Google Finanzen verlässt die Beta: Portfolio-Tracking, KI-Briefings und neue Android-App

Philipp Briel
Philipp Briel · 4 Min. Lesezeit
Google Finanzen
Bild: Google

Google Finanzen verlässt die Beta-Phase und bringt zum Start drei größere Neuerungen mit: ein überarbeitetes Portfolio-Tracking, das du per Datei-Upload oder einfacher Beschreibung füllst, automatisierte KI-Briefings nach deinem Zeitplan und eine eigene Android-App. Der Rollout läuft seit dem 25. Juni 2026 weltweit. Eine iOS-App soll später im Jahr folgen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Portfolio-Tracking weltweit: Investments per Screenshot, CSV oder PDF importieren oder einfach in eigenen Worten beschreiben.
  • Geplante KI-Briefings: Wiederkehrende Reports, etwa eine tägliche vorbörsliche Analyse zu Kryptowährungen.
  • Neue Android-App: Watchlist, Echtzeitdaten, Live-News-Feed, KI-Recherche und „Key Moments“.
  • Status: Web-Version ist offiziell raus aus der Beta, iOS-App kommt im Lauf des Jahres.

Portfolio-Tracking: Import per Screenshot, CSV oder PDF

Der spannendste Teil ist das neue Portfolio. Bisher musstest du jede Position einzeln eintippen. Jetzt lädst du stattdessen einen Screenshot, eine CSV- oder eine PDF-Datei mit deinen Beständen hoch, und die KI baut daraus ein Dashboard. Wer mag, beschreibt seine Anlagen auch einfach in natürlicher Sprache, also etwa wie viele Anteile eines bestimmten Fonds oder einer Aktie im Depot liegen.

Im Dashboard siehst du dann deine Performance, die Vermögensaufteilung, dein Klumpenrisiko und welche Positionen für die größten Gewinne oder Verluste verantwortlich sind. Bestehende Google-Finanzen-Portfolios aus der alten Version tauchen automatisch wieder auf. Praktisch: Das Portfolio-Tracking war 2017 entfernt worden, jetzt ist es zurück, und zwar mit deutlich mehr Funktionen als damals.

Hast du dein Portfolio angelegt, kannst du es als Kontext für die KI-Recherche nutzen. Fragen wie „Welche Sektoren sind in meinem Portfolio unterrepräsentiert?“ oder „Wie wirkt sich meine Allokation in festverzinsliche Wertpapiere auf mein langfristiges Wachstumspotenzial aus?“ beantwortet das Tool direkt anhand deiner Bestände.

Zum Datenschutz schreibt Google, dass die Portfolio-Daten privat bleiben und hochgeladene Dateien sowie Bilder nicht gespeichert werden. Importierte Informationen lassen sich nachträglich bearbeiten oder löschen.

Geplante KI-Briefings: Reports nach deinem Zeitplan

Die zweite Neuerung sind geplante Aufgaben. Du beschreibst eine Aufgabe in eigenen Worten, zum Beispiel „Schick mir jeden Morgen vor Börsenstart eine Analyse der wichtigsten Kursbewegungen bei Kryptowährungen“, und Google Finanzen liefert dir den Report dann automatisch auf deinem Wunsch-Rhythmus.

Zeitplan und Anweisungen kannst du jederzeit anpassen. Auch deine Watchlist oder dein Portfolio lassen sich als Grundlage einbinden, damit die Briefings zu deinen eigenen Anlagen passen. Ist der Report fertig, bekommst du eine Benachrichtigung über die Google-App für Android oder iOS. In der Web-Version erscheinen die Updates im Recherche-Panel, wo du laufende Aufgaben auch ansehen und bearbeiten kannst. Diese Funktion ist ab sofort weltweit verfügbar.

Die neue Google Finanzen App für Android

Zum Start gibt es außerdem eine eigenständige Android-App. Sie holt den Kern der neuen Plattform aufs Handy: deine Watchlist, Echtzeit-Marktdaten, interaktive Charts, einen Live-Feed mit Finanznachrichten und das KI-Recherchetool. Mit dabei sind auch die KI-gestützten „Key Moments“, die dir in kurzer Form erklären, warum eine Aktie gerade steigt oder fällt.

Wer mehrmals am Tag in die Märkte schaut, bekommt damit einen festen Ort dafür. Komplett deckungsgleich mit der Web-Version ist die App allerdings noch nicht. Funktionen wie Live-Earnings-Calls sowie das neue Portfolio- und Aufgaben-Feature sollen erst in den kommenden Monaten nachgereicht werden. Die Android-App findest du im Google Play Store. Eine iOS-Version hat Google für später im Jahr angekündigt, ein konkretes Datum gibt es noch nicht.

Einordnung: Wohin Google mit Finanzen will

Die Updates passen ins Bild der letzten Monate. Google hatte das KI-gestützte Finanzportal schrittweise ausgebaut, im April auf über 100 Länder erweitert und im Mai den europäischen Rollout vorangetrieben, samt Live-Earnings-Calls, Transkripten und KI-Zusammenfassungen. Wie das Ganze hierzulande angelaufen ist, haben wir beim Europa-Start von Google Finanzen mit KI-Unterstützung beschrieben.

Mit Portfolio-Import per Foto oder Dokument senkt Google die Einstiegshürde spürbar. Strategisch zielt das Portal damit klar auf etablierte Anbieter wie Yahoo Finance, finanzen.net oder Bloomberg. Ein vollwertiger Broker ist Google Finanzen aber nicht: Du verfolgst und analysierst hier deine Anlagen, kaufen und verkaufen musst du weiterhin woanders. Wenn du noch nach dem passenden Handelsplatz suchst, hilft unser Vergleich der besten Online-Broker weiter. Und wer ohnehin lieber alles vom Smartphone aus erledigt, findet in unserer Übersicht der besten Finanz-Apps für Android weitere Alternativen.

Fazit

Mit dem Beta-Ende wird Google Finanzen erwachsen. Das neue Portfolio-Tracking per Datei-Upload, die geplanten KI-Briefings und die Android-App machen die Plattform zu einem ernstzunehmenden Werkzeug für alle, die ihre Investments im Blick behalten wollen, ohne ständig zwischen mehreren Apps zu wechseln. Zwei Einschränkungen bleiben: Die App hinkt der Web-Version noch hinterher, und iOS-Nutzer müssen sich gedulden. Wer auf Android unterwegs ist und Google ohnehin nutzt, kann aber direkt loslegen.

Quellen: Google (The Keyword)