Die Chieftec Iceberg PRO 360 ist eine neue All-in-One-Wasserkühlung mit 360-mm-Radiator, die im Pumpenkopf einen zusätzlichen Zentrifugallüfter trägt. Der bläst die Luft radial in alle Richtungen und kühlt damit VRMs, RAM-Module und M.2-SSDs mit, die bei einer klassischen AIO normalerweise komplett ohne Luftzug auskommen müssen. Chieftec bietet die Serie in einer ARGB-Variante (CLC-360-VRM-RGB) und einer komplett schwarzen Version (CLC-360-VRM-BLK) an. Preise und einen Marktstart nennt der Hersteller bislang nicht.
Damit greift Chieftec einen Nachteil auf, den fast jede Kompaktwasserkühlung mitbringt: Sobald der große Towerkühler aus dem Gehäuse verschwindet, fehlt rund um den Sockel jede Luftbewegung. Wie viel der kleine Lüfter im Pumpenkopf tatsächlich bringt, hängt allerdings stark vom Mainboard-Layout ab.
TL;DR: Das Wichtigste in Kürze
- Modelle: Iceberg PRO 360 RGB (CLC-360-VRM-RGB) und Iceberg PRO 360 DARK (CLC-360-VRM-BLK)
- Besonderheit: Zentrifugal-VRM-Lüfter im Pumpenkopf, 500 bis 2.200 RPM
- Radiator: 396 × 120 × 27 mm aus Aluminium, also eher schlank gebaut
- Pumpe: 1.800 bis 2.700 RPM, 4-Pin-PWM, Kupferboden
- Lüfter: drei Snap-On-Interlocking-PWM-Lüfter, bis 2.200 RPM, 64,72 CFM, 3,06 mmH₂O
- Sockel: Intel LGA 1851 bis LGA 2011, AMD AM5 bis AM2 und FM1
- Garantie: 36 Monate
- Preis: noch nicht bekannt
Der VRM-Lüfter ist das eigentliche Argument
Luftkühler haben einen unfreiwilligen Nebeneffekt, der oft unterschätzt wird: Der große Ventilator wirbelt permanent Luft über die Spannungswandler, die Speicherbänke und den oberen M.2-Slot. Bei einer AIO passiert dort nichts mehr, weil die gesamte Abwärme über den Radiator nach draußen geht. Genau in diese Lücke setzt Chieftec den Zentrifugallüfter, der im Pumpenkopf sitzt und die Luft nicht nach unten, sondern rundum verteilt.
Der Lüfter läuft laut Datenblatt mit 500 bis 2.200 RPM und wird per PWM geregelt. Konkrete Temperaturmessungen oder Lautstärkewerte in dB(A) liefert Chieftec bisher nicht, weder für den VRM-Lüfter noch für die Radiatorlüfter. Ob das Konzept im Alltag mehr als ein paar Grad bringt, wird sich erst in unabhängigen Tests zeigen. Bei Boards mit hohen VRM-Kühlkörpern oder einer Backplate über dem M.2-Slot dürfte der Effekt jedenfalls geringer ausfallen als auf einem offenen Mittelklasse-Layout.
Radiator, Pumpe und Snap-On-Lüfter
Der Aluminiumradiator misst 396 × 120 × 27 mm. Mit 27 mm Dicke gehört er zu den schlankeren Vertretern seiner Klasse, viele 360er-AIOs liegen bei 30 bis 38 mm. Das macht den Einbau in engeren Gehäusen einfacher, kostet im Gegenzug aber Kühlfläche. Für ordentliche Ergebnisse bleibt Chieftec deshalb auf die Lüfter angewiesen, die mit 64,72 CFM und 3,06 mmH₂O statischem Druck angegeben sind.
Praktisch ist das Snap-On-Interlocking-System: Die drei 120-mm-Lüfter klicken direkt aneinander und teilen sich die Verkabelung. Statt drei PWM- und drei ARGB-Kabeln landet am Mainboard nur noch je ein Strang. Das spart nicht nur Zeit beim Einbau, sondern auch den Fan-Hub, den man bei vielen Konkurrenzmodellen sonst irgendwo hinter der Netzteilabdeckung verstauen muss.
Die Pumpe dreht mit 1.800 bis 2.700 RPM und hängt ebenfalls an einem 4-Pin-PWM-Anschluss, nimmt 0,2 A bei 12 V auf. Der Kühlblock selbst ist mit 97,8 × 88,3 × 68 mm ungewöhnlich hoch gebaut, was durch den integrierten Lüfter erklärt wird. Wer ein kompaktes Gehäuse mit knappem Abstand zwischen Mainboard und Seitenteil nutzt, sollte diese 68 mm vorher nachmessen. Die Bodenplatte besteht aus Kupfer, das Gehäuse des Blocks aus Kunststoff.
Die ARGB-Version lässt sich über die üblichen Ökosysteme steuern, also ASUS Aura Sync, MSI Mystic Light, Gigabyte RGB Fusion und ASRock Polychrome Sync. Wer es schlicht mag, greift zur DARK-Variante ohne Beleuchtung. Beide Modelle sind mechanisch identisch.
