CMF bringt mit dem Clip Pro die ersten Open-Ear-Kopfhörer der Marke, und der Preis fällt mit 79,95 Euro deutlich niedriger aus als bei der Clip-Konkurrenz. Im Gehäuse steckt ein 10,8-mm-Treiber mit LDAC-Unterstützung, der Akku hält 10 Stunden pro Ladung, und am Ladecase sitzt ein drehbares Smart Dial. In Deutschland und Österreich läuft der Verkauf am 1. September 2026 an, vorbestellen kann man ab sofort.
Damit betritt die Nothing-Tochter eine Kategorie, die in den vergangenen zwei Jahren stark gewachsen ist. Bislang war CMF vor allem für günstige In-Ears und Smartwatches bekannt.
Das Wichtigste in Kürze
- Preis: 79,95 Euro
- Marktstart: 1. September 2026, Vorbestellung ab sofort
- Farben: Dark Grey, Light Grey, Coral
- Technik: 10,8-mm-Treiber, LDAC, Bluetooth 5.4, IP54
- Akku: 10 Stunden pro Ladung, 32,5 Stunden mit Case
Titandraht statt Bügel: das Clip-Design des CMF Clip Pro
Open-Ear-Kopfhörer scheitern in der Praxis selten am Klang, sondern am Sitz. Zu locker, und sie rutschen beim Joggen. Zu fest, und nach zwei Stunden drückt die Ohrmuschel. CMF setzt deshalb auf ein sogenanntes 3-Punkt-Clip-Design: Ein flexibler Titandraht mit 0,5 Millimetern Durchmesser bildet die C-förmige Brücke zwischen Treibereinheit und Gegengewicht und verteilt den Druck auf drei Kontaktpunkte statt auf einen.
Das Gewicht liegt laut deutscher Pressemitteilung bei 5,9 Gramm pro Ohrhörer. Internationale Unterlagen nennen 6,5 Gramm, die Differenz hat CMF bislang nicht aufgelöst. In beiden Fällen bewegt sich der Clip Pro auf dem Niveau der Huawei FreeClip 2 S, die in unserem Test mit gut fünf Gramm ähnlich unauffällig auf dem Ohr saßen.
Bedient wird über Touchflächen an den Ohrhörern, die laut CMF auch mit Handschuhen reagieren. Wer Wintersport betreibt, dürfte das zu schätzen wissen. Ein IP54-Zertifikat schützt gegen Staub und Spritzwasser, für Regen und Schweiß reicht das aus, fürs Schwimmbad nicht.
Smart Dial: das Ladecase wird zur Fernbedienung
Die auffälligste Idee steckt nicht in den Ohrhörern, sondern im Case. CMF verbaut dort ein drehbares Rädchen, das Smart Dial, mit dem sich Lautstärke, Wiedergabe und Anrufe steuern lassen, ohne das Smartphone aus der Tasche zu holen. Die Belegung lässt sich in der Nothing-X-App anpassen.
Bekannt ist das Prinzip aus der CMF-Smartwatch-Reihe, neu ist der Transfer auf ein Kopfhörer-Case. Ob das im Alltag mehr ist als eine hübsche Spielerei, muss ein Test zeigen: Wer die Hand ohnehin schon in der Tasche hat, kann meist auch direkt zum Handy greifen.
Klang: 10,8-mm-Treiber, LDAC und ein Trick gegen dünne Bässe
Im Clip Pro arbeitet ein dynamischer 10,8-Millimeter-Treiber mit Doppelmagnet. Übertragen wird per Bluetooth 5.4, neben SBC und AAC steht auch LDAC bereit, entsprechend trägt der Kopfhörer eine Hi-Res-Audio-Zertifizierung. Für einen 80-Euro-Open-Ear ist das eine ordentliche Ansage, Sennheiser verlangt für den Accentum Clip mit vergleichbarem Featureset 179,90 Euro.
Das strukturelle Problem offener Kopfhörer bleibt trotzdem: Ohne Abdichtung im Gehörgang fehlt der Gegendruck, und der Bass verpufft. CMF nennt seine Gegenmaßnahme Ultra Bass Technology. Dazu kommt ein Sound Seal System, das die Schallabstrahlung nach außen reduzieren soll. Im vollen Großraumbüro hört der Sitznachbar also idealerweise weniger mit. Beide Angaben sind Herstellerversprechen, gemessen hat das bisher niemand.
