Claude Cowork: Anthropic bringt KI-Agenten auf Web und Smartphone

Jens Scharfenberg
Jens Scharfenberg · 3 Min. Lesezeit
Claude
Bild: Anthropic

Anthropics agentenbasierte Arbeitsplattform Claude Cowork war bislang eine reine Desktop-Anwendung für Windows und macOS. Das ändert sich jetzt: Die Beta-Version startet auf Web und Mobilgeräten, zunächst exklusiv für Abonnenten des Claude-Max-Tarifs.

Aufgaben starten, überwachen und fortsetzen – auf jedem Gerät

Mit der Erweiterung lassen sich lang laufende, mehrstufige KI-Aufgaben nun auch unter iOS und Android direkt vom Smartphone aus starten und verwalten. Das Update wird in den kommenden Wochen schrittweise ausgerollt. Anthropic kündigte an, die Funktion später auch für weitere Tarifstufen bereitzustellen, ohne dafür bereits einen konkreten Zeitrahmen zu nennen. Der Kernvorteil liegt in der geräteübergreifenden Synchronisierung: Workflows lassen sich auf dem Desktop-PC starten, unterwegs auf dem Smartphone überwachen und anschließend auf jedem verbundenen Gerät nahtlos fortsetzen.

Agentic Loops laufen jetzt in der Cloud

Der wichtigste technische Bestandteil des Updates ist die standardmäßige Ausführung von Aufgaben auf Anthropics Servern statt auf dem lokalen Gerät. Dadurch können mehrstufige Arbeitsabläufe – etwa das nächtliche Zusammenfassen von E-Mail-Konversationen, die Analyse aktueller Branchennachrichten oder die Erstellung umfangreicher Briefing-Dokumente – auch dann weiterlaufen, wenn der Computer ausgeschaltet oder offline ist. Das reiht sich ein in Anthropics jüngste Ausbauten der Cowork-Funktionalität, nachdem das Unternehmen erst kürzlich mit Claude Tag einen ähnlichen Ansatz für die Teamarbeit in Slack vorgestellt hat.

Wissensarbeit statt Coding im Fokus

Parallel zur plattformübergreifenden Einführung hat Anthropic interne Nutzungsdaten veröffentlicht, die auf der Auswertung von 1,2 Millionen anonymisierten Sitzungen aus mehr als 600.000 Unternehmen basieren. Entgegen der verbreiteten Annahme, agentenbasierte KI richte sich vor allem an Softwareentwickler, entfielen nur 8,7 Prozent aller aktiven Cowork-Sitzungen auf Programmieraufgaben. Mehr als 90 Prozent der Nutzung konzentrierten sich stattdessen auf klassische Wissensarbeit: Den größten Anteil machten alltägliche Verwaltungsaufgaben wie der Abgleich von Ausgaben oder das Zusammenführen verstreuter Team-Updates mit 33,4 Prozent aus, gefolgt von allgemeinen Schreib- und Content-Aufgaben mit 16,4 Prozent.

Desktop bleibt für lokale Aufgaben Pflicht

Trotz der neuen Web- und Mobiloberflächen bleiben einige Funktionen an die Desktop-Anwendung gebunden. Der Zugriff auf lokale Dateien sowie die Browsersteuerung setzen weiterhin voraus, dass die Claude-Desktop-App im Hintergrund läuft. Für umfangreiche Workflows mit lokalen Dokumenten empfiehlt Anthropic daher, den Desktop-Client geöffnet zu lassen, selbst wenn eine Aufgabe über Smartphone oder Browser gestartet oder überwacht wird. Auch bei der Automatisierung setzt Anthropic auf zusätzliche Sicherheitsmechanismen: Erreicht Claude einen Schritt, der eine menschliche Entscheidung erfordert, oder steht der Versand einer E-Mail bevor, sendet die Plattform eine Benachrichtigung an das Smartphone und fordert eine ausdrückliche Bestätigung an.

Preis und Verfügbarkeit

Claude Cowork für Web und Mobilgeräte steht zunächst ausschließlich Abonnenten des Claude-Max-Tarifs ab 90 Euro pro Monat zur Verfügung und ist über die Startseite auf claude.ai sowie über die Seitenleiste der Claude-Apps für iOS und Android erreichbar. Wer noch mit einem günstigeren Tarif arbeitet, kann bereits jetzt mit Claude Sonnet 5 auf ein leistungsstarkes Modell zugreifen, das laut Anthropic nah an das Spitzenmodell Opus 4.8 heranreicht.