Hypertune: Neue Abo-Software will Gaming-PCs automatisch übertakten

Philipp Briel
Philipp Briel · 5 Min. Lesezeit
Hypertune
Bild: Hypertune

Hypertune ist eine neue Abo-Software des US-Unternehmens Compready, die CPU, GPU, RAM und Windows-Einstellungen automatisch für mehr Gaming-Performance optimiert. Intel unterstützt das Projekt mit seinem Extreme Tuning Utility (XTU), ist aber nicht offizieller Herausgeber. Das Abo kostet 9,99 US-Dollar im Monat oder rund 70 US-Dollar im ersten Jahr, beworben werden bis zu 60 Prozent mehr FPS. Unabhängige Benchmarks zeigen jedoch deutlich geringere Zuwächse zwischen 4 und 28 Prozent. Ein Teil davon stammt schlicht aus reduzierten Grafikeinstellungen, nicht aus echtem Overclocking.

Was ist Hypertune und wer steckt dahinter?

Hypertune ist eine automatisierte Tuning-Plattform für Gaming-PCs, die Hardware, Treiber und Windows-Konfiguration analysiert und passend zur jeweiligen Kombination aus Prozessor und Grafikkarte optimiert. Entwickelt wurde die Software von Compready, einem Unternehmen aus Miami, das sich selbst als „Gaming Performance Engineering“-Spezialist bezeichnet.

Technische Basis ist Intels Extreme Tuning Utility (XTU). Intel hat Compready laut mehreren Berichten mit eigenen Ingenieuren beim Aufbau der Software unterstützt, betreibt Hypertune aber nicht selbst. Ein offizielles Intel-Produkt ist es also nicht. Hinter dem Projekt steht außerdem Gründer Austin Copeland, der zuvor im Performance-Umfeld von TSMs Valorant-Programm gearbeitet hat, gemeinsam mit dem bekannten Overclocker Pieter „SkatterBencher“ Plaisier. Vor dem öffentlichen Launch soll die Software rund acht Monate lang mit etwa 60.000 Testern erprobt worden sein.

Funktionen: Was Hypertune am PC verändert

Die Software bündelt mehrere Optimierungsschritte, die sich sonst nur mit mehreren Einzeltools und etwas Erfahrung umsetzen lassen. Nach einer Analyse der verbauten Hardware passt Hypertune automatisch folgende Bereiche an:

Modul Was es macht
CPU-Tuning Automatisches Übertakten über Intels XTU-Unterbau, individuell geprüft je nach Chip
GPU-Tuning Anpassung von Speichertakt und Spannung der Grafikkarte
RAM-Optimierung Latenz-Tuning des Arbeitsspeichers
Windows & Netzwerk Anpassung von Systemeinstellungen und Netzwerkkonfiguration
Game Hub Spielspezifische Profile, unter anderem für CS2, Valorant, Battlefield 6, Fortnite, Rust und Overwatch
Hypertune
Bild: Hypertune

Alle Änderungen lassen sich laut Hersteller über Restore-Points rückgängig machen. Zusätzlich bringt die Software einfache System-Health- und Debloating-Werkzeuge mit und wirbt mit Kompatibilität zu gängigen Anti-Cheat-Systemen wie Riot Vanguard, Easy Anti-Cheat, BattlEye und Valves Anti-Cheat.

Was kostet Hypertune?

Anders als klassische Tuning-Tools ist Hypertune kein Einmalkauf, sondern ein Abonnement:

Modell Preis
Monatsabo 9,99 US-Dollar pro Monat
Jahresabo (Einführungspreis) 69,99 US-Dollar im ersten Jahr, danach laut mehreren Quellen bis zu 120 US-Dollar
Testphase 7 Tage kostenlos
Expert-Tuning-Session zusätzlich rund 80 US-Dollar

Die genauen Jahrespreise schwanken je nach Quelle etwas, im Kern bleibt aber klar: Hypertune ist ein laufendes Abo und kein Werkzeug, das man einmal kauft und dauerhaft besitzt.

