PC Partner, der Mutterkonzern von Zotac, Inno3D und Manli, rechnet in der zweiten Jahreshälfte 2026 mit einer weiteren Verschärfung der Grafikkarten-Knappheit. Grund sind laut dem am 16. August veröffentlichten Halbjahresbericht des Unternehmens anhaltend steigende Preise für Grafikspeicher, die sich direkt auf die Kosten kompletter Grafikkarten durchschlagen. Am stärksten trifft es ausgerechnet das Einstiegssegment, also genau die Karten, mit denen die meisten Gaming-PCs bestückt werden.
Kurz zusammengefasst: PC Partner erwartet für H2 2026 „erheblich erhöhte Kosten für Grafikkarten“, weil Grafikspeicher weiter teurer wird. Im ersten Halbjahr 2026 brach der Grafikkarten-Absatz des Konzerns um 18,4 Prozent ein, während die durchschnittlichen Verkaufspreise um 10,7 Prozent stiegen. Hintergrund ist eine globale Speicherkrise, die auch Nvidia und AMD zu Preiserhöhungen zwingen soll.
Was PC Partner im Halbjahresbericht konkret schreibt
In seinem Bericht spricht PC Partner von „weiter steigenden Preisen für Grafikspeicher“ und rechnet in der Folge mit „erheblich erhöhten Kosten für Grafikkarten“. Besonders deutlich wird die Warnung beim Einstiegssegment: Dort erwartet der Konzern „schwerwiegendere Engpässe und infolgedessen steigende durchschnittliche Verkaufspreise“. Eine konkrete Ursache für die GPU- und Speicherknappheit nennt der Bericht nicht, betont aber, dass die Lieferengpässe die gesamte Branche treffen, nicht nur einzelne Hersteller.
Das Statement fällt deshalb ins Gewicht, weil PC Partner nicht irgendein Zulieferer ist, sondern einer der größten Grafikkarten-Hersteller weltweit. Zotac selbst produziert ausschließlich auf Basis von Nvidia-GPUs, Inno3D und Manli sind vor allem in Asien und Europa aktiv. Wenn der Mutterkonzern eine solche Warnung öffentlich in einen Halbjahresbericht schreibt, ist das kein PR-Statement, sondern eine Ansage an Investoren.
Die Zahlen aus dem ersten Halbjahr 2026
Interessant ist, dass PC Partner trotz sinkender Stückzahlen mehr Umsatz gemacht hat, weil die Preise pro Karte kräftig gestiegen sind. Die wichtigsten Kennzahlen aus dem Bericht im Überblick:
| Kennzahl | Veränderung H1 2026 |
|---|---|
| Grafikkarten-Absatz (Stückzahl) | -18,4 % |
| Durchschnittlicher Verkaufspreis (gesamt) | +10,7 % |
| Umsatz Grafikkarten-Segment | +3,1 % auf rund 655 Mio. Euro |
| High-End-Segment: Stückzahl | -38,4 % |
| High-End-Segment: Durchschnittspreis | +181 % |
Zum Vergleich der Konzernebene: Der Gesamtumsatz von PC Partner über alle Sparten hinweg legte um 1,5 Prozent auf umgerechnet rund 820 Millionen US-Dollar zu, der Nettogewinn verdoppelte sich sogar auf etwa 69,5 Millionen US-Dollar. Wer weniger Karten zu deutlich höheren Preisen verkauft, kann unterm Strich trotzdem besser dastehen. Für Käufer ist das allerdings keine gute Nachricht: Die Rechnung geht nur auf, weil sie tiefer in die Tasche greifen müssen.
Warum werden Grafikkarten überhaupt knapper?
Die Ursache liegt nicht bei den GPUs selbst, sondern beim Grafikspeicher. GDDR- und HBM-Speicherbausteine werden auf denselben Fertigungslinien produziert wie der DRAM, den Rechenzentren für KI-Server benötigen. Weil die Nachfrage nach Speicher für KI-Infrastruktur seit Monaten durch die Decke geht, konkurrieren Grafikkarten-Hersteller plötzlich mit Cloud-Anbietern um dieselben Speicherchips, und das mit deutlich weniger Verhandlungsmacht.
Mehrere internationale Fachmedien berichten unabhängig voneinander über dieselbe Entwicklung: Laut Tom’s Hardware will AMD seine Grafikkartenpreise 2026 um mindestens 10 Prozent anheben, direkt zurückgeführt auf die anhaltende DRAM-Krise. Auch Nvidia soll laut mehreren Berichten frühere Preiserhöhungen für 2026 planen.
Einstiegssegment besonders unter Druck
Auffällig an der PC-Partner-Warnung ist, dass ausgerechnet die günstigen Karten am stärksten leiden sollen. Das deckt sich mit Berichten anderer Hersteller: Auch bei Budget-GPUs im Bereich der RTX 5060 oder vergleichbaren AMD-Karten wird von wachsenden Engpässen berichtet, während margenstärkere High-End-Modelle offenbar bevorzugt beliefert werden. Für Hersteller ist das nachvollziehbar, für alle, die einen bezahlbaren Gaming-PC zusammenstellen wollen, ist es das genaue Gegenteil einer guten Nachricht.
Was bedeutet das für Käufer?
Eine pauschale Kaufempfehlung lässt sich aus einem Halbjahresbericht nicht ableiten, aber die Richtung ist klar: Wer ohnehin in absehbarer Zeit eine neue Grafikkarte braucht, sollte die Preisentwicklung der kommenden Wochen im Auge behalten, statt auf fallende Preise zu warten. Die aktuellen Aussagen von PC Partner, kombiniert mit den Berichten zu AMD- und Nvidia-Preiserhöhungen, deuten eher auf das Gegenteil hin. Wer beim Aufbau eines kompletten Systems noch unschlüssig ist, welche Komponenten zusammenpassen, findet in unserem Gaming-PC-Guide mit Komponentenauswahl und Benchmarks eine gute Ausgangsbasis, um Prioritäten zu setzen, bevor das Budget knapper wird.
Fazit
Die Warnung von PC Partner ist mehr als eine Randnotiz aus einem Geschäftsbericht. Wenn einer der größten Grafikkarten-Hersteller der Welt öffentlich vor „erheblich erhöhten Kosten für Grafikkarten“ warnt und gleichzeitig zeigt, dass er im ersten Halbjahr 2026 mit weniger verkauften Karten mehr Umsatz gemacht hat, ist das ein deutliches Signal für die gesamte Branche. Die Grafikkarten-Preise dürften in den kommenden Monaten eher steigen als fallen, und die Knappheit trifft ausgerechnet die Einsteiger-Modelle am härtesten. Wer eine Aufrüstung plant, sollte diese Entwicklung im Hinterkopf behalten.