Epic Games Launcher V2: Kompletter Neubau verspricht 5x schnelleren Start

Philipp Briel
Philipp Briel · 4 Min. Lesezeit
Epic Games

Epic Games baut seinen oft kritisierten Launcher von Grund auf neu: Der Epic Games Launcher V2 soll laut Hersteller im Schnitt 5x schneller starten und 6,5x schneller aus dem System-Tray in die Bibliothek zurückkehren. Dazu kommen lange vermisste Funktionen wie Nutzer-Reviews, Spielerprofile und Patch Notes direkt auf der Store-Seite. Vorgestellt wurden die Pläne auf dem Unreal Fest.

Das Wichtigste in Kürze:

  • 5x schnellerer Kaltstart im Durchschnitt (Herstellerangabe)
  • 6,5x schnelleres Wiederherstellen aus dem System-Tray
  • „Ground-up rebuild“ – komplett neue Architektur
  • Neue Features: Nutzer-Reviews, Spielerprofile, Patch Notes, Controller-Support
  • Roadmap über die nächsten 12 Monate, zunächst private Beta
  • Wichtig: Werte stammen von einem High-End-Test-PC, nicht von Consumer-Hardware

Epic Games Launcher V2: Worum geht es?

Der aktuelle Epic Games Launcher hat keinen guten Ruf – langsame Navigation, träge ladende Seiten und gefühlte Wartezeiten gehören zu den häufigsten Kritikpunkten. Epic selbst hat das Problem bereits früher in diesem Jahr eingeräumt: Der Launcher setze stark auf Backend-Aufrufe, sobald man zwischen Bereichen wechselt, was je nach Internetverbindung spürbare Verzögerungen verursacht. Der V2 soll genau hier ansetzen und große Teile der Architektur ersetzen, statt nur kosmetische Fixes nachzuschieben.


Den Kern der Ankündigung bilden zwei Zahlen: ein im Schnitt 5x schnellerer Kaltstart und ein 6,5x schnelleres Zurückholen aus dem System-Tray in die Bibliothek. Das wäre ein deutlicher Sprung – vorausgesetzt, die Werte halten auch außerhalb des Labors.

Der Haken: Die Zahlen kommen von einem Monster-PC

Und damit zum wichtigsten Vorbehalt. Die genannten Werte stammen aus internen Tests auf einer Folie vom Unreal Fest – und das Testsystem hat mit einem normalen Gaming-PC wenig zu tun. Gemessen wurde auf Windows 11 mit einem 32-Kern-AMD-Threadripper, 128 GB RAM und einer professionellen Workstation-GPU (auf der Folie als „RTC A6000″ bezeichnet, gemeint ist offenbar die NVIDIA RTX A6000). Ob sich die Beschleunigung auf Mittelklasse-Laptops, Handheld-PCs oder älteren Rechnern ähnlich anfühlt, ist damit völlig offen. Herstellerzahlen von einer Präsentationsfolie sind eben kein unabhängiger Benchmark.

Mehr als Tempo: Diese Features sind geplant

Der Umbau ist mehr als ein Performance-Update. Epic hat eine Roadmap für die nächsten zwölf Monate skizziert, die viele Funktionen nachreicht, die man von der Konkurrenz längst kennt. Dazu zählen unter anderem:

  • Nutzer-Reviews: selbst geschriebene Bewertungen statt reiner Sternewertung
  • Spielerprofile mit Avataren, Aktivitäten, DMs, Voice-Chat und Parties
  • Patch Notes direkt auf der Store-Seite, gepflegt über das Developer Portal
  • Universal Controller Support ähnlich dem Steam-Ansatz
  • verbesserte Suche, Personalisierung und Discovery
  • Chunked Installation für Fortnite und regionsübergreifendes Verschenken

Der Rollout erfolgt stufenweise: Zuerst startet eine private Beta des Launcher V2, später folgt die öffentliche Beta für alle. Viele der Features fallen klar in die Kategorie „hätte längst passieren müssen“ – Epic versucht damit erkennbar, den Store zu einem vollwertigen PC-Gaming-Hub auszubauen, statt ihn als reine Kasse zu betreiben.

Einordnung: Aufholjagd gegen Steam

Die Stoßrichtung ist deutlich: Epic will den Abstand zu Steam verkleinern, das in puncto Komfort, Community-Features und Bibliotheksverwaltung seit Jahren den Maßstab setzt. Spannend ist der Zeitpunkt – Valve selbst rührt mit der neuen Steam Machine kräftig die Werbetrommel und bringt das Steam-Ökosystem ins Wohnzimmer. Wer abseits von Steam unterwegs ist, etwa auf einem Handheld, kennt die Launcher-Vielfalt ohnehin: In unserem Ratgeber zu den besten Steam-Deck-Alternativen spielt der Zugriff auf Stores wie Epic Games eine wichtige Rolle.

Unterm Strich ist der Epic Games Launcher V2 ein überfälliger und vielversprechender Schritt. Ob aus den Folien-Versprechen echte Alltags-Performance wird, zeigt sich erst, wenn die Beta auf normaler Hardware läuft. Ein konkretes Release-Datum hat Epic bislang nicht genannt.

Quellen: VideoCardz, Engadget, Tom’s Hardware