Wie viel mehr FPS bringt Hypertune wirklich?

Compready wirbt mit Steigerungen von bis zu 60 Prozent mehr Bildern pro Sekunde, auf der eigenen Website sind Vorher-Nachher-Werte von etwa 130 auf über 210 FPS in Battlefield 6 zu sehen. In der Praxis zeigen unabhängig getestete Benchmarks jedoch deutlich niedrigere Werte: Je nach Hardware und Spiel bewegen sich reale Zuwächse zwischen rund 4 und 28 Prozent. Ein Teil dieser Verbesserung geht dabei nicht auf das Übertakten selbst zurück, sondern auf reduzierte Grafikeinstellungen im Game Hub.

Die beworbenen 60 Prozent dürften damit eher den bestmöglichen Einzelfall darstellen als einen realistischen Durchschnittswert. Solche Bestwerte tauchen in der Werbung von Tuning-Software regelmäßig auf, im Alltag erreicht sie kaum jemand.

Kritik: Lohnt sich das Abo?

Der wunde Punkt bei Hypertune ist weniger die Technik als das Geschäftsmodell. Die zugrunde liegenden Werkzeuge (Intels XTU, AMDs Precision Boost Overdrive oder MSI Afterburner) sind allesamt kostenlos erhältlich. Wer bereit ist, sich selbst etwas einzulesen, bekommt einen Großteil der Funktionen auch ohne Abo. Der Mehrwert von Hypertune liegt also vor allem in der Automatisierung für Nutzer, die sich das manuelle Tuning nicht zutrauen oder schlicht keine Lust darauf haben.

Dazu kommen zwei praktische Haken: Übertakten außerhalb der Werksspezifikation lässt bei Intel-Prozessoren die Herstellergarantie erlöschen, auch wenn dafür Intels eigenes XTU zum Einsatz kommt. Und die Angaben zur unterstützten Hardware sind uneinheitlich: Während die Website auch AMD-Unterstützung erwähnt, beschränkt sich die FAQ an anderer Stelle auf Intel-Prozessoren.

Für wen sich Hypertune eignet

Unterm Strich ist Hypertune vor allem für eine Zielgruppe interessant: Spieler, die ihren Gaming-PC optimieren wollen, ohne sich in BIOS-Menüs oder Tuning-Tools einzuarbeiten, und die ein laufendes Abo für diesen Komfort in Kauf nehmen. Wer stattdessen bereit ist, sich selbst mit Intel XTU, AMD PBO oder MSI Afterburner zu beschäftigen, erzielt ähnliche Resultate ohne monatliche Kosten.

Häufige Fragen zu Hypertune

Ist Hypertune sicher für die Hardware?

Laut Compready prüft die Software jede Komponente einzeln, bevor sie Änderungen vornimmt, und alle Anpassungen sollen sich rückgängig machen lassen. Ein Restrisiko bleibt beim Übertakten jedoch immer bestehen, und die Herstellergarantie kann dadurch erlöschen.

Funktioniert Hypertune auch mit AMD- und Nvidia-Hardware?

Die Angaben dazu sind uneinheitlich: Die Website nennt auch AMD-Unterstützung, die FAQ beschränkt sich an anderer Stelle auf Intel-Prozessoren. Wer AMD- oder reine Nvidia-Systeme betreibt, sollte das vor dem Kauf direkt beim Anbieter klären.

Was passiert nach der siebentägigen Testphase?

Nach Ablauf der kostenlosen Testphase wechselt das Abo automatisch in ein kostenpflichtiges Monats- oder Jahresmodell, sofern es nicht vorher gekündigt wird.

Lohnt sich Hypertune im Vergleich zu kostenlosen Tools?

Technisch bietet Hypertune wenig, was sich nicht auch mit kostenlosen Programmen wie Intel XTU, AMD PBO oder MSI Afterburner erreichen lässt. Bezahlt wird im Kern für die automatisierte Bedienung und die gebündelte Oberfläche, nicht für exklusive Technik.


Quellen: Hypertune (offizielle Website),