iCloudPhotoSync: Apple-Fotos automatisch aufs Synology NAS spiegeln

Simon Lüthje
Simon Lüthje · 6 Min. Lesezeit

Wer seine iPhone-Fotos auf einem Synology NAS spiegeln wollte, hatte bisher die Wahl zwischen Docker-Containern, Skripten mit icloudpd, Cronjobs oder einer ganzen VM. Cloud Sync spricht keine iCloud, und Synology Photos zieht die Fotos nur indirekt übers iPhone. Ein neues Community-Paket räumt damit auf: iCloudPhotoSync läuft als klassische DSM-7.2-App mit eigener Kachel, Oberfläche und Scheduler-Dienst – und holt die komplette iCloud-Fotomediathek direkt auf die DiskStation.

Was iCloudPhotoSync anders macht

Das Paket stammt von Entwickler Euphonique und ist seit dem 15. April 2026 auf GitHub verfügbar. Installiert wird es klassisch über eine .spk-Datei im Paketzentrum unter „Manuelle Installation“. Weil es sich um ein Community-Paket handelt, meldet sich DSM mit dem üblichen Hinweis auf nicht signierte Pakete – durchwinken, fertig.

Im Gegensatz zu Docker-basierten Lösungen fügt sich die App nativ in DSM ein. Sie nutzt die hauseigenen SYNO.ux-Komponenten, sieht also aus wie jede andere offizielle Synology-Erweiterung. Nach der Installation legt das Paket automatisch den Zielordner /volume1/iCloudPhotos an und erzeugt einen eigenen Systembenutzer iCloudPhotoSync, der ausschließlich Schreibrechte auf genau diesen Ordner bekommt. Root-Rechte sind nicht nötig.

Funktionsumfang im Detail

Beim Sync holt sich die App die komplette Mediathek inklusive eigener Alben. Pro Album lässt sich getrennt festlegen, ob es synchronisiert wird. Auch mehrere Apple-IDs sind möglich – jede mit eigenem Zielordner und eigenen Parametern. Das ist praktisch für Familien mit getrennten Accounts.

Die Synchronisation läuft inkrementell: Heruntergeladen werden nur neue oder geänderte Bilder, vorhandene Dateien überspringt die App. Taucht ein Foto sowohl im Fotostream als auch in einem Album auf, landet es dank Hardlinks nur einmal auf der Platte. Bei Mediatheken ab rund 1.000 Fotos zieht der Client parallel mehrere Ströme aus iCloud, damit das Ganze nicht ewig dauert – konfigurierbar auf 1, 2, 4 oder 8 gleichzeitige Downloads pro Account.

Ordnerstruktur und Dateinamen

Bei der Organisation lässt die App den Nutzer entscheiden. Zur Auswahl stehen reine Jahres-Ordner, Jahr-Monat, Jahr-Monat-Tag oder alles flach in einem Verzeichnis. Auch beim Dateinamen hat man die Wahl zwischen den originalen Apple-Namen oder datumsbasierten Varianten.

HEIC-Dateien können im Ursprungsformat bleiben, in JPG konvertiert werden oder beides parallel landen – bei Bedarf in getrennten Unterordnern. Gibt es Namenskonflikte, greift eine einfache Regel: überspringen, überschreiben oder umbenennen.

Zeitsteuerung und Scheduler

Pro Apple-ID lässt sich ein Sync-Intervall zwischen einer und 24 Stunden einstellen. Wer nicht warten will, startet den Abgleich manuell über einen Button im Interface. Der Scheduler hängt sich an die DSM-Paketverwaltung, läuft im Hintergrund weiter, übersteht Neustarts und wird sauber beendet, wenn das Paket gestoppt wird.

Anmeldung und Sicherheit

Bei der iCloud-Anmeldung hält sich iCloudPhotoSync an die offiziellen Apple-Vorgaben. Eingeloggt wird über die bestehende Apple-ID mit aktiver Zwei-Faktor-Authentifizierung. Die Bestätigung landet wie gewohnt auf iPhone, iPad oder Mac, optional per SMS. Die eigentliche Anmeldung läuft über SRP – dasselbe Protokoll, das auch die offiziellen Apple-Clients nutzen.

Die Session bleibt rund 60 Tage gültig und wird wiederverwendet. Ein tägliches Eingeben des 2FA-Codes entfällt damit. Läuft eine Sitzung ab, schickt DSM laut Entwickler rund 14 Tage vorher eine Benachrichtigung, damit der Sync nicht stumm stehen bleibt.

