AMD und Anthropic: 2-Gigawatt-Deal mit Instinct MI450 und Investment von bis zu 5 Milliarden Dollar

Philipp Briel
Philipp Briel · 5 Min. Lesezeit
Claude Sonnet 4.6
Bild: Anthropic

AMD und Anthropic machen gemeinsame Sache, und zwar im ganz großen Stil. Beide Unternehmen haben am 22. Juli 2026 eine strategische Partnerschaft angekündigt, in deren Rahmen Anthropic bis zu 2 Gigawatt an AMD Instinct MI450-GPUs in Betrieb nimmt. Die erste Ausbaustufe von einem Gigawatt soll in der ersten Jahreshälfte 2027 anlaufen. Und AMD legt noch etwas obendrauf: Der Chiphersteller will bis zu 5 Milliarden US-Dollar in Anthropic investieren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Anthropic setzt bis zu 2 Gigawatt AMD Instinct MI450 (Modell MI455X) in AMD-Helios-Rackscale-Systemen ein.
  • Das erste Gigawatt geht in der ersten Hälfte 2027 in Betrieb.
  • AMD plant ein Equity-Investment von bis zu 5 Milliarden US-Dollar in Anthropic.
  • Beide Firmen nutzen Claude, um Workloads für Instinct-GPUs und die ROCm-Software zu optimieren.
  • Der Deal baut auf Anthropics bestehendem Einsatz der älteren Instinct MI355X auf.

Was AMD und Anthropic konkret vereinbart haben

Anthropic braucht Rechenleistung, und davon nicht zu knapp. Der KI-Anbieter skaliert seine Infrastruktur, um die Nachfrage nach seinem Chatbot Claude zu bedienen. Genau hier kommt AMD ins Spiel: Anthropic setzt künftig auf AMD-Helios-Rackscale-Systeme mit den Instinct MI455X, dem Spitzenmodell der MI450-Serie. Dazu kommen AMD-EPYC-Prozessoren mit Codenamen „Venice“, Pensando-Netzwerktechnik und die hauseigene ROCm-Software.

AMD liefert also nicht einzelne Beschleuniger, sondern ein komplettes Rack-System aus GPU, CPU, Netzwerk und Software. Helios ist auf Training und Inferenz großer KI-Modelle ausgelegt. Neu ist die Zusammenarbeit übrigens nicht: Anthropic nutzt schon heute AMDs Instinct MI355X, der aktuelle Deal ist die deutlich größere nächste Stufe.

Komponente Detail
GPU AMD Instinct MI455X (MI450-Serie)
CPU AMD EPYC „Venice“
Netzwerk AMD Pensando
Software AMD ROCm
Plattform AMD Helios (Rackscale)
Gesamtumfang bis zu 2 Gigawatt
Start erstes Gigawatt erste Hälfte 2027

Claude entwickelt künftig an AMD-Hardware mit

Spannend ist der zweite Teil der Vereinbarung. AMD und Anthropic starten eine mehrjährige Engineering-Kooperation, in der Claude selbst dabei hilft, AMDs Software schneller voranzubringen. Konkret sollen die Teams das KI-Modell nutzen, um Workloads für Instinct-GPUs zu optimieren und die Entwicklung der ROCm-Software zu beschleunigen. AMD wiederum will Claude breit in seinen Engineering- und Produktteams einsetzen.

Das ist mehr als eine nette Randnotiz. ROCm gilt seit Jahren als AMDs größte Schwachstelle gegenüber Nvidias CUDA-Ökosystem. Wenn ausgerechnet ein führendes KI-Modell dabei hilft, diese Softwarelücke zu schließen, könnte das AMD im Rennen um KI-Rechenzentren spürbar helfen. Dass Software der eigentliche Hebel ist, hat zuletzt auch Qualcomms Milliardenübernahme von Modular gezeigt.