Für Videos und Spiele gibt es einen Modus mit reduzierter Latenz. Telefonate übernehmen vier Mikrofone, zwei pro Seite, kombiniert mit einer Sprachverarbeitung, die CMF Clear Voice Technology nennt.
Akkulaufzeit: 10 Stunden am Stück
CMF gibt 10 Stunden Wiedergabe pro Ladung an, mit dem Ladecase kommen insgesamt 32,5 Stunden zusammen. In einem stromsparenden Modus sollen es bis zu 36 Stunden sein. Zehn Minuten am Kabel reichen für rund vier weitere Stunden Musik.
Das ist für die Kategorie ein solider Wert. Offene Kopfhörer haben keinen Platz für große Zellen, viele Modelle liegen bei sechs bis acht Stunden.
Technische Daten des CMF Clip Pro
| Merkmal | CMF Clip Pro |
|---|---|
| Bauform | Open-Ear, 3-Punkt-Clip mit Titandraht-C-Bridge |
| Treiber | 10,8 mm, dynamisch, Doppelmagnet |
| Codecs | SBC, AAC, LDAC (Hi-Res Audio zertifiziert) |
| Bluetooth | 5.4, Multipoint für zwei Geräte |
| Mikrofone | 4 (2 pro Ohrhörer), Clear Voice Technology |
| Akku Ohrhörer | bis 10 Stunden |
| Akku gesamt | 32,5 Stunden (36 Stunden im Sparmodus) |
| Schnellladen | 10 Minuten für ca. 4 Stunden |
| Schutzart | IP54 |
| Gewicht | ca. 5,9 g pro Ohrhörer |
| Bedienung | Touch am Ohrhörer, Smart Dial am Case |
| Extras | Ultra Bass Technology, Sound Seal System, Low-Latency-Modus, Google Fast Pair, Microsoft Swift Pair |
| App | Nothing X |
| Farben | Dark Grey, Light Grey, Coral |
| Preis | 79,95 Euro (DE/AT), 69 CHF |
Preis und Verfügbarkeit
Der CMF Clip Pro kostet in Deutschland und Österreich 79,95 Euro. Vorbestellungen nimmt der Hersteller ab sofort entgegen. Ausgeliefert wird ab dem 1. September 2026.
International startet der Verkauf früher: In den USA, Großbritannien und Japan verschickt CMF bereits ab dem 15. August, dort liegt der Preis bei 99 US-Dollar beziehungsweise 79 Pfund. Zum Marktstart gab es dort zeitweise einen Vorbesteller-Rabatt auf 79 Dollar. Alle Details stehen auf der offiziellen Produktseite.
Einordnung: günstiger Angriff in einem vollen Markt
Der Clip-Formfaktor ist inzwischen gut besetzt. Huawei hat mit den FreeClip 2 S nachgelegt, Sony verkauft die LinkBuds Clip, Sennheiser ist mit dem Accentum Clip eingestiegen, und selbst die Konzernmutter bedient das Segment mit den Nothing Ear (Open). Fast alle diese Modelle kosten mehr als 100 Euro. Genau da setzt CMF an.
Der Zeitpunkt ist allerdings ungewöhnlich. Nothing steckt gerade in einer schwierigen Phase: Berichte über Stellenabbau und den Rückzug aus mehreren Märkten hat das Unternehmen nur teilweise dementiert, den Personalabbau bestätigt. Ein aggressiv kalkulierter Kopfhörer in einer wachsenden Kategorie passt zu einer Marke, die Volumen braucht.
Fazit
Auf dem Papier macht der CMF Clip Pro wenig falsch. LDAC, IP54, 10 Stunden Laufzeit und ein Titandraht-Clip für 79,95 Euro sind ein Paket, das man in dieser Preisklasse bislang selten bekommt, und das Smart Dial am Case ist zumindest eine eigene Idee statt einer Kopie.
Offen bleiben die zwei Punkte, an denen sich Open-Ear-Kopfhörer immer entscheiden: Wie viel Bass bleibt ohne Abdichtung tatsächlich übrig, und wie sitzt der Clip nach drei Stunden? Beides lässt sich erst nach dem Marktstart am 1. September beantworten.