DJI verkauft inzwischen mehr spiegellose Handkameras als sämtliche CIPA-Mitglieder zusammen (also Canon, Sony, Nikon, Panasonic, Fujifilm und Co.). Das geht aus aktuellen Zahlen des Marktforschungsinstituts IDC hervor. Angetrieben wird der Boom maßgeblich von Modellen wie der neuen DJI Osmo Pocket 4P, und zählt man den Rivalen Insta360 dazu, stammen neun von zehn weltweit verschifften Handheld-Kameras von einem der beiden chinesischen Anbieter.
Kurz zusammengefasst:
- DJI kommt laut IDC im zweiten Quartal 2026 auf 73 Prozent Marktanteil am weltweiten Handheld-Kameramarkt (4,28 Mio. verkaufte Einheiten, +87 % im Jahresvergleich)
- Insta360 folgt mit 20 Prozent Marktanteil (1,15 Mio. Einheiten)
- 2025 lieferte DJI allein über 10 Millionen Handheld-Kameras aus, mehr als alle CIPA-Hersteller zusammen (9,4 Mio., davon 6,3 Mio. spiegellos)
- Trotz Rekordverkäufen brach der Gewinn von Insta360 um 94 Prozent ein, während etablierte Hersteller bei sinkenden Stückzahlen wachsende Gewinne verbuchen
- Zugpferd bei DJI ist aktuell die neue Osmo Pocket 4P, die der Insta360 Luna Ultra Konkurrenz macht
Die IDC-Zahlen im Detail
Der „Worldwide Handheld Smart Camera Tracker“ von IDC für das zweite Quartal 2026 zeichnet ein eindeutiges Bild: Weltweit wurden 5,88 Millionen Handheld-Kameras ausgeliefert, ein Plus von 57 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz stieg um 50 Prozent auf 2,34 Milliarden US-Dollar. Allein DJI kommt dabei auf einen Marktanteil von 73 Prozent respektive 4,28 Millionen Einheiten, ein Wachstum von 87 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei reinen Gimbal-Kameras, zu denen auch die Osmo Pocket 4P zählt, liegt der DJI-Anteil sogar bei 60 Prozent.
Insta360 behauptet sich mit 20 Prozent Marktanteil (1,15 Millionen Einheiten, +40 Prozent) als zweitgrößter Anbieter und dominiert insbesondere das Segment der 360-Grad-Kameras mit einem Anteil von 73 Prozent. Zusammengenommen entfallen damit 93 Prozent aller verkauften Handheld-Kameras auf die beiden chinesischen Unternehmen.
Wie CineD berichtet, verschärft sich dieser Trend im Jahresvergleich weiter: 2025 lieferte DJI mehr als 10 Millionen Handheld-Kameras aus. Zum Vergleich: Alle CIPA-Mitglieder zusammen (darunter Canon, Sony, Nikon, Panasonic, Fujifilm, OM System und Ricoh) kamen im selben Zeitraum auf 9,4 Millionen ausgelieferte Kameras, wovon 6,3 Millionen auf spiegellose Modelle entfielen. DJI verkauft damit allein mehr spiegellose Kameras als die gesamte traditionelle Kameraindustrie zusammen.
DJI vs. Insta360: Wer treibt den Boom?
Ein Blick auf die Kategorien zeigt, wie unterschiedlich die beiden Platzhirsche wachsen. Gimbal-Kameras, angeführt von der Osmo-Pocket-Reihe, legten um 87 Prozent auf 2,80 Millionen Einheiten zu. Actionkams wuchsen um 47 Prozent auf 2,55 Millionen Einheiten, während der Markt für 360-Grad-Kameras mit 530.000 Einheiten (+4 Prozent) deutlich langsamer wächst. Bereits im ersten Quartal 2026 hatte eine frühere IDC-Erhebung DJI einen Marktanteil von 65 Prozent und Insta360 von 22 Prozent bescheinigt. Die Tendenz zeigt seitdem klar nach oben.
