Claude darf ab sofort selbst ans Steuer: Anthropic hat die Gmail-Anbindung seines KI-Assistenten so erweitert, dass Claude E-Mails nicht mehr nur als Entwurf vorbereitet, sondern sie auch direkt verschickt, beantwortet und weiterleitet. Wer die Bestätigungsabfrage abschaltet, lässt die KI komplett autonom durchs eigene Postfach agieren.
Was Claude in Gmail jetzt darf
Bislang war bei der Google-Workspace-Anbindung von Claude nach dem Entwurf Schluss: Die KI schrieb eine E-Mail, der Mensch musste sie absenden. Das ändert sich laut 9to5Google nun grundlegend. Claude kann E-Mails jetzt eigenständig verfassen und abschicken, auf ganze Threads antworten und Nachrichten weiterleiten. Auf X formulierte es Anthropic so: Man bittet Claude, auf einen Thread zu antworten, und die KI entwirft die Antwort und verschickt sie auch gleich. Wie viel Kontrolle man dabei behält, legt man selbst fest.
Claude can now send emails in Gmail and manage files in Google Drive.
Ask Claude to reply to a thread, and it drafts and sends the response. You control when it needs your approval.
Connect Gmail or Google Drive from the connectors menu to try. Available on all paid plans. pic.twitter.com/cFZEjh3MgB
— Claude (@claudeai) August 18, 2026
Auch der Zugriff auf Google Drive wurde ausgebaut. Claude kann dort jetzt gezielt nach Dokumenten suchen, Dateien teilen, verschieben oder in den Papierkorb legen, wie es in Anthropics eigener Dokumentation zu den Google-Workspace-Connectors heißt. Die Kalender-Anbindung, die es parallel gibt, erlaubt zusätzlich das Anlegen und Ändern von Terminen sowie das Prüfen gemeinsamer Verfügbarkeiten.
Bestätigung an oder aus: Die Kontrolle liegt beim Nutzer
Standardmäßig fragt Claude vor jeder dieser Aktionen um Erlaubnis, bevor tatsächlich etwas verschickt oder gelöscht wird. Diese Sicherung lässt sich in den Einstellungen aber deaktivieren, sodass Claude komplett ohne Rückfrage handelt. Bei Team- und Enterprise-Konten entscheiden nicht die einzelnen Nutzer, sondern die Administratoren, ob diese automatisierten Aktionen in der Organisation überhaupt erlaubt sind.
Authentifiziert wird über das bestehende Google-Konto per OAuth. Claude erbt dabei genau die Rechte, die der jeweilige Account ohnehin hat: Wer in Gmail nichts löschen darf, kann das auch Claude nicht erlauben. Das betrifft übrigens nur die Gmail-Weboberfläche und die Desktop-App, nicht die separaten E-Mail-Apps für Android, die Claude bislang nicht ansteuern kann.
Für wen die Automatisierung verfügbar ist
Die reinen Connectors für Gmail, Drive und Kalender stehen laut Anthropic allen Claude-Nutzern zur Verfügung, auch im kostenlosen Tarif. Das eigenständige Versenden und Weiterleiten von E-Mails ohne Bestätigung ist dagegen den zahlenden Plänen vorbehalten, wie unter anderem iTechPost berichtet. Firmenkunden müssen die Funktion zusätzlich über ihre Administratoren freischalten lassen.
| Funktion | Vorher | Jetzt |
|---|---|---|
| E-Mail verfassen | Nur als Entwurf | Direktes Versenden möglich |
| Auf Threads antworten | Nicht automatisiert | Claude antwortet und verschickt selbst |
| E-Mails weiterleiten | Nicht möglich | Automatisiert möglich |
| Google Drive | Lesen, einfache Verwaltung | Suchen, teilen, verschieben, löschen |
| Bestätigung vor Aktion | – | Standardmäßig an, abschaltbar |
Warum Sicherheitsforscher trotzdem skeptisch bleiben
Dass eine KI mit Schreibrechten fürs eigene Postfach unterwegs ist, sorgt nicht nur für Begeisterung. Erst im Juli 2026 hatten Sicherheitsforscher von Oasis Security mit „PromptFiction“ eine Schwachstelle in Claude Desktop offengelegt, über die sich unbemerkt Prompts einschleusen ließen. Anthropic reagierte mit einem Patch in Version 1.1.2321. Ein separates Problem in der Chrome-Erweiterung, über das sich unter anderem Daten aus Gmail, Google Docs und dem Kalender abgreifen ließen, blieb laut Berichten deutlich länger offen. Wer Claude die automatische Kontrolle über Gmail überlässt, sollte solche Vorfälle im Hinterkopf behalten und die Bestätigungsabfrage zumindest für sensible Postfächer eingeschaltet lassen.
Datenschutz: Keine Trainingsdaten aus dem Postfach
Anthropic betont, dass Daten aus Gmail, Drive und Kalender grundsätzlich nicht zum Training der eigenen Modelle verwendet werden. Eine Ausnahme gibt es laut Anthropics Support-Seite für Free-, Pro- und Max-Nutzer, die dem Modelltraining im Chat zugestimmt haben: Kopierte Inhalte aus diesen Diensten können dann doch in die Modellverbesserung einfließen. Wer das ausschließen will, sollte die entsprechende Einstellung im eigenen Konto prüfen.
Fazit
Mit der neuen Gmail-Automatisierung geht Claude einen Schritt weiter als die Konkurrenz, die sich bislang meist auf Entwürfe beschränkt. Für Vielschreiber, die Claude ohnehin schon für ihre Korrespondenz nutzen, spart das spürbar Zeit. Die Bestätigungsabfrage bleibt der einfachste Weg, die Automatisierung erst einmal vorsichtig auszuprobieren, bevor Claude wirklich ganz allein loslegt.