EU-Kommission plant Alters-App für Social-Media-Grenze

Jens Scharfenberg
Jens Scharfenberg · 3 Min. Lesezeit
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Bild: EU-Kommission

Die EU-Kommission bereitet einen weitreichenden regulatorischen Schritt gegen TikTok, Instagram, Snapchat und Co. vor. Grundlage ist der aktuelle Bericht eines Sachverständigenausschusses zur Sicherheit von Kindern im Internet, der Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am 13. Juli übergeben wurde. Die Experten empfehlen ein Mindestalter von 13 Jahren für die Nutzung sozialer Netzwerke.

Klare Altersgrenze und elterliche Aufsicht

Unter der Leitung von Maria Melchior und dem Ulmer Professor Jörg M. Fegert kommt das Gremium zu dem Schluss, dass Kinder bis zum 13. Lebensjahr soziale Netzwerke nur noch unter elterlicher Aufsicht oder in einem pädagogischen Rahmen nutzen sollten. Damit richtet sich die EU deutlich gegen die aktuelle Praxis, bei der Minderjährige oft ohne größere Hürden eigene Profile anlegen können.

Safety by Design und eine offene Alters-App

Kernpunkt der Empfehlungen ist das Prinzip „Safety by Design“: Schutzmechanismen sollen direkt in den Software-Code der Plattformen integriert werden, sodass Betreiber bei gemeldeten Problemen sofort reagieren müssen. Den technisch anspruchsvollsten Baustein bildet dabei die Altersverifikation. Die EU-Kommission kündigte eine eigene App zur Altersprüfung an, die komplett quelloffen entwickelt werden und maximale Privatsphäre bieten soll. Damit soll die Kontrolle über die Social-Media-Nutzung wieder stärker bei den Eltern liegen.

Ein generelles Internetverbot für Minderjährige ist laut Kommission nicht das Ziel. Im Fokus stehen stattdessen Plattformen mit nachweislich süchtig machenden Mechanismen, intern als „Social Media plus“ bezeichnet. Für diese soll ein gestuftes Zugangsmodell gelten, bei dem einzelne Funktionen je nach Alter und Reife der Nutzer schrittweise freigeschaltet werden.

Rückenwind aus der Bevölkerung

Eine parallel veröffentlichte Eurobarometer-Umfrage unterstreicht den Handlungsdruck: 71 Prozent der Befragten sehen Cybermobbing als größte Gefahr für Kinder im Netz, dicht gefolgt von der Angst vor sexuellem Missbrauch (70 Prozent) und extremistischen Inhalten (69 Prozent). 63 Prozent befürworten strengere EU-Vorschriften zur Altersbeschränkung, gut ein Drittel davon spricht sich sogar für ein striktes Nutzungsverbot unterhalb einer festen Altersgrenze aus. Nur 13 Prozent halten Jugendschutz für reine Privatsache der Eltern.

Wie geht es weiter?

Die Kommission will den Expertenbericht nun intern prüfen und direkt nach der Sommerpause 2026 einen verbindlichen Gesetzesvorschlag vorlegen. Die Debatte um Altersgrenzen ist damit auch auf nationaler Ebene längst nicht abgeschlossen: Erst kürzlich zeigte ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags, dass ein deutsches Alleingang-Verbot wegen des EU-Rechts auf erhebliche Hürden stößt. Auch die SPD hatte zuletzt ein eigenes Stufenmodell mit einer Altersgrenze von 14 Jahren vorgeschlagen. Ob und wie sich diese nationalen Vorstöße mit der neuen EU-Linie vereinbaren lassen, dürfte einer der zentralen Streitpunkte der kommenden Monate werden.