Verlierer dieser Entwicklung ist vor allem GoPro: Die Auslieferungen von Actionkameras des US-Herstellers brachen um 49 Prozent ein, bei 360-Grad-Kameras sogar um 61 Prozent. Die Branche reagiert mit Preissenkungen von bis zu 17 Prozent, kann den Abwärtstrend damit aber bislang nicht stoppen.
Das Paradox: Rekordverkäufe, aber weniger Gewinn
Bei den Stückzahlen ist die Sache klar. Bei der Profitabilität sieht es anders aus: Insta360 musste laut den von Notebookcheck zitierten Zahlen zuletzt einen Gewinneinbruch von 94 Prozent hinnehmen, obwohl die Verkäufe steigen. Gleichzeitig verzeichnen etliche CIPA-Hersteller bei rückläufigen Stückzahlen wachsende Gewinne. Klingt erstmal widersprüchlich, ergibt aber Sinn, wenn man sich die Preissegmente anschaut: Die Massenware verkauft sich zu niedrigeren Margen, während professionelle Systemkameras ein kleineres, aber margenstärkeres Segment bleiben. Für Käufer heißt das konkret: mehr Auswahl zu niedrigeren Einstiegspreisen im Handheld-Bereich.
Die Osmo Pocket 4P: DJIs aktuelles Zugpferd
Dass ausgerechnet die Osmo Pocket 4P aktuell für Gesprächsstoff sorgt, kommt nicht von ungefähr: Die im Sommer 2026 vorgestellte Kompaktkamera setzt mit einem Dual-Kamera-System direkt auf Konkurrenzdruck zur Insta360 Luna Ultra und bringt professionelle Technik in ein Taschenformat.
| Spezifikation | DJI Osmo Pocket 4P |
|---|---|
| Hauptkamera | 1-Zoll-CMOS, Weitwinkel, f/2,0 |
| Telekamera | 1/1,28-Zoll-CMOS, 3-fach-Zoom, f/1,8 |
| Video | 4K/60 fps Standard, 4K/240 fps (Weitwinkel) bzw. 4K/200 fps (Tele) in Zeitlupe |
| Bitrate | bis 180 Mbit/s |
| Speicher | 103 GB intern, microSD bis 1 TB |
| Display | 2,0 Zoll, 556 × 314 Pixel, 1.000 Nits |
| Gewicht | 230 g |
| Akkulaufzeit | ca. 210 Minuten (1080p/24 fps, Laborwert) |
| Preis (Standard Combo) | ab ca. 599 Euro, UVP je nach Händler |
Was bedeutet das für Käufer?
Für alle, die aktuell über eine neue Kamera nachdenken, zeigt sich: Wer unkompliziert hochwertige Videos drehen will, ist mit Handheld-Gimbal-Kameras von DJI oder Insta360 inzwischen oft besser bedient als mit klassischen Kompaktkameras. Wer dagegen auf große Sensoren, Wechselobjektive oder klassische Fotografie setzt, findet weiterhin bei Herstellern wie Sony, das kürzlich die A7R V vorgestellt hat, oder in unserer Bestenliste für Kompaktkameras passende Alternativen.
Fazit
Die IDC-Zahlen zeigen schwarz auf weiß, dass DJI und Insta360 den Markt für tragbare Kameras unter sich ausmachen und die traditionellen japanischen Hersteller bei den Stückzahlen klar abgehängt haben. Mit Geräten wie der Osmo Pocket 4P beweist DJI zudem, dass kompakte Gimbal-Kameras und ordentliche Bildqualität kein Widerspruch sein müssen. Ob sich der Verkaufsboom auch langfristig in stabilen Gewinnen niederschlägt, ist eine andere Frage. Insta360s aktuelle Zahlen lassen daran zumindest Zweifel aufkommen.
