Anthropic markiert Claude-Texte jetzt unsichtbar – auch nach dem Kopieren

Jens Scharfenberg
Jens Scharfenberg · 3 Min. Lesezeit
Claude
Bild: Anthropic

In Europa gelten seit kurzem neue Transparenzvorschriften für KI-generierte Inhalte und Anthropic reagiert. Künftig soll Claude nämlich unsichtbare Markierungen einbetten. Das soll jedoch nicht nur dann gelten, wenn die KI-Inhalt 1:1 übernommen wird. Obendrein soll das KI-Wasserzeichen auch dann eingebettet bleiben, wenn Texte kopiert, eingefügt oder teilweise überarbeitet werden.

Wasserzeichen statt klassischer Metadaten

Anthropic verzichtet darauf, seine generierten Inhalte mit herkömmlichen Metadaten zu bestücken. Schließlich gehen diese in der Regel verloren, wenn Texte generiert und anschließend kopiert und an anderer Stelle eingefügt werden. Stattdessen will Anthropic ein Markierungssystem nutzen, das direkt im Text selbst verankert ist. Auf bloßen Blick soll man diese Art Wasserzeichen nicht erkennen können.

Damit reagiert das Unternehmen auf die neuen Transparenzvorschriften, die durch den EU AI Act seit 1. August 2026 gelten. KI-generierte Inhalte müssen demnach kenntlich gemacht werden. Dementsprechend soll dieses Wasserzeichen auch bei allen Claude-Modellen zum Einsatz kommen, die seit 2. August 2026 veröffentlicht wurden. Ältere Modelle sollen im Laufe der Zeit folgen.

Die Markierung ist zudem nicht auf den Consumer-Chatbot beschränkt: Sie greift laut Anthropic überall dort, wo unterstützte Modelle zum Einsatz kommen – etwa in Claude Tag, in Claude Code, Cowork, über die API oder bei Cloud-Partnern wie AWS, Google Cloud und Microsoft Foundry. Wie das Verfahren technisch genau funktioniert, hat Anthropic bislang nicht offengelegt.

Markierung ist kein Beweis für KI-Autorschaft

Doch ein zentrales Problem bleibt. So kann ein erkanntes Wasserzeichen nicht automatisch belegen, dass Claude den Text auch wirklich verfasst hat. Vielmehr kann auch die bloße Unterstützung von Claude für eine Markierung sorgen. Anthropic weist selbst darauf hin, dass auch von Menschen geschriebene Texte eine Markierung erhalten können.

Dies könnte etwa dann der Fall sein, wenn der Text von Claude lektoriert, übersetzt oder umformuliert wurde. Umgekehrt bedeutet das Fehlen einer Markierung nicht, dass kein KI-Modell beteiligt war. Weitreichendes Umschreiben kann bspw. dafür sorgen. Erkennungswerkzeuge für Dritte will Anthropic übrigens zu einem späteren Zeitpunkt bereitstellen.

Bilder und Dateien laufen über einen anderen Standard

Doch mit Claude lassen sich bekanntermaßen nicht nur Texte generieren. Stellt sich also die Frage, wie es bei KI-generierten Bildern und anderen Dateiformaten aussieht. Hier kommt nicht das Text-Wasserzeichen zum Einsatz. Stattdessen will Anthropic hier kryptografisch signierte Herkunftsweise nach C2PA Standard nutzen.

Diese Technik kommt bereits branchenübergreifend zum Einsatz und lässt sich unabhängig vom neuen Textverfahren prüfen. Wie hilfreich das System von Anthropic in der Praxis sein wird, ist fraglich. Schließlich wird beim genauen Hinsehen deutlich, dass eine Markierung nicht automatisch bedeutet, dass der Inhalt auch tatsächlich von einer KI stammt.

In den kommenden Monaten will der KI-Primus weitere Mittel zur KI-Markierung veröffentlichen. Wer sich für die Weiterentwicklung von Claude interessiert, findet aktuelle Hintergründe etwa in unserem Beitrag zu Claude Opus 5 und zum kostenlosen Claude-Funktionsumfang ohne Abo.

Quelle

Anthropic