Google integriert sein KI-Modell Gemini Omni direkt in Vids, den Video-Editor von Google Workspace. Damit lassen sich sowohl hochwertigere KI-Videos generieren als auch bestehende Clips per einfacher Texteingabe bearbeiten – etwa für Farbkorrekturen, Stilwechsel oder das Entfernen störender Hintergrundgeräusche. Der Rollout hat bereits begonnen, in der EU stehen aber vorerst nicht alle Funktionen zur Verfügung.
Kurz zusammengefasst:
- Google Vids nutzt künftig das leistungsfähigere Omni-Flash-Modell für die Videogenerierung – mit besserer Textdarstellung, Physik und Realismus.
- Bestehende Videos lassen sich per Texteingabe bearbeiten: Farbkorrektur, Stilwechsel, Rauschunterdrückung im Ton.
- Rollout seit 16. Juli 2026 für Rapid-Release-Domains, ab 5. August 2026 für Scheduled-Release-Domains.
- Im EWR, der Schweiz, Grossbritannien sowie Texas und Illinois ist die Bearbeitung nicht-KI-generierter Videos zunächst nicht verfügbar.
Was ändert sich durch Gemini Omni in Google Vids?
Gemini Omni ersetzt in Vids das bisherige Videomodell und soll laut Google im offiziellen Blog-Eintrag vor allem bei der Qualität einen deutlichen Sprung bringen. Konkret nennt Google drei Verbesserungen: realistischere Texte innerhalb der Videos, glaubwürdigere Physik sowie insgesamt hochwertigere Ergebnisse gegenüber dem bisher genutzten Modell.
Videobearbeitung per natürlicher Sprache
Der zweite grosse Bereich betrifft die Bearbeitung: Nutzer beschreiben in natürlicher Sprache, was sich an einem Clip ändern soll, und Gemini Omni setzt die Anweisung um – etwa „korrigiere die Farben“ oder „gestalte das Video im Anime-Stil“. Möglich wird das durch das verbesserte Bild- und Video-Verständnis von Gemini Omni, wodurch das Modell auch komplexere Änderungswünsche interpretieren soll, ohne dass klassische Schnittwerkzeuge nötig sind.
Audiobearbeitung mit Rauschunterdrückung
Auch bei der Tonspur tut sich etwas: Vids kann künftig störende Hintergrundgeräusche automatisch aus Aufnahmen herausrechnen – praktisch etwa bei Handyaufnahmen, die direkt für eine Präsentation oder Schulung weiterverarbeitet werden sollen.
Rollout-Zeitplan und Verfügbarkeit
Der Rollout erfolgt schrittweise und ist an die üblichen Google-Workspace-Release-Kanäle gekoppelt:
| Release-Kanal | Start | Dauer |
|---|---|---|
| Rapid Release | 16. Juli 2026 | bis zu 15 Tage |
| Scheduled Release | 5. August 2026 | bis zu 15 Tage |
Zugriff auf Gemini Omni in Vids erhalten Geschäftskunden mit Business Starter, Business Standard und Business Plus sowie Enterprise Starter, Enterprise Standard und Enterprise Plus. Hinzu kommen Enterprise Essentials und Enterprise Essentials Plus, Non-Profit-Organisationen sowie Education Plus inklusive der Erweiterungen Google AI Pro for Education und Teaching and Learning. Auch Privatnutzer mit einem Google-AI-Pro- oder Google-AI-Ultra-Abo können die Funktionen nutzen. Wer zusätzlich das Add-on AI Expanded Access gebucht hat, profitiert von höheren Nutzungslimits.
Einschränkungen in Europa
Nicht alle Funktionen starten überall gleichzeitig: Die Bearbeitung von Videos, die nicht mit KI erstellt wurden, ist zum Start weder im Europäischen Wirtschaftsraum noch in der Schweiz oder im Vereinigten Königreich verfügbar. Auch in den US-Bundesstaaten Texas und Illinois gilt diese Einschränkung – vermutlich wegen dortiger Regelungen zu biometrischen Daten und KI-generierten Inhalten. Wann die Funktion in diesen Regionen nachgereicht wird, hat Google bislang nicht mitgeteilt.
Einordnung: Vids wird zur Konkurrenz für HeyGen und Synthesia
Die Aktualisierung reiht sich in eine Serie von KI-Ausbauten bei Google Workspace ein – erst kürzlich hatte das Unternehmen etwa Gemini tiefer in Google Home integriert. Zeitgleich mit Gemini Omni hat Google für Vids zudem persönliche KI-Avatare vorgestellt: Nutzer können per Selfie und Sprachaufnahme einen digitalen Avatar erstellen, der beliebige Texte vorträgt. Alle generierten Clips erhalten dabei ein unsichtbares SynthID-Wasserzeichen, damit KI-Inhalte im Nachhinein erkennbar bleiben.
Auch bei reiner Videogenerierung ohne Editor-Funktionen bleibt die Konkurrenz aktiv: Während OpenAI seine eigenständige Sora-App bereits wieder eingestellt hat, arbeitet das Unternehmen Berichten zufolge daran, Sora direkt in ChatGPT zu integrieren. Google setzt mit Vids dagegen auf die Einbettung in ein bestehendes Produktivitäts-Ökosystem statt auf eine separate App.
Fazit
Mit Gemini Omni bekommt Google Vids ein deutliches Qualitäts-Upgrade und wandelt sich vom reinen Präsentations-Tool zu einer vollwertigeren Videoplattform innerhalb von Google Workspace. Für Unternehmen, die bereits im Workspace-Ökosystem arbeiten, dürfte vor allem die Möglichkeit interessant sein, Clips ganz ohne separate Schnittsoftware per Texteingabe anzupassen. Wer in der EU sitzt, muss sich beim Bearbeiten eigener Videos aber vorerst gedulden.