OpenAI testet für ChatGPT Work eine neue Personalisierungsfunktion, die den individuellen Schreibstil von Nutzern automatisch übernimmt. Dafür verknüpft sich der Chatbot mit Gmail, Google Drive, Slack, SharePoint und Notion und liest dort vorhandene E-Mails, Dokumente und Nachrichten aus. Anschließend formuliert die KI eigene Texte im gleichen Ton, ganz ohne dass Nutzer Beispieltexte manuell einfügen müssen.
Wie die neue Schreibstil-Funktion von ChatGPT Work funktioniert
Bislang mussten Nutzer ChatGPT jedes Mal erneut erklären, welchen Tonfall sie sich wünschen, oder eigene Textbeispiele einfügen. Die neue Funktion soll das überflüssig machen: Über die Rubrik Personalisierung in den Einstellungen lässt sich festlegen, welche Dienste ChatGPT nach Schreibproben durchsuchen darf. Laut OpenAI erkennt das System dabei unter anderem bevorzugte Grußformeln, wiederkehrende Lieblingsformulierungen sowie typische Zeichensetzung und Groß-/Kleinschreibung einzelner Nutzer.
Zur Verfügung stehen aktuell vier Anbindungen:
- Gmail: E-Mail-Korrespondenz
- Google Drive (inklusive Google Docs): Dokumente
- Slack: Chatnachrichten
- SharePoint und Notion: interne Dokumentation
Je mehr Quellen freigegeben werden, desto umfassender soll das Sprachmodell den individuellen Stil einer Person abbilden können, von der klassischen Geschäfts-E-Mail bis zur kurzen Slack-Nachricht.
Verfügbarkeit: Nur für zahlende ChatGPT-Work-Nutzer
Die Funktion läuft aktuell nur als kleiner Test und ist ausschließlich in der Web-Version von ChatGPT Work verfügbar, dem auf Unternehmen zugeschnittenen Angebot von OpenAI, erreichbar über die Personalisierungseinstellungen. Vorausgesetzt wird ein kostenpflichtiger ChatGPT-Work-Zugang. Eine mobile Version ist laut den bisherigen Berichten noch nicht verfügbar, einen konkreten Termin für den breiten Rollout hat OpenAI bislang nicht genannt.
Is this new in ChatGPT? pic.twitter.com/DJfIWKjy4a
— Gael Breton (@GaelBreton) September 4, 2026
Datenschutz: Offene Fragen zu Speicherung und KI-Training
Damit ChatGPT auf Gmail, Slack oder Notion zugreifen kann, müssen Nutzer der Anwendung weitreichende Berechtigungen für private E-Mails, Dokumente und Chatverläufe einräumen. Genau hier setzt die Kritik an, wie unter anderem Bleeping Computer berichtet: OpenAI hat bislang nicht im Detail offengelegt, wie lange die ausgelesenen Schreibproben auf den eigenen Servern gespeichert werden und ob sie zusätzlich zum Training zukünftiger Sprachmodelle verwendet werden könnten. Nutzer, die die Funktion ausprobieren möchten, sollten sich daher vorab genau ansehen, welche Zugriffsrechte sie den einzelnen Diensten in den Personalisierungseinstellungen erteilen.
Wer generell wissen möchte, wo in Deutschland eine Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte gilt, findet einen Überblick in unserem Ratgeber zur KI-Kennzeichnungspflicht 2026.
ChatGPT Work vs. Claude Styles: Der Unterschied zu Anthropic
Konkurrent Anthropic bietet mit den sogenannten „Styles“ für seinen Chatbot Claude bereits eine ähnliche Funktion an. Der Unterschied: Claude lernt den Schreibstil nur aus Textproben, die Nutzer manuell hochladen oder einfügen. ChatGPT Work greift dagegen direkt auf bereits vorhandene Inhalte in Gmail, Slack & Co. zu und kommt dadurch an deutlich mehr Schreibproben, allerdings auf Kosten der Datenhoheit der Nutzer.
| Merkmal | ChatGPT Work (Test) | Claude Styles |
|---|---|---|
| Datenquelle | Gmail, Google Drive, Slack, SharePoint, Notion | Manuell hochgeladene Textbeispiele |
| Aufwand für Nutzer | Einmalige App-Verknüpfung | Beispieltexte selbst bereitstellen |
| Verfügbarkeit | Kleiner Testkreis, ChatGPT Work (Web) | Breiter verfügbar |
Fazit
Wer täglich E-Mails, Slack-Nachrichten und Reports im eigenen Ton formulieren muss, könnte mit der neuen Funktion tatsächlich Zeit sparen, vorausgesetzt, OpenAI klärt vorher die offenen Fragen zu Speicherdauer und KI-Training. Aktuell testet nur eine kleine Gruppe die Funktion. Ob und wann sie für alle ChatGPT-Work-Kunden kommt, hat OpenAI noch nicht gesagt.