Technische Daten der Chieftec Iceberg PRO Serie
| Spezifikation | Iceberg PRO 360 RGB | Iceberg PRO 360 DARK |
|---|---|---|
| Artikelnummer | CLC-360-VRM-RGB | CLC-360-VRM-BLK |
| Radiator | 396 × 120 × 27 mm, Aluminium | |
| Kühlblock | 97,8 × 88,3 × 68 mm, Kupferboden, Kunststoffgehäuse | |
| Pumpe | 1.800 bis 2.700 RPM (±10 %), 12 V, 0,2 A, 4-Pin-PWM | |
| Radiatorlüfter | 3 × 120 mm, 500 (±200) bis 2.200 RPM (±10 %), 64,72 CFM, 3,06 mmH₂O | |
| VRM-Lüfter | Zentrifugallüfter, 500 (±200) bis 2.200 RPM (±10 %) | |
| Beleuchtung | ARGB, Sync mit ASUS, MSI, Gigabyte, ASRock | keine |
| Intel-Sockel | LGA 1851, 1700, 1366, 1200, 115X, 2011 | |
| AMD-Sockel | AM5, AM4, AM3+, AM3, AM2+, AM2, FM2+, FM2, FM1 | |
| Gewicht (netto / brutto) | 1,69 kg / 2,75 kg | |
| Garantie | 36 Monate | |
Sockelliste reicht ungewöhnlich weit zurück
Auffällig ist die Kompatibilitätsliste. Neben aktuellen Plattformen wie LGA 1851 und AM5 unterstützt die Iceberg PRO auch LGA 1366, LGA 2011 sowie AM3+, AM2 und FM1. Solche Halterungen liegen den meisten neuen AIOs längst nicht mehr bei. Für Bastler mit älteren Workstation-Boards oder einem Zweitrechner auf AM3-Basis ist das ein handfestes Plus, auch wenn die Zielgruppe überschaubar bleibt.
Eine offizielle TDP-Angabe fehlt, wie bei Chieftec-Kühlungen üblich. Ein 360-mm-Radiator mit drei Lüftern bei bis zu 2.200 RPM sollte aktuelle Achtkerner und die meisten 12- bis 16-Kern-CPUs im Griff haben. Bei einem dauerhaft bei 250 Watt und mehr laufenden Core i9 oder Ryzen 9 würden wir angesichts der 27 mm Radiatordicke aber keine Rekorde erwarten.
Preis und Verfügbarkeit
Chieftec hat zur Ankündigung weder eine unverbindliche Preisempfehlung noch ein Startdatum genannt. Die bisherige Chieftec Iceberg-Serie war im Preis-Leistungs-Segment unterwegs, ebenso die später nachgeschobene Iceberg White Edition. Dass die PRO-Modelle deutlich darüber liegen, wäre also eine Überraschung. Die Garantie gibt Chieftec mit 36 Monaten an. Das ist branchenüblich für diese Klasse, liegt aber unter den fünf bis sechs Jahren, die Premium-AIOs mitbringen.
Bis Testergebnisse vorliegen, lohnt der Blick auf die Alternativen. Wer maximale Kühlleistung sucht, findet sie derzeit eher bei Modellen wie der Noctua NL-LC1-36, die wir bereits getestet haben. Feature-Fans schauen auf die ASUS ROG Strix LC IV mit Display und kabellosem Q-Connector. Und im günstigeren Segment mischt unter anderem die Sharkoon S100 ARGB mit.
FAQ zur Chieftec Iceberg PRO 360
Was macht den VRM-Lüfter der Iceberg PRO besonders?
Es ist ein Zentrifugallüfter im Pumpenkopf, der die Luft radial nach allen Seiten verteilt. Er kühlt damit Spannungswandler, RAM-Module und M.2-SSDs mit, die bei einer AIO sonst keinen Luftstrom abbekommen.
Was kostet die Chieftec Iceberg PRO 360?
Chieftec hat bisher keine Preise genannt. Auch ein konkretes Verfügbarkeitsdatum steht noch nicht fest.
Welche Unterschiede gibt es zwischen RGB und DARK?
Nur die Beleuchtung. Die RGB-Version (CLC-360-VRM-RGB) hat ARGB-Lüfter, die DARK-Version (CLC-360-VRM-BLK) kommt komplett schwarz ohne Beleuchtung. Radiator, Pumpe und VRM-Lüfter sind identisch.
Passt die Iceberg PRO auf meinen Sockel?
Unterstützt werden Intel LGA 1851, 1700, 1366, 1200, 115X und 2011 sowie AMD AM5, AM4, AM3+, AM3, AM2+, AM2, FM2+, FM2 und FM1. Damit deckt die Kühlung auch deutlich ältere Plattformen ab.
Wie viel Platz braucht der Radiator?
Der Radiator misst 396 × 120 × 27 mm. Zusammen mit Lüftern in der üblichen Dicke von 25 mm brauchst du an der Montagestelle also rund 52 mm Platz. Der Pumpenkopf auf der CPU baut zusätzlich 68 mm hoch.
Wie laut ist die Kühlung?
Chieftec macht keine Angaben zur Geräuschentwicklung. Da alle Lüfter und die Pumpe per PWM geregelt werden, lässt sich die Lautstärke über die Mainboard-Lüfterkurve aber selbst festlegen.
Fazit
Die Chieftec Iceberg PRO 360 löst ein Problem, über das die meisten AIO-Hersteller einfach hinwegsehen: die tote Luft rund um den CPU-Sockel. Der Zentrifugallüfter im Pumpenkopf ist eine schlaue Idee, die sich in der Praxis erst noch beweisen muss, weil Chieftec bislang keine Messwerte liefert. Dazu kommen mit dem Snap-On-System und der extrem breiten Sockelunterstützung zwei Punkte, die den Einbau spürbar entspannen. Der 27 mm dünne Radiator und der 68 mm hohe Pumpenkopf sind die Kompromisse, die du dafür einplanen solltest. Sobald Chieftec Preise nennt, wissen wir, ob das Paket auch rechnerisch aufgeht.
Quellen: Chieftec,