Google Flow: Neue Creative Controls bringen 4K-Export und Keyframe-Kontrolle

Philipp Briel
Philipp Briel · 5 Min. Lesezeit
Google Flow
Bild: Google

Google hat sein KI-Videotool Flow am 27. August 2026 um drei neue Funktionen erweitert: eine Keyframe-Kontrolle für Start- und Endbild, Videoexporte in 1080p und 4K sowie günstigere Testrenderings in 360p. Alle drei Features basieren auf dem neuen Modell Gemini Omni 1.1 Flash und stehen ab sofort weltweit für zahlende Flow-Abonnenten bereit.

Für alle, die Flow noch nicht kennen: Das Tool ist Googles KI-Kreativstudio für Bilder und Videos, das im Mai 2025 auf der I/O-Konferenz vorgestellt wurde und Modelle wie Veo, Nano Banana und Gemini unter einer Oberfläche bündelt. Wer schon mit Flow gearbeitet hat, weiß, wie mühsam es bisher war, einen Clip exakt auf eine bestimmte Schlusseinstellung hinzusteuern. Genau da setzt das neue Update an.

Die drei neuen Funktionen im Überblick

Funktion Was sie macht
Start- und End-Frame-Kontrolle Ihr legt Anfangs- und Schlussbild eines Clips fest, Flow generiert die Bewegung dazwischen
4K-Videoexport Export in 1080p oder 4K statt bisher niedrigerer Standardauflösung
Günstige 360p-Drafts Entwürfe in 360p rendern, testen und erst danach in voller Auflösung finalisieren

Start- und End-Frame: endlich planbare Übergänge

Bisher war Flow beim Verlängern von Clips ziemlich kurzsichtig: Das Modell schaute sich nur die letzte Sekunde eines Videos an, um zu entscheiden, wie es weitergeht. Ergebnis waren oft kleine Brüche in Bewegung, Beleuchtung oder Kameraperspektive, sobald man mehrere Szenen aneinanderreihte.

Mit Gemini Omni 1.1 analysiert Flow jetzt bis zu zehn Sekunden des bestehenden Materials, bevor es weiterrechnet. Nutzer können außerdem ein exaktes Startbild und ein Zielbild vorgeben, laut Android Authority in Schritten von zehn Sekunden bis zu insgesamt 40 Sekunden am Stück. Praktisch heißt das: Ihr entwerft eine Szene, die mit einer Figur an der Tür beginnt und im Zimmer endet, und Flow füllt die Bewegung dazwischen. Zusätzlich lassen sich bis zu drei Sekunden separates Videomaterial als Referenz einspeisen, damit Charaktere und Umgebung über mehrere Clips hinweg konsistent bleiben. Für Werbespots, Kurzfilme oder Social-Content mit wiederkehrenden Figuren ist das ein handfester Fortschritt gegenüber der alten Ein-Sekunden-Logik, bei der man nie ganz sicher sein konnte, ob die Figur im nächsten Clip noch dieselbe Jacke trägt.

4K-Export und schnellere, billigere Drafts

Der zweite Baustein betrifft die Ausgabequalität. Fertige Clips lassen sich jetzt direkt in 1080p oder 4K exportieren, was Flow erstmals für Broadcast- und professionelle Social-Media-Workflows tauglich macht, die feste Auflösungsvorgaben verlangen.

Der dritte Baustein zielt auf den Geldbeutel: Wer erst einmal nur ausprobieren will, ob ein Prompt überhaupt funktioniert, kann eine 360p-Vorschau rendern. Laut Google entstehen diese Drafts bis zu 60 Prozent schneller und kosten nur etwa ein Drittel eines regulären 720p-Renderings. Erst wenn das Ergebnis passt, wird auf volle Auflösung hochskaliert. Gerade bei Konzepten, bei denen mehrere Prompt-Varianten nötig sind, spart das spürbar Zeit und Credits.

Die Technik dahinter: Gemini Omni 1.1 Flash

Alle drei Funktionen laufen über Gemini Omni 1.1 Flash, eine schnellere Variante von Googles multimodalem Omni-Modell, das im Mai 2026 erstmals vorgestellt wurde. Omni-Modelle verarbeiten Text, Bild, Audio und Video in einem gemeinsamen System, was bei Flow konkret bedeutet: Das Modell versteht längere Videoabschnitte gleichzeitig und hält Bewegung, Licht und Perspektive über mehr Frames hinweg stabiler als die Vorgängerversion.

Wie schon beim Flow-Relaunch im März 2026, als Google die Bildgeneratoren Whisk und ImageFX direkt in die Oberfläche integrierte, bleibt der Ansatz derselbe: mehrere spezialisierte KI-Modelle unter einer gemeinsamen Bedienoberfläche, statt für jeden Schritt ein separates Tool zu öffnen.

Verfügbarkeit und Preise

Das Update ist ab sofort weltweit live, sowohl in Flow selbst als auch in der Gemini-App. Zugriff haben Abonnenten der Stufen Google AI Plus, Pro und Ultra. Entwickler können die Funktionen zusätzlich über Google AI Studio und die Gemini Enterprise Agent Platform ansteuern. Nutzer ohne bezahltes Abo bleiben laut aktuellem Stand auf den Basisfunktionen von Flow.google eingeschränkt.

Wer die neuen Kreativ-Tools ausprobieren will, findet sie direkt unter labs.google/fx/tools/flow.

Einordnung: mehr Kontrolle statt mehr Zufall

Die drei Funktionen wirken auf den ersten Blick unspektakulär, treffen aber einen wunden Punkt bei KI-Videotools generell: Wer heute mit Sora, Veo oder ähnlichen Generatoren arbeitet, kennt das Problem, dass jeder neue Prompt-Durchlauf leicht anders ausfällt. Start- und End-Frame-Kontrolle nimmt genau diese Unsicherheit aus dem Prozess, weil Anfang und Ende feststehen und nur der Weg dazwischen generiert wird. In Kombination mit günstigeren Testrenderings verschiebt sich Flow damit ein Stück weiter von der Spielerei hin zu einem Werkzeug, mit dem sich tatsächlich planbar produzieren lässt.

Wichtig bleibt dabei die Kennzeichnungspflicht: Wer mit Flow erstellte Clips veröffentlicht, sollte die aktuellen Vorgaben zur Kennzeichnung von KI-Inhalten im Blick behalten, gerade bei kommerzieller Nutzung in Deutschland.

Wie Google Gemini generell zunehmend tief in die eigenen Produkte einbaut, zeigt sich auch abseits von Flow, etwa bei der Integration von Gemini in Google Home.

Fazit

Mit den neuen Creative Controls schließt Google Flow eine der größten Lücken zu klassischen Videoschnitt-Workflows: planbare Übergänge statt Zufallsgenerierung, dazu 4K-Export und günstigere Vorschau-Renderings. Wer beruflich mit KI-Video arbeitet oder es einfach mal ausprobieren will, sollte sich das Update anschauen, es kostet außer einem laufenden Google-AI-Abo nichts extra.