5 Milliarden Dollar: das Investment mit Sternchen

AMD hat zugesagt, künftig bis zu 5 Milliarden US-Dollar als strategisches Equity-Investment in Anthropic zu stecken. Wichtig ist die Formulierung: „bis zu“ und „künftig“. Das Investment ist damit eine Absichtserklärung und noch kein abgeschlossenes Geschäft. Wie viel am Ende tatsächlich fließt und zu welchen Konditionen, steht öffentlich noch nicht fest.

Das Muster kennt man inzwischen aus der Branche: Chiphersteller sichern sich Rechenzentrums-Kunden nicht nur über Lieferverträge, sondern auch über Beteiligungen. Genau das hatte AMD zuvor schon bei OpenAI mit einer 6-Gigawatt-Allianz vorgemacht.

Einordnung: AMD sammelt gerade reihenweise KI-Deals ein

Der Anthropic-Deal reiht sich in eine ganze Serie von Ankündigungen ein. Erst zwei Tage zuvor hatte AMD bekannt gegeben, dass Microsoft AMD Helios auf Azure für KI-Inferenz einsetzt. Dazu kommt die bereits genannte OpenAI-Partnerschaft. AMD schiebt sich damit Schritt für Schritt näher ins Zentrum des weltweiten KI-Infrastruktur-Ausbaus, der bislang klar von Nvidia dominiert wird.

Für Anthropic ergibt der Schritt ebenfalls Sinn. Chief Compute Officer Tom Brown betont, dass man Claude über verschiedene Hardware laufen lässt, um jeweils die passenden Workloads auf die passende Hardware zu verteilen. Diese Diversifizierung reduziert die Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten. Parallel baut Anthropic sein Produktangebot rund um Claude weiter aus, wie zuletzt beim festen Tarifzugang zu Claude Fable 5.

„Diese Zusammenarbeit vereint Anthropics Führungsrolle bei Frontier-KI mit der ganzen Stärke von AMD im High-Performance-Computing“, so AMD-Chefin Lisa Su.

FAQ

Was haben AMD und Anthropic vereinbart?

Anthropic setzt bis zu 2 Gigawatt an AMD Instinct MI450-GPUs in AMD-Helios-Systemen ein. Zusätzlich will AMD bis zu 5 Milliarden US-Dollar in Anthropic investieren und gemeinsam an der Software-Optimierung arbeiten.

Wann startet der Einsatz?

Das erste Gigawatt an Instinct-MI450-GPUs soll in der ersten Hälfte des Jahres 2027 in Betrieb gehen.

Was ist AMD Helios?

Helios ist AMDs Rackscale-Plattform für KI-Rechenzentren. Sie kombiniert Instinct-MI455X-GPUs, EPYC-„Venice“-CPUs, Pensando-Netzwerktechnik und die ROCm-Software in einem kompletten Rack-System.

Investiert AMD wirklich 5 Milliarden US-Dollar in Anthropic?

AMD hat ein Investment von bis zu 5 Milliarden US-Dollar angekündigt. Es handelt sich um eine Absichtserklärung für die Zukunft, nicht um ein bereits abgeschlossenes Geschäft.

Nutzt Anthropic weiterhin andere Hardware?

Ja. Laut Anthropic läuft Claude bewusst auf einer breit aufgestellten Hardware-Basis, um verschiedene Workloads jeweils passend zuzuordnen. Der AMD-Deal ist Teil dieser Diversifizierungsstrategie.

Fazit

Für AMD ist der Anthropic-Deal ein weiterer dicker Fisch, und in dieser Woche schon der zweite nach Microsoft. Zwei Gigawatt Instinct MI450 plus ein mögliches Milliarden-Investment zeigen, dass AMD im KI-Geschäft ernsthaft an Nvidia herankommen will. Ich finde den Software-Teil dabei fast interessanter als die reinen Stückzahlen: Wenn Claude tatsächlich hilft, ROCm konkurrenzfähiger zu CUDA zu machen, adressiert AMD genau die Baustelle, die dem Unternehmen jahrelang im Weg stand. Vorsicht ist trotzdem angebracht. Vieles steht unter „bis zu“ und „künftig“, der Löwenanteil des Rollouts liegt in 2027 und danach. Die Ankündigung ist stark, geliefert werden muss aber noch.

Quellen