In puncto Datenschutz gibt der Entwickler an, dass das Apple-Passwort nur während des 2FA-Handshakes im Speicher gehalten und danach verworfen wird. Das vertrauenswürdige Session-Cookie liegt anschließend unter /var/packages/iCloudPhotoSync/var/accounts/ und ist nur für den Paket-Benutzer lesbar. Telemetrie gibt es keine, der Quellcode liegt unter MIT-Lizenz offen auf GitHub. Wer möchte, kann ihn selbst auditieren oder forken.

Technische Übersicht

Eigenschaft Details
Name iCloud Photo Sync (iCloudPhotoSync)
Entwickler Euphonique (GitHub)
Lizenz MIT
Version 1.0 (15. April 2026)
Voraussetzung Synology DSM 7.2 oder neuer
Architektur noarch (reines Python)
Installation Manuelle .spk-Installation über Paketzentrum
Sprachen Englisch, Deutsch
Laufzeit Eigener Systembenutzer, ohne Root

Was (noch) nicht funktioniert

Ganz rund ist die 1.0 nicht. Geteilte Alben tauchten laut ersten Berichten nicht immer in der Liste auf. Auch bei aktivierter Advanced Data Protection – also Apples Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für iCloud-Inhalte – dürfte die App an ihre Grenzen stoßen, weil Apple in diesem Modus keine Web-API-Zugriffe auf die verschlüsselten Fotos erlaubt. Ältere Synology-Modelle mit Kernel 3.x werden ebenfalls nicht unterstützt.

Auch wichtig: Die App spiegelt. Wer in der iCloud ein Foto löscht, sieht es beim nächsten Sync-Lauf nicht mehr in der Zielstruktur auf dem NAS – zumindest, wenn diese Option aktiv ist. Wer seine iCloud-Mediathek als echten Vorrats-Speicher nutzt, sollte zusätzlich über ein Versions-Backup via Synology Hyper Backup oder Snapshots nachdenken.

Installation Schritt für Schritt

Die Einrichtung folgt dem klassischen Schema:

  1. Aktuelle .spk-Datei aus den GitHub-Releases laden
  2. Im Paketzentrum unter „Manuelle Installation“ einspielen
  3. Warnung zu nicht signierten Paketen bestätigen
  4. Neue Kachel „iCloud Photo Sync“ im DSM-Hauptmenü öffnen
  5. Über „Add account“ Apple-ID hinterlegen und 2FA bestätigen
  6. Alben, Ordnerstruktur und Formate wählen, Sync startet automatisch

Der erste vollständige Abgleich einer großen Mediathek kann laut Entwickler mehrere Stunden dauern. Folge-Syncs laufen dann inkrementell und sind meist in Sekunden bis wenigen Minuten durch. Wer das Feature-Set seiner DiskStation ohnehin gerade ausbaut, findet in unserem Überblick zum externen Zugriff auf ein Synology NAS über eine eigene Domain eine sinnvolle Ergänzung.

Passende Hardware fürs Foto-Archiv

Eine iCloud-Mediathek mit mehreren tausend Fotos und Videos frisst Platz. Wer das NAS speziell dafür aufrüstet, sollte zu NAS-tauglichen Festplatten mit CMR greifen. Ein paar Empfehlungen:

Wie lange so eine Platte im Dauerbetrieb tatsächlich hält und worauf ihr beim Kauf achten solltet, haben wir im Ratgeber „Synology: Wie lange hält eine NAS-Festplatte?“ zusammengefasst.

Fazit

iCloudPhotoSync schließt eine Lücke, die Synology selbst seit Jahren offen lässt. Wer seine iCloud-Fotos lokal sichern will, bekommt hier erstmals eine native DSM-App ohne Docker-Gebastel, Cron-Jobs oder SSH-Experimente. Funktionsumfang, Multi-Account-Support, Hardlink-Deduplizierung und der saubere Scheduler machen das Paket zu einer sehr ernstzunehmenden Alternative zu iCloud Photos Downloader oder Parachute.

Ein paar Baustellen bleiben: geteilte Alben, ADP und die frische Community-Herkunft sind Punkte, die man im Hinterkopf behalten sollte. Trotzdem ist das Paket einen Versuch wert – besonders, wenn man ohnehin schon im Synology-Kosmos unterwegs ist. Ich würde empfehlen, in ein paar Wochen nochmal auf das GitHub-Repository zu schauen, ob neue Releases erschienen sind.