Honor Robot Phone offiziell: Kamera-Flaggschiff startet mit Gimbal und Arri-Technik

Philipp Briel
Philipp Briel · 5 Min. Lesezeit
Honor Robot Phone
Bild: Honor

Honor hat sein Robot Phone offiziell vorgestellt, und der Name ist Programm: Statt einer festen Kameralinse sitzt hinten ein Gimbal, der sich wie ein kleiner Roboterarm aus dem Gehäuse fährt. Mit Preisen ab 9.999 Yuan (umgerechnet etwa 1.285 Euro) ist es zugleich das teuerste Kamera-Flaggschiff, das ein chinesischer Hersteller je auf den Markt gebracht hat.

Damit knackt Honor als erster Anbieter die 10.000-Yuan-Marke bei einem klassischen Smartphone im Standardformat, und das mit deutlichem Abstand zur Konkurrenz. Zum Vergleich: Das Vivo X300 Ultra kostet in vergleichbarer Ausstattung 7.500 Yuan, das Oppo Find X9 Ultra 8.000 Yuan. Honor verlangt damit 33 beziehungsweise 25 Prozent mehr.

Honor Robot Phone Preis und Konfigurationen

Zum Marktstart gibt es das Honor Robot Phone in zwei Ausstattungsvarianten:

Konfiguration Preis (China) Preis umgerechnet
12 GB RAM / 512 GB Speicher 9.999 Yuan ca. 1.285 Euro
16 GB RAM / 1 TB Speicher 12.999 Yuan ca. 1.670 Euro

Die Vorbestellungen liefen bereits am 12. August an, der offizielle Verkaufsstart in China ist für den 18. August 2026 angesetzt. Eine Präsentation des Geräts gab es schon zur MWC 2026 in Barcelona, damals allerdings noch ohne Preis und finales Datum. Ob und wann das Honor Robot Phone auch nach Deutschland oder Europa kommt, hat Honor bislang nicht bestätigt.

Gimbal-Kamera mit Arri-Technik: Das steckt im 200-MP-System

Das Herzstück des Robot Phone ist der sogenannte 4-DoF Titanium Agile Gimbal, eine mechanische Konstruktion aus über 100 Präzisionsteilen, die Honor nach eigenen Angaben in mehr als 60 Fertigungsschritten baut und mit über 100 Patenten absichert. Der Titan-Motor wiegt laut Hersteller nur 2,6 Gramm, dreht sich mit bis zu 360 Grad pro Sekunde und soll gegenüber vergleichbaren Gimbal-Lösungen 65 Prozent kleiner ausfallen, bei gleichzeitig 200 Prozent höherer Strukturstabilität.

Honor Robot Phone
Bild: Honor

Auf dem Gimbal sitzt die 200-Megapixel-Hauptkamera mit einem 1/1,28-Zoll-Sensor und Blende f/1.6. Dazu kommen ein 200-MP-Periskop-Teleobjektiv mit 2,7-fachem optischem Zoom und eine 50-MP-Ultraweitwinkelkamera mit 122 Grad Sichtfeld. Digital soll bis zu 200-facher Zoom möglich sein.

Kamera Auflösung Sensor / Blende
Hauptkamera (Gimbal) 200 MP 1/1,28″, f/1.6
Periskop-Tele 200 MP 1/1.4″, f/2.6, 2,7x optisch
Ultraweitwinkel 50 MP f/2.0, 122° Sichtfeld

Für die Bildverarbeitung kooperiert Honor mit dem Kamerahersteller Arri, bekannt aus der professionellen Filmbranche. Das Robot Phone unterstützt ARRI LogC3, ARRI Wide Gamut 3 und die charakteristischen ARRI Looks, verarbeitet über den hauseigenen Honor-H1-Bildchip mit 14 Bit in 4:4:4 und soll bis zu 14 Blendenstufen Dynamikumfang erreichen. Videos lassen sich in 4K bei 120 fps aufnehmen. Honor-CEO James Li begründete die Kooperation damit, dass gute Bildgebung am Ende weniger eine Frage der Pixelzahl als der präzisen Kontrolle über Licht und Schatten sei. ARRI-CPO David Bermbach ergänzte, es gehe nicht einfach um mehr Megapixel, sondern darum, Kreativen die Werkzeuge für gezielt komponierte Bilder in die Hand zu geben.

