Wer bei Gemini das Wasserzeichen entfernen möchte, kann das ab sofort direkt in den Kontoeinstellungen erledigen. Google lässt Nutzer das sichtbare Symbol auf KI-generierten Bildern, Videos und Musikstücken abschalten, die neue Option heißt „Media Watermark“. Die unsichtbaren SynthID-Wasserzeichen und die C2PA-Metadaten bleiben davon unberührt, sie stecken weiterhin in jeder Datei und verraten, dass KI im Spiel war.
Das Wichtigste in Kürze
- Google führt einen Schalter namens „Media Watermark“ ein, mit dem sich das sichtbare KI-Symbol auf Gemini-Inhalten deaktivieren lässt.
- Betroffen sind die Modelle Nano Banana (Bilder), Omni (Video) und Lyria (Musik) sowie der Video-Editor Flow.
- Unsichtbare SynthID-Wasserzeichen und C2PA-Metadaten bleiben in jedem Fall erhalten, auch wenn das sichtbare Symbol verschwindet.
- In der EU, Südkorea und anderen Ländern mit gesetzlicher Kennzeichnungspflicht gibt es die Abschaltoption gar nicht erst.
- Gemini-VP Josh Woodward begründet den Schritt mit einer Balance zwischen kreativer Kontrolle und Sicherheit.
Was sich bei Gemini konkret ändert
Bislang klebte Google jedem KI-Bild aus Gemini ein kleines, gut sichtbares Symbol in die Ecke. Das ließ sich zwar wegschneiden, war aber zumindest ein Hinweis auf den ersten Blick. Damit ist jetzt Schluss, zumindest optional. Wer die neue Einstellung aktiviert, bekommt Bilder, Videos und Musikstücke ganz ohne sichtbares Icon. Das hat Josh Woodward, Googles VP für Gemini, jetzt bestätigt.
✅ Papercut fixed: You can now toggle visible watermarks on or off in Gemini and Flow, with Search coming next.
This applies to watermarks on all images (Nano Banana), videos (Omni), and songs (Lyria) except in countries where it’s required by law to keep them. pic.twitter.com/utHN0yDmD3
— Josh Woodward (@joshwoodward) August 14, 2026
Die Funktion gilt zunächst für die Modelle Nano Banana (Bildgenerierung), Omni (Video) und Lyria (Musik) sowie für Googles Video-Editor Flow. Auch für die Google-Suche ist die Option geplant, dort allerdings erst, sobald das rechtlich zulässig ist. Gemini-Vizepräsident Josh Woodward erklärte den Schritt so: Man wolle eine Balance zwischen kreativer Kontrolle und Sicherheit schaffen. Sichtbare Wasserzeichen seien künftig optional, unsichtbare Kennzeichnungen blieben aber in jedem Fall aktiv.
Gemini-Wasserzeichen entfernen: So geht’s Schritt für Schritt
Am Desktop funktioniert es so:
- Gemini im Browser öffnen.
- Unten links auf das Zahnrad-Symbol klicken.
- Den Menüpunkt „Media Watermark“ auswählen.
- Den Schalter deaktivieren, um das sichtbare Icon auf künftigen Generierungen abzuschalten.
In den mobilen Apps soll die Einstellung in Kürze folgen. Wer in einem Land mit gesetzlicher Kennzeichnungspflicht sitzt, sieht den Schalter unter Umständen gar nicht erst, dazu gleich mehr.
Was bleibt: SynthID und C2PA-Metadaten
Das eigentlich Interessante an der Änderung ist, was nicht verschwindet. Google setzt seit Jahren auf SynthID, ein unsichtbares digitales Wasserzeichen, das direkt in die Pixel-, Audio- oder Videodaten eingebettet wird und sich mit dem passenden Tool auslesen lässt. Dazu kommen C2PA-Metadaten, ein offener Standard, der Herkunft und Bearbeitungsschritte einer Datei dokumentiert. Beide Systeme bleiben laut Google auch nach dem Abschalten des sichtbaren Symbols aktiv.
Um C2PA-Daten leichter überprüfbar zu machen, hat Google zudem die Open-Source-Bibliothek Credentio veröffentlicht. Ganz wasserdicht ist das Konzept trotzdem nicht: Experten weisen darauf hin, dass sich unsichtbare Wasserzeichen nach starken Bearbeitungen, etwa Zuschnitt, Kompression oder mehrfachem Hochladen über verschiedene Plattformen, teils nur noch schwer nachweisen lassen.
| Inhaltstyp | Modell | Sichtbares Wasserzeichen abschaltbar | Unsichtbare Kennzeichnung |
|---|---|---|---|
| Bilder | Nano Banana | Ja (außer in Pflichtländern) | SynthID, C2PA |
| Video | Omni / Flow | Ja (außer in Pflichtländern) | SynthID, C2PA |
| Musik | Lyria | Ja (außer in Pflichtländern) | SynthID |
Warum es in der EU und Südkorea keine Wahl gibt
Die Abschaltoption fällt nicht überall gleich aus. In Ländern mit strikter gesetzlicher Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte, etwa in der EU und Südkorea, bietet Google den Schalter erst gar nicht an. Der Grund: Beide Regionen verlangen inzwischen, dass täuschend echt wirkende KI-Inhalte klar erkennbar bleiben. Wie genau das in Deutschland aussieht und welche Bußgelder bei Verstößen drohen, haben wir bereits in unserem Artikel zur KI-Kennzeichnungspflicht 2026 aufgeschlüsselt.
Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich Google gerade: einerseits mehr kreative Freiheit für Nutzer, andererseits die Pflicht, in bestimmten Märkten trotzdem sichtbar zu bleiben.
Kritik: Wird KI-Content jetzt schwerer zu erkennen?
Nicht jeder findet die Neuerung uneingeschränkt gut. Kritiker merken an, dass es dadurch schwerer wird, auf den ersten Blick zu erkennen, ob ein Bild oder Video mit KI entstanden ist. Ohne das kleine Symbol in der Ecke bleibt nur noch der Griff zu einem Prüftool, wenn man es genau wissen will, und das macht kaum jemand im Alltag. Ein pragmatischer Rat, der in mehreren Berichten auftaucht: Im Zweifel einfach davon ausgehen, dass ein Inhalt KI-generiert sein könnte, solange nichts anderes dafürspricht.
Interessant ist der Zeitpunkt der Ankündigung auch deshalb, weil Anthropic kürzlich den umgekehrten Weg eingeschlagen hat und sichtbare Wasserzeichen in von Claude erzeugten Texten einführt, um EU-Vorgaben zu erfüllen. Zwei große KI-Anbieter, zwei entgegengesetzte Antworten auf dieselbe regulatorische Lage.
Fazit
Wer künftig bei Gemini das Wasserzeichen entfernen will, muss dafür nur einen Schalter umlegen, Google verschiebt die sichtbare KI-Kennzeichnung damit von einer Pflicht zu einer Option. Mit SynthID und C2PA behält sich der Konzern aber weiterhin eine unsichtbare Absicherung im Hintergrund vor. Für Kreative dürfte das ein Gewinn sein: weniger störende Symbole, mehr gestalterische Freiheit. Für alle, die KI-Inhalte auf den ersten Blick erkennen wollen, wird es dagegen etwas unbequemer. Wer sich generell für die KI-Werkzeuge rund um Gemini interessiert, findet in unserem Artikel zu Gemini im Smart Home weitere Hintergründe zur aktuellen Entwicklung.
Quellen: TechCrunch