sinnvoll. Dieser kann dich umfassend zum Thema beraten und einschätzen, was in deiner Situation am geschicktesten ist. Bitte verlasse dich niemals auf gut gemeinte Tipps von Foren oder anderen Internet-Quellen – auch wir können dir nur offizielle Informationen mitgeben, aber deinen individuellen Fall nicht beurteilen. Dafür sind Steuerberater zuständig: Sie helfen dir bei Fragen rund um neben- oder hauptberufliche Einkünfte, Steuerfreibeträge oder wichtige Dinge, die du beachten solltest. Das Finanzamt darf dich dazu nicht beraten!

Wen jetzt die Panik überfällt, weil er im letzten halben Jahr fünf Euro auf Twitch verdient hat: keine Bange, das trifft sicherlich auf viele Streamer des Portals zu. Wer nur kleine Beträge in sehr unregelmäßigen Abständen erwirtschaftet, bleibt in der Regel vor größeren steuerlichen Maßnahmen verschont. Dennoch sollten auch solche Fälle vorab mit einem Steuerberater oder einem kurzen Anruf beim Finanzamt abgeklärt werden, um Sicherheit zu verschaffen. Es ist immer geschickter selbst nachzufragen, als irgendwann mit Steuernachzahlungen konfrontiert zu werden. Und diverse Gründe in die Richtung „Oh, das wusste ich aber nicht“ kommen bei Finanzämtern nicht ganz so gut an 😉

Was denkst du über das Thema? Hier geht es zu den Kommentaren!

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Simon Lüthje

Ich bin der Gründer dieses Blogs und interessiere mich für alles was mit Technik zu tun hat, bin jedoch auch dem Zocken nicht abgeneigt. Geboren wurde ich in Hamburg, wohne nun jedoch in Berlin.

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