Home Assistant 2026.4: Infrarot-Support, smarte Automatisierungen und mehr

Simon Lüthje
Simon Lüthje · 5 Min. Lesezeit

Home Assistant 2026.4 steht ab sofort zum Download bereit und bringt nach dem eher überschaubaren März-Update ein ordentliches Paket an Neuerungen mit. Im Mittelpunkt steht die neue native Infrarot-Unterstützung, mit der sich unzählige ältere Geräte wie Fernseher und Klimaanlagen in das Smart Home einbinden lassen. Dazu kommen domänenübergreifende Automatisierungen, ein Lock-Manager für Matter-Schlösser und insgesamt 14 neue Integrationen.

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Infrarot wird zum vollwertigen Feature in Home Assistant

Das wohl spannendste Feature von Home Assistant 2026.4 ist die native Infrarot-Unterstützung. Viele Geräte im Haushalt – Fernseher, Klimaanlagen, Ventilatoren oder Soundbars – verfügen über einen Infrarot-Empfänger, sind aber nicht smart. Genau hier setzt das Update an: Über kleine ESPHome-Geräte mit IR-Transmitter, die als sogenannte Infrarot-Proxys fungieren, kann Home Assistant nun Infrarot-Befehle aussenden. Das Prinzip kennt man bereits von den Bluetooth-Proxys, die Bluetooth-Geräte überall im Haus erreichbar machen.

Als erste Integration nutzt LG Infrared diese neue Plattform. Damit lassen sich LG-Fernseher per Infrarot aus Home Assistant steuern – inklusive Ein-/Ausschalten, Lautstärkeregelung, Kanalwechsel und Wiedergabebefehlen. Zusätzlich gibt es Button-Entitäten für klassische Fernbedienungsfunktionen wie Eingangswahl und Navigation. Da Infrarot eine Einweg-Kommunikation ist, arbeitet die Integration mit sogenannten „Assumed States“ – echtes Geräte-Feedback gibt es nicht.

Wer direkt loslegen möchte, kann laut den offiziellen Release-Notes zum Beispiel den Seeed Studio XIAO IR Mate nutzen, der sich über die ESPHome Ready-Made-Projects-Seite direkt im Browser flashen lässt. Hinter dem Feature steckt auch ein Nachhaltigkeitsgedanke: Statt ältere Geräte durch smarte Modelle zu ersetzen, kann man sie nun einfach ins Smart Home integrieren.

Domänenübergreifende Automatisierungen

Seit Home Assistant 2025.12 arbeiten die Entwickler an sogenannten „Purpose-specific Triggers & Conditions“, die Automatisierungen natürlicher gestalten. Mit dem April-Update kommt nun eine entscheidende Erweiterung: Cross-Domain-Trigger. Bisher war jeder Auslöser an einen bestimmten Entitätstyp gebunden. Ein „Tür geöffnet“-Trigger reagiert jetzt auf jede Tür-Entität – egal ob es ein Kontaktsensor oder ein motorisiertes Garagentor ist.

Das Gleiche gilt für viele weitere Bereiche: Temperatursensoren, Klimageräte und Warmwasserbereiter werden bei Temperatur-Triggern gleich behandelt. Besonders praktisch: Raumzuweisungen und Labels fließen ein. So lässt sich beispielsweise die Automatisierung „Wenn ein Fenster im Obergeschoss geöffnet wird“ erstellen, ohne jedes einzelne Fenster auflisten zu müssen. Wird künftig ein neuer Fenstersensor hinzugefügt, ist dieser automatisch eingeschlossen.

Die neuen Cross-Domain-Trigger und -Bedingungen umfassen unter anderem die Kategorien Tür, Garagentor, Fenster, Bewegung, Anwesenheit, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Beleuchtungsstärke, Stromverbrauch, Batterie, Luftqualität und Klima. Die Funktion ist aktuell als Labs-Feature verfügbar und kann unter Einstellungen > System > Labs aktiviert werden.

