Android: Passwort-Manager wechseln geht jetzt ohne Datei-Export, Passkeys inklusive

Philipp Briel
Philipp Briel · 4 Min. Lesezeit
Google Passwort-Manager
Bild: Google

Passwort-Manager wechseln war auf Android bisher ein Krampf: Passwörter in eine unverschlüsselte CSV-Datei exportieren, die Datei sicher von A nach B bekommen, in der neuen App wieder hochladen und Passkeys komplett neu anlegen. Seit dem 10. September 2026 geht das direkt. Google hat eine neue Funktion ausgerollt, mit der Passwort-Manager auf Android untereinander Zugangsdaten und Passkeys austauschen, ganz ohne Umweg über eine Datei.

Kurz gesagt: Google Passwortmanager, 1Password, Bitwarden und Dashlane tauschen auf Android ab sofort Passwörter und Passkeys direkt aus. Die neue App fragt an, die alte App bestätigt, und nach wenigen Sekunden sind alle Zugangsdaten umgezogen. Vorausgesetzt wird mindestens Android 8 sowie eine aktuelle Version der jeweiligen App und von Google Play Services, je nach Anbieter etwas höher.

Was sich am Wechsel wirklich ändert

Bislang war ein Wechsel des Passwort-Managers auf Android mit echtem Aufwand verbunden. Wer zum Beispiel Passwörter aus Chrome exportiert hat, kennt das Prinzip: eine CSV-Datei mit allen Zugangsdaten im Klartext, die man dann selbst sicher aufbewahren und wieder löschen musste. Genau dieses Risiko will Google jetzt aus dem Weg räumen.

Technisch hängt das Ganze an einer neuen Integration im Credential Manager von Android, über die kompatible Passwort-Manager-Apps sich gegenseitig erkennen und den Transfer koordinieren. Für Passkeys ist das besonders praktisch: Die mussten bei einem Anbieterwechsel bisher komplett neu eingerichtet werden, weil es keinen einheitlichen Übertragungsweg gab.

So läuft der Passwort-Transfer Schritt für Schritt ab

Der Ablauf ist denkbar einfach gehalten:

  1. In der neuen Passwort-Manager-App die Import-Funktion auswählen.
  2. Android erkennt automatisch die bereits installierten, kompatiblen Passwort-Manager auf dem Gerät.
  3. Der Nutzer wechselt kurz in die bisherige App und bestätigt dort den Transfer, teils lassen sich einzelne Einträge vorher noch prüfen und abwählen.
  4. Passwörter und Passkeys werden innerhalb weniger Sekunden direkt in die neue App kopiert.
Google Passwort-Manager
Bild: Google

Kein Zwischenspeichern, kein manuelles Hochladen einer Datei, kein Neueinrichten der Passkeys. Die alte App bleibt dabei installiert und nutzbar, bis man sie selbst deinstalliert.

Diese Passwort-Manager machen bereits mit

Zum Start unterstützen laut Google vier Anbieter die neue Funktion. Bei den genauen Mindestanforderungen weichen die Angaben in einzelnen Berichten leicht voneinander ab, was vermutlich daran liegt, dass jeder Anbieter zusätzlich zur Android-Basisanforderung eigene Play-Services-Versionen voraussetzt:

Passwort-Manager Android-Version Zusätzliche Voraussetzung
Google Passwortmanager Android 8 oder neuer Aktuelle Google-Play-Services
1Password Android 8 oder neuer Aktuelle App-Version
Bitwarden Password Manager Android 14 oder neuer Google Play Services 26.21 oder neuer
Dashlane Android 10 oder neuer Aktuelle Google-Play-Services

Weitere Anbieter sollen folgen. Da die zugrunde liegende Schnittstelle offen für Partner ist, könnten künftig auch Manager wie Proton Pass oder NordPass nachziehen, offizielle Ankündigungen dazu gibt es bislang aber nicht.

Warum das gerade jetzt einen Unterschied macht

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Passkeys werden gerade spürbar populärer: Bitwarden meldet für den Sommer 2026 einen Anstieg der erstellten Passkeys um mehr als 500 Prozent gegenüber Anfang 2024. Bisher hielt aber genau das viele Menschen davon ab, überhaupt erst umzusteigen, denn ein Wechsel bedeutete, sämtliche Passkeys bei jedem einzelnen Dienst neu zu registrieren.

Diese Hürde fällt jetzt weitgehend weg. Wer sich zum Beispiel schon einmal mit dem Umzug von Apps auf ein neues Handy beschäftigt hat, kennt das Grundproblem: Je einfacher ein Wechsel ist, desto eher trauen sich Nutzer, überhaupt zu wechseln. Genau das dürfte auch beim Passwort-Manager helfen, gerade weil viele bislang aus reiner Bequemlichkeit bei Google Passwortmanager oder dem im Browser eingebauten Manager geblieben sind, obwohl spezialisierte Anbieter wie Bitwarden oder 1Password mehr Funktionen bieten. Wer generell an den Grundlagen für mehr Sicherheit im Netz arbeitet, sollte sich die neue Funktion daher als guten Anlass für einen Wechsel merken.

Unsere Einschätzung

Diese Änderung ist unspektakulär und genau deshalb sinnvoll. Sie löst kein neues Problem, sondern räumt eine ziemlich alte Hürde aus dem Weg, die Wechsel zwischen Passwort-Managern bisher unnötig lästig gemacht hat. Ob Bitwarden, 1Password oder Dashlane am Ende tatsächlich mehr Nutzer von Googles eigenem Passwortmanager abwerben, wird sich zeigen. Der eigentliche Gewinn liegt aber woanders: Zum ersten Mal gibt es auf Android einen einheitlichen, offiziellen Weg, Passkeys überhaupt zwischen Anbietern zu übertragen. Das war überfällig.

Konkrete Angaben zum Rollout in Deutschland macht Google bisher nicht, laut den bisherigen Berichten steht die Funktion aber bereits jetzt allen Nutzern mit passenden App-Versionen zur Verfügung. Wer eine der vier unterstützten Apps installiert hat, kann den Wechsel also einfach ausprobieren.