YOYO Robot Mode: Die Gimbal-Kamera als KI-Assistent

Weil sich die Kamera bewegen und drehen kann, nutzt Honor sie auch abseits klassischer Fotos. Im sogenannten YOYO Robot Mode folgt das Gimbal per KI-Objekterkennung automatisch einer Person oder einem Motiv, reagiert auf Gesten ohne Berührung des Displays und kann laut Honor Sprachquellen im Raum orten, um sich etwa bei Videocalls in Richtung der sprechenden Person zu drehen. Eine YOYO-Auto-Execution-Funktion soll darüber hinaus mehrstufige Aufgaben selbstständig abarbeiten. Wie zuverlässig das im Alltag funktioniert, lässt sich anhand der bisherigen Angaben noch nicht beurteilen, dafür braucht es unabhängige Tests nach Marktstart.

Honor Robot Phone
Bild: Honor

Snapdragon 8 Elite Gen 5, Akku und Display

Unter der Haube arbeitet der aktuelle Snapdragon 8 Elite Gen 5 von Qualcomm. Das 6,31 Zoll große LTPO-OLED-Display löst mit 2.640 x 1.216 Pixeln auf, taktet adaptiv zwischen 1 und 120 Hz und soll Spitzenwerte von bis zu 6.800 Nits erreichen. Trotz des aufwendigen Kamera-Mechanismus bringt das Gehäuse mit 248 Gramm bei 9,59 Millimetern Dicke keine ungewöhnlichen Ausmaße mit.

Der Silicon-Carbon-Akku fasst 7.060 mAh und lädt kabelgebunden mit 120 Watt oder kabellos mit 50 Watt. Das Metallgehäuse mit abgerundeten Kanten ist zusätzlich mit Honors NanoCrystal Shield vor Stürzen und Kratzern geschützt.

Verfügbarkeit: Wann kommt das Honor Robot Phone nach Deutschland?

Bislang bleibt das Honor Robot Phone ein China-Produkt. Vorbestellungen und Verkaufsstart beziehen sich ausschließlich auf den chinesischen Markt, eine globale Produktseite existiert zwar bereits, konkrete Angaben zu Preis oder Termin für Europa fehlen aber noch. Sollte Honor dem Muster früherer Flaggschiffe folgen, wäre ein Marktstart hierzulande frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2026 realistisch, bestätigt ist davon bislang nichts.

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Mehr Informationen

Wer wissen möchte, wie sich Honors bisherige High-End-Modelle im Alltag schlagen, findet in unserem Test des Honor Magic5 Pro einen guten Vergleichspunkt. Auch das kürzlich vorgestellte Honor Magic 8 Pro Air zeigt, wie unterschiedlich Honor seine Flaggschiff-Reihen inzwischen positioniert.

Fazit

Das Honor Robot Phone ist ein ungewöhnliches Experiment: ein Smartphone, dessen komplette Kamera-Identität auf einem mechanischen Gimbal und einer Kooperation mit einem Kinoausrüster aufbaut. Technisch klingt das beeindruckend, und der Snapdragon 8 Elite Gen 5 sowie der große Akku sorgen dafür, dass auch abseits der Kamera ein rundes Gesamtpaket entsteht. Der Preis ist trotzdem eine Ansage: Mit umgerechnet rund 1.285 Euro für die Basisversion verlangt Honor spürbar mehr als Vivo oder Oppo für ähnlich ausgestattete Modelle. Ob sich das für Käufer lohnt, hängt am Ende davon ab, wie viel ihnen eine bewegliche Gimbal-Kamera und das Arri-Branding tatsächlich wert sind, und wie gut sich beides im Alltag jenseits der Marketingfolien schlägt.