Ist Claude gehackt worden? Nicht direkt, aber Kriminelle kapern gerade reihenweise Konten von Claude-Abonnenten. Anthropic bestätigt, dass sogenannte Infostealer-Malware aktive Login-Sitzungen von den Rechnern der Opfer stiehlt und Angreifer damit fremde Token-Guthaben verbrauchen, ganz ohne Passwort oder Zwei-Faktor-Code. Betroffene berichten von Nutzungslimits, die sich innerhalb weniger Minuten von 0 auf 100 Prozent füllen, während sie selbst gar nicht am Rechner saßen.
Was ist bei den Claude-Angriffen passiert?
Ausgelöst hat die Debatte der Fall von Grant De Swardt, einem unabhängigen KI-Berater aus East Sussex in Großbritannien, wie TechCrunch berichtet. De Swardt nutzt Claude-Agenten beruflich, um kleine und mittlere Unternehmen bei der Automatisierung zu unterstützen. Sein Abo, Claude Max 20x, kostet 200 US-Dollar im Monat. Am 4. August bemerkte er, dass sein Token-Verbrauch ohne eigenes Zutun von 45 auf 55 Prozent stieg.
Er war nicht der Einzige. Auf Reddit und GitHub tauchten in den folgenden Wochen ähnliche Berichte auf: Ein Nutzer sah sein Kontingent binnen 30 Minuten von 0 auf 100 Prozent klettern, bei einem anderen waren es 49 Prozent in nur zwölf Minuten. Ein Betroffener verlor an drei aufeinanderfolgenden Tagen sein komplettes Tageskontingent. De Swardt selbst musste rund zwei Wochen auf die Wiederherstellung seines Kontos warten und erhielt am Ende eine Teilrückerstattung von umgerechnet etwa 50 Euro. Frustriert kündigte er sein Abo und wechselte zu einem Konkurrenzprodukt.
Wie funktioniert der Infostealer-Angriff auf Claude-Konten?
Anthropic hat die Vorfälle mittlerweile bestätigt und in E-Mails an betroffene Nutzer die Ursache benannt: verbreitete Infostealer-Malware. Solche Schadprogramme installieren sich meist über inoffizielle Downloads oder manipulierte Apps auf dem Rechner des Opfers und kopieren dort im Hintergrund gespeicherte Passwörter, Browser-Cookies und Zugangsdaten für lokal laufende Anwendungen, darunter auch aktive Login-Sitzungen für Claude.
Mit einer gestohlenen Sitzung müssen sich Angreifer weder durchs Passwort noch durch die Zwei-Faktor-Authentifizierung kämpfen: Sie übernehmen die bereits authentifizierte Verbindung und nutzen das Konto, als wären sie der eigentliche Besitzer. Laut BleepingComputer hat Anthropic mehrere konkrete Malware-Familien identifiziert, die dafür verantwortlich sind:
| Betriebssystem | Identifizierte Infostealer |
|---|---|
| Windows | Vidar, LummaC2, StealC, RedLine, Acreed |
| macOS | Atomic Stealer (AMOS), betrifft laut Anthropic bislang nur eine kleine Nutzergruppe |
Ein betroffener Nutzer führte seine Infektion gegenüber BleepingComputer auf den Download eines raubkopierten Spiels aus einem russischen Forum zurück. Ein klassischer Infektionsweg, denn Infostealer verstecken sich gerne hinter Cracks, Keygens oder unseriösen App-Downloads.
Ist das eine Sicherheitslücke bei Claude?
Nein, zumindest nicht im technischen Sinne. Anthropic stellt in seiner Kommunikation ausdrücklich klar: „We have no reason to believe that this malware is related to Claude, installed through Claude, or related to anything you did with Claude.“ Die Schwachstelle liegt also nicht in Claude selbst, sondern auf den Geräten der Nutzer, die sich die Malware unabhängig vom KI-Dienst eingefangen haben. Für die Betroffenen ist dieser Unterschied allerdings wenig tröstlich, denn ihr Guthaben ist trotzdem weg.
Was unternimmt Anthropic gegen die Angriffe?
Nach eigenen Angaben hat Anthropic auf die erkannten verdächtigen Aktivitäten reagiert und betroffene Konten abgemeldet, kompromittierte Sitzungen widerrufen sowie hinterlegte Zahlungsmethoden entfernt. In Einzelfällen wurden unrechtmäßig verbrauchte Gebühren zumindest teilweise erstattet. Nutzer wurden zudem per E-Mail über die Malware-Gefahr informiert.
Kritik entzündet sich aber an einem anderen Punkt, den auch TechCrunch hervorhebt: Anthropic bietet bislang keine itemisierte, nachvollziehbare Nutzungsaufschlüsselung an. Wer nicht zufällig wie De Swardt sein Dashboard im richtigen Moment im Blick hat, bemerkt einen Missbrauch im Zweifel gar nicht, oder erst, wenn das Monatskontingent bereits aufgebraucht ist. Auf Anfrage zu konkreten Schutzempfehlungen für Nutzer äußerte sich das Unternehmen laut TechCrunch nicht.
So schützt du dein Claude-Konto vor Infostealern
Da die eigentliche Schwachstelle auf dem Endgerät liegt, hilft nur konsequente Cyberhygiene:
- Lasst euren Rechner mit einem aktuellen Antivirenprogramm auf bereits installierte Infostealer scannen. Falls ihr noch keine Lösung im Einsatz habt, zeigen wir in unserem Antivirus-Vergleich empfehlenswerte Programme.
- Widerruft alle aktiven Sitzungen, nicht nur bei Claude, sondern bei allen wichtigen Online-Diensten, und meldet euch danach überall neu an.
- Ändert eure Passwörter, angefangen beim E-Mail-Konto, weil sich darüber oft weitere Dienste zurücksetzen lassen. Ein Passwort-Manager macht individuelle, starke Passwörter für jeden Dienst erst praktikabel; wir haben zum Beispiel Password Depot im Praxistest genauer angeschaut.
- Aktiviert die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Sie schützt zwar nicht vor bereits gestohlenen Sitzungscookies, erschwert Angreifern aber den erneuten Zugriff nach einem Passwortwechsel deutlich.
- Prüft, woher die Infektion stammen könnte. Raubkopien, Cracks, Keygens und Downloads aus inoffiziellen Quellen sind die häufigsten Einfallstore für Infostealer.
- Kontrolliert eure Nutzung regelmäßig. Wer längere Zeit nicht aktiv war, sollte einen Blick ins Claude-Dashboard werfen und sich beim Anthropic-Support melden, sobald der Verbrauch nicht zum eigenen Nutzungsverhalten passt.
Einen guten Grundüberblick über weitere Absicherungsmaßnahmen für den Alltag findet ihr auch in unserem Ratgeber Sicher durchs Netz: Mit diesen Basics die Absicherung verbessern.
Fazit
Die aktuellen Vorfälle rund um gehackte Claude-Konten sind keine Sicherheitslücke im eigentlichen Sinne, sondern die Folge weitverbreiteter Infostealer-Malware, die längst nicht nur KI-Dienste im Visier hat. Trotzdem zeigt der Fall eine echte Schwachstelle im System: Ohne itemisierte Nutzungsübersicht bleibt es Nutzern selbst überlassen, verdächtige Aktivitäten zu bemerken, und das oft zu spät. Bis Anthropic hier nachbessert, hilft nur die eigene Vorsicht: Malware-Scans, starke Passwörter aus einem Passwort-Manager und ein regelmäßiger Blick ins eigene Nutzungs-Dashboard.