Das HONOR Robot Phone ist da: Seit dem 12. August nimmt HONOR in China Vorbestellungen für das nach eigenen Angaben erste Smartphone mit einem voll motorisierten, mechanischen Gimbal entgegen, der offizielle Verkaufsstart folgt am 18. August 2026. Das Besondere daran ist ein ausklappbarer 4DoF-Gimbal-Arm, der die 200-MP-Hauptkamera trägt und dank einer Kooperation mit dem Kinokamera-Hersteller ARRI cineastische Bildqualität direkt aufs Smartphone bringen soll.
Das Wichtigste in Kürze
- HONOR bringt mit dem Robot Phone das weltweit erste Smartphone mit einem voll integrierten, mechanischen 4DoF-Gimbal auf den Markt.
- Verkaufsstart ist der 18. August 2026 in China, zu Preisen von 9.999 Yuan (rund 1.280 Euro) für 12/512 GB und 12.999 Yuan (rund 1.670 Euro) für 16 GB/1 TB.
- Gemeinsam mit ARRI integriert HONOR Farbwissenschaft aus der Kinowelt: ARRI LogC3, ARRI Wide Gamut 3 und ARRI Looks in Echtzeit.
- Der YOYO Robot Mode verwandelt das Handy per KI-Objektverfolgung und Gestensteuerung in ein freihändiges Kamerateam, bleibt aber vorerst China-exklusiv.
- Ob und wann das Gerät nach Deutschland kommt, ist offen. Die Partnerschaft mit ARRI soll aber mit der HONOR Magic9-Serie fortgesetzt werden.
Der 4DoF Titanium Agile Gimbal: Herzstück des Robot Phone
Statt eine Kamera einfach nur in einer Notch oder Insel zu verbauen, packt HONOR sie auf einen ausklappbaren Arm mit vier Freiheitsgraden. Der sogenannte Titanium Agile Gimbal besteht laut Hersteller aus mehr als 100 Präzisionskomponenten, verteilt auf über 100 Patente, und durchläuft bei der Fertigung 60 einzelne Arbeitsschritte. Im Vergleich zu klassischen externen Gimbal-Aufsätzen soll das System um 65 Prozent kleiner ausfallen und gleichzeitig 200 Prozent stabiler arbeiten.

Möglich macht das unter anderem ein nur 2,6 Gramm leichter Titanium-Gimbal-Motor, der Schwenkgeschwindigkeiten von bis zu 360 Grad pro Sekunde erreicht, kombiniert mit einem HONOR-Super-Steel-Flip-Motor mit einer Drehmomentdichte von 120 N·m pro Liter. In ersten Hands-on-Berichten von Gizmochina wird die Objektverfolgung als „außergewöhnlich schnell und präzise“ beschrieben, eine transparente Schutzklappe soll die empfindliche Mechanik vor Staub und kleineren Stößen schützen. Ganz ausgeräumt sind Zweifel an der Langzeithaltbarkeit damit aber nicht: Ein Sturz auf den ausgeklappten Arm dürfte teurer werden als bei einem klassischen Kameramodul.
ARRI und HONOR: Kino-Bildsprache im Taschenformat
Das Robot Phone ist der erste sichtbare Meilenstein der im Vorfeld angekündigten Partnerschaft zwischen HONOR und ARRI, dem Hersteller professioneller Kinokameras. Statt einfacher Filter wandern hier echte Bestandteile der ARRI Image Science ins Smartphone: ARRI LogC3 als Farbraum für die Aufnahme, ARRI Wide Gamut 3 für einen breiteren Farbumfang und mehrere ARRI Looks, die sich schon in der Vorschau in Echtzeit anzeigen lassen.
Technisch verarbeitet der hauseigene HONOR-H1-Bildprozessor das Videosignal zunächst intern mit 14 Bit in 4:4:4, reduziert Rauschen noch im RAW-Bereich und gibt am Ende 10-Bit-Material in LogC3 und 4:2:2 aus. HONOR nennt für die KI-gestützte Rauschunterdrückung ein verbessertes Signal-Rausch-Verhältnis von 8 dB sowie einen Dynamikumfang von bis zu 14 Blendenstufen durch dynamische KI-Bereichsoptimierung. Die Aufnahmen lassen sich direkt in DaVinci Resolve importieren, wo passende ARRI-LUTs für die Farbkorrektur bereitstehen. Für die Postproduktion soll damit deutlich mehr Bildinformation erhalten bleiben, als es komprimierte Handyvideos sonst zulassen.
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James Li, CEO von HONOR, beschreibt den Ansatz in der Ankündigung so: Ein Jahrhundert Filmkunst habe gezeigt, wie mächtig die präzise Kontrolle über Licht, Schatten und Farbe für das Erzählen von Geschichten sei, und genau diese Erfahrung wolle man gemeinsam mit ARRI ins Smartphone holen. ARRI-Produktchef David Bermbach ergänzt, es gehe künftig nicht mehr nur um mehr Pixel, sondern um Kontrolle über das Bild.
