Claude Cowork jetzt für alle: Start auf Mobilgeräten und im Web

Philipp Briel
Philipp Briel · 4 Min. Lesezeit
Claude Sonnet 4.6
Bild: Anthropic

Claude Cowork ist ab sofort nicht mehr nur eine Desktop-Angelegenheit: Anthropic hat den KI-Assistenten für alle zahlenden Abo-Stufen auf iOS, Android und im Browser freigeschaltet. Wer morgens am Laptop eine Aufgabe gestartet hat, kann sie mittags auf dem Handy weiterverfolgen, ohne dass die Sitzung abreißt. Bislang lief das nur in einer geschlossenen Beta, die vor allem Max-Abonnenten vorbehalten war.

Kurz zusammengefasst

  • Claude Cowork läuft jetzt auf iOS, Android und im Web, nicht mehr nur auf dem Desktop.
  • Verfügbar für alle bezahlten Abos, nicht mehr exklusiv für Max-Kunden.
  • Aufgaben laufen im Hintergrund weiter, auch ohne aktiv verbundenes Gerät.
  • Vor jedem Versand einer E-Mail oder Nachricht muss man weiterhin selbst zustimmen.
  • Nur die Desktop-App hat Zugriff auf lokale Dateien und kann den Browser steuern.

Was Claude Cowork überhaupt macht

Claude Cowork ist Anthropics Versuch, aus dem Chatbot einen digitalen Assistenten zu machen, der eigenständig durch mehrere Etappen einer Aufgabe geht. Statt nur zu antworten, verknüpft Cowork Dateien, Kalender, E-Mail-Postfächer und Messenger und arbeitet sich durch Aufgaben wie eine Ausgabenabstimmung oder das Erstellen einer Präsentation aus einem Transkript. Laut Anthropic betreffen mehr als 90 Prozent der Nutzung mittlerweile keine Software-Entwicklung mehr, gut die Hälfte entfällt auf Business-Operations und Content-Erstellung.

Das ändert sich: Mobile und Web statt nur Desktop

Der Kern der Ankündigung vom 18. August 2026 ist simpel: Cowork-Sitzungen lassen sich jetzt direkt über claude.ai starten und in der Claude-App für iOS und Android über die Seitenleiste fortsetzen. Wer unterwegs eine Entscheidung freigeben oder einen Entwurf korrigieren muss, bekommt das auf dem Sperrbildschirm angezeigt, ganz ohne Zugriff auf den Laptop. Anthropic hatte die Erweiterung bereits am 7. Juli 2026 angekündigt und zunächst Max-Kunden vorgezogen, bevor am 18. August der volle Rollout für alle bezahlten Pläne abgeschlossen wurde.

Ein Kunde von Ramp beschreibt den Wechsel zwischen Geräten laut Anthropics offiziellem Blogpost so: „Ich erstellte ein Dashboard auf meinem Laptop und setzte die Sitzung auf meinem Smartphone fort. Die Verbindung blieb bestehen.“ Genau dieses nahtlose Weiterreichen zwischen Geräten ist der eigentliche Pitch, nicht ein neues Einzelfeature.

Desktop, Web oder Mobile: Wer kann was?

Trotz der Erweiterung bleibt die Desktop-App die funktional stärkste Variante, weil nur sie auf lokale Dateien zugreifen und den Browser des Nutzers steuern kann. Web und Mobile sind für schnelle Freigaben und die Kontrolle laufender Aufgaben gedacht, nicht für neue Tiefenarbeit unterwegs.

Funktion Desktop Web Mobile
Zugriff auf lokale Dateien Ja Nein Nein
Neue Aufgaben starten (Tiefenarbeit) Ja Eingeschränkt Nein
Laufende Aufgaben im Hintergrund fortsetzen Ja Ja Ja
Entscheidungen freigeben / Entwürfe prüfen Ja Ja Ja

Rollout-Zeitplan im Überblick

  • 7. Juli 2026: Anthropic kündigt die Erweiterung von Cowork auf Web und Mobile an, Start priorisiert für Max-Abonnenten.
  • Ende Juli / Anfang August 2026: Schrittweiser Beta-Zugang für weitere Abo-Stufen.
  • 18. August 2026: Voller Rollout für alle bezahlten Pläne auf iOS, Android und im Web abgeschlossen.

Warum das mehr ist als nur ein neues Häkchen in der App

Man kann bei Anthropic inzwischen fast im Wochentakt neue Funktionen abhaken, aber dieser Schritt zielt auf etwas anderes: Cowork soll zur Plattform werden, die man nicht mehr bewusst „öffnet“, sondern die im Hintergrund mitläuft, während man das eigentliche Gerät wechselt. Das ist auch eine Reaktion auf die Konkurrenz. OpenAI hat mit ChatGPT ohne Account gezeigt, wie niedrigschwellig der Einstieg in KI-Werkzeuge inzwischen sein kann, und auch bei Anthropic geht der Trend klar Richtung „überall verfügbar, ohne Reibung“.

Seit dem 2. August 2026 gilt in der EU eine KI-Kennzeichnungspflicht, die unter anderem KI-generierte Texte und Inhalte betrifft. Anthropic begegnet dem im Fall von Cowork mit einer klaren Regel: Nichts wird ohne Bestätigung durch den Nutzer verschickt. Auch 9to5Mac bestätigt, dass der Rollout am 18. August für alle bezahlten Pläne abgeschlossen wurde.

Fazit

Claude Cowork verliert mit dem Rollout auf Mobilgeräten und im Web seinen Status als reines Desktop-Werkzeug für Power-User. Für die meisten dürfte relevant sein, dass Aufgaben jetzt geräteübergreifend weiterlaufen und man unterwegs schnell eingreifen kann, ohne den Laptop aufzuklappen. Wer wirklich tief in Dateien und Browser eingreifen lassen will, landet aber weiterhin bei der Desktop-Version, Mobile und Web sind eher die Fernbedienung dazu.