OpenAI hat am 22. September 2026 mit GPT-6 Sol und GPT-6 Luna zwei neue Modelle veröffentlicht und dabei vor allem an der Preisschraube gedreht: Beide kosten über die API nur noch halb so viel wie ihre Vorgänger GPT-5.6 Sol und GPT-5.6 Luna. An den Fähigkeiten ändert sich dagegen wenig, auf dem Intelligence Index von Artificial Analysis bleiben beide Modelle ungefähr auf dem Niveau der Vorgängergeneration. Für OpenAI ist das der nächste Zug in einem Preiskampf, der gerade Claude, DeepSeek und eine ganze Reihe von Open-Weight-Modellen unter Druck setzt.
Das Wichtigste zu GPT-6 Sol und Luna in Kürze
- Release am 22. September 2026, verfügbar in ChatGPT, Codex und über die API als
gpt-6-solundgpt-6-luna - Sol kostet 2 $ pro Million Input-Token und 10 $ pro Million Output-Token, halb so viel wie GPT-5.6 Sol
- Luna kostet 0,10 $ pro Million Input-Token und 0,50 $ pro Million Output-Token, ebenfalls die Hälfte des Vorgängers
- Auf dem Intelligence Index von Artificial Analysis bleiben beide Modelle etwa auf dem Stand von GPT-5.6
- Die Trefferquote bei erfundenen Fakten sinkt laut AA-Omniscience-Test bei Sol von 92 auf 60 Prozent, bei Luna von 93 auf 77 Prozent
- Freie ChatGPT- und Go-Nutzer bekommen Luna zunächst nur in der Desktop-App, zahlende Tarife erhalten beide Modelle direkt
Was ist neu an GPT-6 Sol und Luna?
Sol ist weiterhin das Flaggschiff für komplexe Coding- und Agenten-Aufgaben, Luna die günstige und schnelle Variante für den Alltag. OpenAI selbst bewirbt die neue Generation nicht mit einem großen Leistungssprung, sondern mit Effizienz: Auf dem Coding Agent Index von Artificial Analysis legt Sol leicht zu, von 55 auf 57 Punkte, während Luna sogar zwei Punkte verliert und jetzt bei 41 liegt. Wer schon mit GPT-5.6 Sol und Luna gearbeitet hat, wird also kaum einen Unterschied in der täglichen Arbeit merken.
Der eigentliche Fortschritt liegt an anderer Stelle: Beide Modelle sollen deutlich seltener Dinge erfinden. Bei Sol sinkt die Halluzinationsrate im AA-Omniscience-Benchmark von 92 auf 60 Prozent, bei Luna von 93 auf 77 Prozent. Wer die Modelle für Recherche oder Faktenfragen nutzt, bekommt damit spürbar zuverlässigere Antworten, auch wenn „seltener falsch“ noch lange nicht „selten falsch“ bedeutet.
Preise: GPT-6 Sol und Luna im Vergleich zu GPT-5.6
Der Haupttreiber der Ankündigung ist die Preissenkung. OpenAI hat bereits bei GPT-5.6 mehrfach an den Kosten geschraubt, unter anderem mit der 80-prozentigen Preissenkung bei Luna im August. Mit GPT-6 geht das Unternehmen jetzt noch einen Schritt weiter:
| Modell | Input (pro Mio. Token) | Output (pro Mio. Token) |
|---|---|---|
| GPT-6 Sol | 2 $ | 10 $ |
| GPT-5.6 Sol (Vorgänger) | 4 $ | 20 $ |
| GPT-6 Luna | 0,10 $ | 0,50 $ |
| GPT-5.6 Luna (Vorgänger) | 0,20 $ | 1,20 $ |
Nach Berechnungen von Artificial Analysis sinken die Kosten für eine typische Aufgabe auf dem Intelligence Index bei Sol auf 1,06 $ und bei Luna auf 0,07 $, jeweils rund die Hälfte beziehungsweise weniger als die Hälfte des Vorgängerwerts.
Preisvergleich: Wie schlagen sich Claude Opus 5.5 und DeepSeek V4.1 Flash?
Spannend wird es im Vergleich zur Konkurrenz. Anthropic hatte erst tags zuvor mit Claude Opus 5.5 sein eigenes neues Flaggschiff vorgestellt, DeepSeek zog mit V4.1 Flash ebenfalls in dieser Woche nach:
| Modell | Input (pro Mio. Token) | Output (pro Mio. Token) | Intelligence Index |
|---|---|---|---|
| GPT-6 Sol | 2 $ | 10 $ | 48 |
| Claude Opus 5.5 | 4 $ | 20 $ | 58 |
| GPT-6 Luna | 0,10 $ | 0,50 $ | – |
| DeepSeek V4.1 Flash (Off-Peak, ungecacht) | 0,15 $ | 0,60 $ | – |
Damit kostet Sol beim Input und Output nur halb so viel wie Claude Opus 5.5, das dafür auf dem Intelligence Index mit 58 Punkten klar vorn liegt, gegenüber 48 Punkten bei Sol. Luna wiederum unterbietet DeepSeek V4.1 Flash bei den regulären Token-Preisen leicht, DeepSeek spielt seinen Kostenvorteil aber vor allem über gecachte Anfragen aus: Wiederholt genutzter Input kostet dort außerhalb der Stoßzeiten nur 0,003 $ pro Million Token. Bei reinen Coding-Benchmarks wie DeepSWE v1.1 liegt DeepSeek V4.1 Flash mit 74,2 Punkten sogar knapp vor Claude Opus 5 (74,0) und GPT-5.6 Sol (73,0), fällt bei anderen Tests wie dem Terminal-Bench aber deutlich hinter Claude zurück.
Bedeutet das das Ende der Open-Weight-Modelle?
Der Branchendienst Wccftech kommentierte die neuen Preise mit einer steilen These: Wenn OpenAI seine Modelle so günstig anbietet, verliere das Argument für offene Modelle an Kraft, für die man ohnehin eigene Server und Know-how braucht. Ganz so einfach ist die Rechnung aber nicht. Gerade erst hat Xiaomi mit MiMo-V2.6 ein Open-Weight-Modell veröffentlicht, das nach eigenen Angaben oben im Ranking für offene Modelle mitspielt und lokal betrieben werden kann, ohne dass Daten das eigene Rechenzentrum verlassen. Für Unternehmen mit strengen Datenschutzanforderungen oder ohne Lust auf eine dauerhafte API-Abhängigkeit bleibt das ein Argument, das kein Preisnachlass von OpenAI aus der Welt schafft. Der Preisdruck macht Open-Weight-Modelle trotzdem zu einer schwierigeren Wahl, wenn es nur um die reinen Betriebskosten geht.
Fazit
GPT-6 Sol und Luna bringen keinen großen Leistungssprung, dafür aber spürbar niedrigere Preise und deutlich weniger Halluzinationen als die Vorgängergeneration. Wer schon GPT-5.6 nutzt, bekommt mit dem Wechsel vor allem zuverlässigere Antworten zum halben Preis. Im direkten Vergleich bleibt Claude Opus 5.5 bei der reinen Intelligenz vorn, DeepSeek V4.1 Flash beim Preis pro Token, besonders bei gecachten Anfragen. Der eigentliche Gewinner der Woche dürfte am Ende der Nutzer sein: Zwischen OpenAI, Anthropic und DeepSeek tobt ein Preiskampf, von dem Kunden aller drei Anbieter profitieren.