AMD Helios auf Azure: Microsoft setzt bei KI-Inferenz auf MI455X und Epyc Venice

Philipp Briel
Philipp Briel · 3 Min. Lesezeit
AMD Helios auf Azure
Bild: AMD

Microsoft holt sich AMD Helios in die Cloud: Der Konzern wird die neue Rackscale-Plattform von AMD auf Azure einsetzen, um KI-Inferenz für eigene Dienste, Frontier-Modelle und Kunden zu betreiben. Angekündigt haben beide Unternehmen das am 20. Juli 2026 als Ausbau ihrer langjährigen Partnerschaft – diesmal über die volle Bandbreite aus GPUs, CPUs, Netzwerk und Software. Die Auslieferung von Helios an Kunden, Microsoft eingeschlossen, startet in der zweiten Jahreshälfte 2026.

TL;DR

  • Microsoft setzt AMD Helios auf Azure für KI-Inferenz ein, Start im 2. Halbjahr 2026.
  • Helios kombiniert Instinct MI455X, Epyc „Venice“ (Zen 6), Pensando-Netzwerk und ROCm.
  • Dazu kommen zwei neue Epyc-VM-Serien (HDv2, HXv2) plus die GPU-Instanz ND MI455X v7.
  • Der Deal ist ein weiterer Schlag im Wettlauf mit Nvidia um KI-Rechenzentren.

Was in den AMD-Helios-Racks steckt

Helios ist AMDs erste integrierte Rackscale-Lösung – also keine einzelnen Beschleuniger-Karten mehr, die man in bestehende Server steckt, sondern ein komplettes System aus einer Hand. In einem Rack sitzen bis zu 72 Instinct-MI455X-Beschleuniger mit zusammen 31 TB HBM4-Speicher und rund 1,4 PB/s Bandbreite. AMD nennt bis zu 2,9 FP4-ExaFLOPS für Inferenz und 1,4 FP8-ExaFLOPS fürs Training. Dazu kommen die Epyc-„Venice“-CPUs auf Zen-6-Basis, Pensando-DPUs fürs Netzwerk sowie die offene Software-Plattform ROCm.

Ein einzelner MI455X bringt es laut AMD auf 432 GB HBM4 und bis zu 40 PFLOPS in FP4 – der Chip ist klar auf niedrig-präzise KI-Formate wie FP4, FP8 und BF16 zugeschnitten, also den typischen Inferenz-Betrieb. Genau dorthin verschiebt sich der Markt gerade: weg vom reinen Training, hin zur Anwendung. Damit gewinnen auch die CPUs wieder an Gewicht.

Drei neue Azure-Instanzen mit AMD-Technik

Neben Helios erweitert Microsoft sein Azure-Portfolio um zwei reine CPU-Serien auf Epyc-Venice-Basis sowie eine GPU-Instanz für KI-Inferenz:

Instanz Einsatzzweck Eckdaten
Azure HDv2 Agentic AI & Daten-Pipelines fast 500 CPU-Kerne (Venice), 4 TB RAM, 32 TB NVMe, 400 Gbit Netzwerk
Azure HXv2 Chip-Design (EDA) 176 CPU-Kerne (Venice, 3D V-Cache, >5 GHz), 2–4 TB RAM, 800 Gbit InfiniBand
ND MI455X v7 KI-Inferenz AMD Helios: Epyc Venice + Instinct MI455X + Pensando DPU

Im Netzwerk-Layer bauen beide zudem die Pensando-DPUs weiter aus und verzahnen sie mit Azure Boost, um Durchsatz und Effizienz über die gesamte Azure-Flotte zu skalieren.

Ein weiterer Baustein gegen Nvidia

„AMD und Microsoft bauen seit Jahren gemeinsam Hochleistungs-Infrastruktur“, sagte AMD-Chefin Lisa Su. Microsoft-CEO Satya Nadella betont die „Performance, Skalierung und Wahlfreiheit“ für Kunden. Übersetzt heißt das: Azure will sich nicht allein auf Nvidia verlassen. AMD positioniert Helios ausdrücklich als Gegenstück zu Nvidias Vera-Rubin-Plattform – und dass ein Hyperscaler wie Microsoft die Lösung „at scale“ abnimmt, ist ein gewichtiges Signal. Lisa Sus Spruch „Jeder will Venice“ bekommt damit einen prominenten Namen mehr.

Wer AMD im Serverumfeld verfolgt, kennt den Trend schon länger – etwa aus dem Ausbau der Epyc-Plattformen bei Server-Herstellern wie TYAN. Mehr Details dürften auf der AMD Advancing AI 2026 folgen, die am 22. Juli startet. Für Microsoft und AMD ist der Azure-Deal aber schon jetzt einer der bislang größten gemeinsamen Schritte im KI-Rechenzentrum.

Quellen: AMD Newsroom, Microsoft, AMD Instinct