Matter-Lock-Manager: PIN-Codes direkt verwalten

Besitzer von Matter-kompatiblen Smart Locks können ab sofort Zugangs-Codes direkt über Home Assistant verwalten. Auf der Geräteseite eines unterstützten Schlosses findet sich die neue Option „Manage lock“, über die sich Benutzer anlegen, PIN-Codes vergeben und Zugriffstypen festlegen lassen. Zur Auswahl stehen Vollzugriff (jederzeit ver- und entriegeln) sowie einmaliger Zugriff, bei dem der Code nach einmaliger Nutzung automatisch gelöscht wird.

Unterstützt wird das Feature beispielsweise von den Tedee-Schlössern in Kombination mit einem Keypad. Die Schlossaktionen stehen auch in Automatisierungen und Skripten zur Verfügung – so lassen sich etwa automatisch einmalige PIN-Codes für Gäste generieren und per Benachrichtigung verschicken.

Dashboard-Verbesserungen und KI-Transparenz

Auch optisch tut sich einiges: Dashboard-Bereiche lassen sich ab sofort mit einer Hintergrundfarbe versehen. Jeder Abschnitt kann eine eigene Farbe erhalten – wahlweise aus vordefinierten Optionen oder als Hex-Farbcode. Auch die Deckkraft lässt sich einstellen, um Karten optisch zu gruppieren oder bestimmte Bereiche hervorzuheben.

Weitere Dashboard-Neuheiten sind unter anderem die Möglichkeit, Favoriten-Farben für Lichter als Schnellzugriff direkt auf Tile- und Light-Cards zu platzieren, ein überarbeitetes Gauge-Card-Design sowie eine neue Auto-Height-Option für Karten, die sich automatisch an den Inhalt anpassen.

Wer einen KI-gestützten Sprachassistenten mit Assist nutzt, kann jetzt zudem sehen, was die KI „denkt“: Jede Antwort zeigt einen aufklappbaren „Show Details“-Bereich mit den Reasoning-Schritten, Tool-Aufrufen und Ergebnissen der KI.

14 neue Integrationen und zahlreiche Verbesserungen

Home Assistant 2026.4 bringt insgesamt 14 neue Integrationen mit. Dazu zählen unter anderem UniFi Access für die lokale Steuerung von Ubiquiti-Zutrittssystemen, WiiM für die Steuerung von WiiM-Streamern, Solarman für Energiemonitoring sowie TRMNL für E-Paper-Displays. Auch zwei Schach-Plattformen (Chess.com und Lichess) haben den Weg ins Smart Home gefunden.

Bei bestehenden Integrationen gibt es ebenfalls spürbare Verbesserungen: SmartThings erhielt massiven Support für Saugroboter und Geschirrspüler, Roborock unterstützt nun den Q10, und OpenAI Conversation wurde um GPT-5.4-Support erweitert. Die BMW-Connected-Drive-Integration wurde dagegen entfernt, da BMW den Zugriff durch Drittanbieter unterbunden hat.

Sprachsteuerung für Saugroboter und neue Backup-Features

Bereits mit Home Assistant 2026.3 konnten Saugroboter in bestimmte Bereiche geschickt werden. Jetzt klappt das auch per Sprachbefehl: Einfach den Sprachassistenten bitten, einen bestimmten Raum zu saugen – der Roboter erledigt den Rest. Zudem zeigt Home Assistant beim Hochladen von Backups jetzt einen Fortschrittsbalken für jedes Backup-Ziel an. Unterstützt werden unter anderem Home Assistant Cloud, WebDAV, Google Drive und OneDrive. Ebenfalls neu: Die Backup-Verschlüsselung wurde auf einen moderneren Standard aktualisiert.

Fazit: Home Assistant 2026.4 ist ein umfangreiches Update

Mit der nativen Infrarot-Unterstützung, den domänenübergreifenden Automatisierungen und dem Matter-Lock-Manager liefert Home Assistant 2026.4 gleich mehrere Highlights. Besonders die IR-Integration eröffnet spannende Möglichkeiten, ältere Geräte smart zu machen – ganz ohne teure Neuanschaffungen. Wer Home Assistant noch nicht kennt: Die Open-Source-Software lässt sich beispielsweise auf einem Raspberry Pi oder Mini-PC installieren und unterstützt Protokolle wie ZigBee, Z-Wave und Matter. Das Update steht ab sofort über die regulären Update-Kanäle zur Verfügung.