Honor Robot Phone im Härtetest: Heiße Kamera und nur IP54 statt IP68

Philipp Briel
Philipp Briel · 4 Min. Lesezeit
Honor Robot Phone
Bild: Honor

Das Honor Robot Phone hat im Härtetest von JerryRigEverything zwei Schwachstellen offengelegt: Die Gimbal-Motoren werden bei Blockade bis zu 50 °C heiß, und der Staubschutz reicht nur bis IP54 statt der bei Flaggschiffen üblichen IP68-Zertifizierung. Nach Kontakt mit Schmutz ließ sich die Kameramechanik zeitweise gar nicht mehr bewegen, selbst Druckluft half nicht sofort.

Das Honor Robot Phone ist das erste Serien-Smartphone mit einem 3-Achsen-Gimbal direkt im Kameramodul. Genau dieser Mechanismus stand jetzt im Mittelpunkt eines ausführlichen Durability-Tests und Teardowns von YouTuber Zack Nelson, besser bekannt als JerryRigEverything. Sein Fazit fällt gemischt aus: Das Konzept funktioniert, hat aber an der Schnittstelle zwischen Mechanik und Alltagstauglichkeit noch Luft nach oben.

Gimbal-Motoren werden bei Blockade richtig heiß

Wird die Gimbal-Kamera in ihrer Bewegung behindert, etwa weil ein Finger oder Gegenstand im Weg liegt, arbeiten die Motoren gegen den Widerstand an. Laut Test steigt die Temperatur der Mechanik dabei auf rund 50 °C, ein Wert, der laut JerryRigEverything keine Ausnahme, sondern der Regelfall bei blockierter Bewegung ist. Für ein Bauteil, das ständig in Bewegung ist und dabei Staub und Fingerkontakt ausgesetzt ist, ist das ein Punkt, den Honor bei einer möglichen zweiten Generation angehen muss.

Nur IP54 statt IP68: Der Staubtest wird zum Problem

Der zweite Kritikpunkt wiegt schwerer: Während aktuelle Android-Flaggschiffe meist IP68 bieten und damit vollständig staubdicht sind, kommt das Honor Robot Phone laut Datenblatt nur auf IP54, also Schutz vor Staub in begrenztem Maß und vor Spritzwasser. Im Test bestätigte sich, warum: Nachdem Nelson die Gimbal-Öffnung gezielt mit Schmutz in Kontakt gebracht hatte, war die Motorik der Kamera de facto lahmgelegt. Selbst Druckluft konnte das bewegliche System nicht wieder freiblasen. Wasserdicht ist das Gerät ebenfalls nicht.

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Das ist kein kleines Detail, denn die gesamte Idee des Robot Phone hängt an der beweglichen Kamera. Wenn genau dieser Mechanismus als Erstes durch Umwelteinflüsse ausfällt, trifft es das Kernfeature des Smartphones.

Teardown: Verklebter Akku und Spezialkabel für die Mechanik

Beim anschließenden Teardown zeigte sich ein Metall-Kunststoff-Mix im Aufbau: Die Rückseite besteht aus Kunststoff, während Gehäuse und der Gimbal-Arm aus Titan gefertigt sind. Der Akku lässt sich zwar vergleichsweise leicht erreichen, ist aber verklebt statt gesteckt, ein Nachteil für Reparaturen. Wegen der beweglichen Kamera verbaut Honor spezielle, flexible Kabelführungen, die die Bewegung der Mechanik mitmachen müssen, ohne zu brechen. Der Bend-Test, also die Biegeprobe des gesamten Gehäuses, verlief dagegen unauffällig.

Technische Daten des Honor Robot Phone

Merkmal Spezifikation
Display 6,31 Zoll LTPO-OLED, 120 Hz, bis 6.800 Nits Spitzenhelligkeit
Chipset Qualcomm Snapdragon 8 Elite Gen 5
Hauptkamera 200 MP, f/1.6, 4-DoF-Titan-Gimbal mit OIS
Telekamera 200 MP, f/2.6, 2,7-fach optischer Zoom
Ultraweitwinkel 50 MP, 122° Sichtfeld
Akku 7.060 mAh, 120 W kabelgebunden, 50 W kabellos
Schutzklasse IP54 (kein Vollschutz gegen Staub, nur Spritzwasser)
Speicher 12 GB/512 GB oder 16 GB/1 TB
Preis ab CNY 9.999 (rund 1.280 Euro), bisher nur in China erhältlich

Einordnung: Ambitioniertes Konzept mit Kinderkrankheiten

Das Honor Robot Phone bleibt eines der ungewöhnlichsten Smartphone-Konzepte der letzten Jahre. Die Kombination aus Gimbal-Kamera, ARRI-Farbprofilen und der „YOYO Robot Mode“ getauften automatischen Motivverfolgung zielt klar auf Content Creator und Filmfans ab. Der Durability-Test zeigt aber, dass diese Innovation ihren Preis hat: Ein bewegliches, motorisiertes Kamerasystem ist naturgemäß anfälliger für Hitze, Staub und Verschleiß als eine fest verbaute Linse. Wer mit dem Gerät liebäugelt, sollte den Umgang mit der Gimbal-Kamera entsprechend vorsichtig gestalten, etwa an Strand oder Baustelle wäre nach diesem Test besondere Vorsicht angebracht.

Wer sich für robuste Kamera-Technik am Smartphone interessiert, aber lieber auf ein externes Gimbal statt integrierter Mechanik setzt, findet in unserem Test des Hohem iSteady Mobile Plus eine Alternative ganz ohne dieses Risiko. Wer stattdessen ein klassisches Honor-Flaggschiff ohne bewegliche Teile sucht, wird eher beim Honor Magic 5 Pro oder dem günstigeren Honor Magic 8 Lite fündig, die wir beide ausführlich getestet haben. Auch das kompaktere Honor Magic 8 Pro Air haben wir bereits vorgestellt.

Ein globaler Verkaufsstart des Robot Phone außerhalb Chinas ist bislang nicht bestätigt. Sollte Honor nachlegen, dürfte die IP-Zertifizierung eines der ersten Dinge sein, an denen das Unternehmen arbeitet.