Kamera und technische Daten im Überblick
Neben dem Gimbal-Arm mit der 200-MP-Hauptkamera (1/1,28 Zoll, Blende f/1.6) sitzt auf der Rückseite eine zweite 200-MP-Periskop-Telekamera mit 2,7-fachem optischem Zoom und ein 50-MP-Ultraweitwinkelobjektiv mit 122 Grad Sichtfeld. Angetrieben wird das Gerät vom Snapdragon 8 Elite Gen 5, dazu kommt ein 7.060-mAh-Silizium-Karbon-Akku mit 120 Watt kabelgebundenem und 50 Watt kabellosem Laden.
| Ausstattung | HONOR Robot Phone |
|---|---|
| Display | 6,31 Zoll LTPO-OLED, 1-120 Hz, 6.800 Nits Spitzenhelligkeit, 4320 Hz PWM-Dimming |
| Prozessor | Snapdragon 8 Elite Gen 5 |
| Speicher | 12 GB RAM / 512 GB oder 16 GB RAM / 1 TB |
| Hauptkamera | 200 MP, 4DoF-Gimbal, 1/1,28 Zoll, f/1.6, 10-Bit ARRI LogC3 |
| Telekamera | 200 MP Periskop, 1/1,4 Zoll, 2,7x optischer Zoom |
| Ultraweitwinkel | 50 MP, 122° Sichtfeld |
| Akku | 7.060 mAh Silizium-Karbon, 120 W kabelgebunden, 50 W kabellos |
| Gehäuse | Metall-Unibody, HONOR NanoCrystal Shield |
| Preis (China) | 9.999 Yuan (12/512 GB) bzw. 12.999 Yuan (16 GB/1 TB) |
YOYO Robot Mode: Physische KI und freihändiges Filmen
Auf Software-Seite bringt MagicOS den neuen YOYO Robot Mode mit, der laut HONOR multimodale Wahrnehmung, Gestenerkennung und die physische Bewegung des Gimbals kombiniert. Per Sprachquellen-Lokalisierung und KI-Objektverfolgung schwenkt und neigt sich die Kamera automatisch, sodass Nutzer bei Vlogs, Livestreams oder Videocalls im Bild bleiben, auch wenn sie sich bewegen. Über berührungslose Gesten lässt sich der Arm ausfahren und der Auslöser bedienen, ohne das Gerät überhaupt anzufassen. Cineastische Bewegungsmodi wie Tilt Lock, First Person View und AI SpinShot ergänzen das Ganze für flüssigere Kamerafahrten aus der Hand.
YOYO Auto Execution geht noch einen Schritt weiter und soll als System-KI-Agent mehrstufige Aufgaben über mehrere Apps und Systemeinstellungen hinweg selbstständig erledigen, laut Hands-on-Berichten teils über 100 Arbeitsschritte hinweg auf Basis von Alibabas Qwen-Sprachmodell. Käufer erhalten dafür lebenslangen kostenfreien Zugriff auf die YOYO-AI-Membership-SVIP-Stufe. Ein Wermutstropfen bleibt: Diese KI-Funktionen sind bislang auf China beschränkt, eine globale Version der ersten Generation hat HONOR nicht angekündigt.
Preis und Verfügbarkeit: Kommt das Robot Phone auch nach Deutschland?
Vorbestellungen liefen in China ab dem 12. August um 20:30 Uhr Ortszeit, der reguläre Verkauf startet dort am 18. August um 10:08 Uhr. Die beiden Speichervarianten kosten 9.999 beziehungsweise 12.999 Yuan, umgerechnet also grob 1.280 beziehungsweise 1.670 Euro, wobei diese Umrechnung ohne europäische Steuern und Importaufschläge nur zur groben Orientierung dient. Zum Marktstart gibt es zudem ein Zubehörpaket mit Magnetständer, Umhängeband und einem 120-Watt-Ladegerät obendrauf.
Eine offizielle Ankündigung für Deutschland oder Europa gibt es bislang nicht. HONOR selbst spricht nur von einer „globalen Tour“, die das Gerät bereits zum MWC 2026, zur China Night der Filmfestspiele von Cannes und zum Shanghai International Film Festival geführt hat. Ob daraus ein internationaler Verkaufsstart wird, ist offen.
Einordnung: Kreatives Werkzeug oder teures Nischenprodukt?
Ein Smartphone mit eingebautem Gimbal ist keine völlig neue Idee. Schon 2019 experimentierte OnePlus mit einer ausfahrbaren, drehbaren Kamera im Concept One, ohne dass daraus je ein Serienprodukt wurde. HONOR treibt das Konzept nun deutlich weiter und positioniert das Robot Phone dabei fast schon als Konkurrenz zu externen Gimbal-Kameras wie der DJI Pocket 3, nur eben direkt im Gehäuse verbaut. Nach ersten Eindrücken internationaler Fachmedien wie Android Central gelingt HONOR dabei tatsächlich ein Gerät, das die Kategorie neu definiert.
Ob sich der Aufpreis gegenüber einem klassischen Flaggschiff für die meisten Käufer lohnt, ist eine andere Frage. Ein zusätzlicher beweglicher Mechanismus im Gehäuse bedeutet mehr Bauteile, die kaputtgehen können, und ein dickeres, schwereres Gerät im Alltag. Wer regelmäßig Vlogs dreht, Livestreams macht oder ARRI-Farbwissenschaft ohne Zusatzequipment nutzen will, bekommt hier ein einzigartiges Werkzeug.
Fazit
Mit dem HONOR Robot Phone bringt der Hersteller ein echtes Nischenprodukt auf den Markt, das technisch trotzdem beeindruckt: ein mechanischer 4DoF-Gimbal, waschechte ARRI-Farbwissenschaft und eine KI-Steuerung, die das Smartphone zum freihändigen Kamerateam macht. Für den deutschen Markt bleibt vorerst nur das Zuschauen, denn weder Preis noch Starttermin für Europa stehen fest. Spannend wird trotzdem, wie viel von der hier gezeigten Technik in die kommende Magic9-Serie einfließt, die HONOR und ARRI bereits als nächsten gemeinsamen Schritt angekündigt haben.