Kia PV7: Neuer E-Transporter mit 460 km Reichweite und 350 kW Laden

Simon Lüthje
Simon Lüthje · 5 Min. Lesezeit

Der Kia PV7 ist offiziell da: Auf der IAA Transportation 2026 in Hannover hat Kia seinen neuen Elektro-Transporter der Öffentlichkeit präsentiert. Der PV7 kommt als Cargo- und Passenger-Variante, bringt bis zu 460 km Reichweite nach WLTP mit, lädt mit bis zu 350 kW Gleichstrom und greift damit die etablierten Platzhirsche im Segment der leichten Nutzfahrzeuge frontal an. Ein Verkaufspreis steht noch nicht fest.

Was ist der Kia PV7?

Der PV7 ist das zweite Serienmodell in Kias PBV-Linie (Platform Beyond Vehicle) und folgt auf den bereits erhältlichen PV5. Gegenüber seinem kleinen Bruder wächst der PV7 deutlich: Die Langversion misst 5.350 mm in der Länge bei einem Radstand von 3.500 mm. Als Plattform dient die E-GMP.S-Architektur, die auch beim Kia EV6 zum Einsatz kommt – allerdings für den Nutzfahrzeugeinsatz überarbeitet. Das „Flexible Body System“ soll zudem verschiedene Aufbauvarianten und Sonderlösungen für unterschiedliche Branchen ermöglichen.

Kia versteht den PV7 dabei als mehr als nur ein Fahrzeug. Das Kia Business Solutions Portal bietet Fuhrparkbetreibern ein Flottenmanagement inklusive Ladungs- und Wartungsplanung sowie standardisierte Fleet-Management-System-Schnittstellen. Das kennen Firmenkunden bereits aus der PV5-Welt – beim PV7 soll das Ökosystem weiter ausgebaut werden.

Kia PV7 Cargo: Kastenwagen für schwere Lasten

Die Cargo-Version richtet sich vor allem an Handwerk, Logistik und Lieferdienste. Die Nutzlast gibt Kia mit bis zu 1.165 kg für die Langversion und bis zu 1.200 kg für die Kompaktvariante an. Eine niedrige Ladekante soll das Be- und Entladen im Alltag erleichtern und den Rücken des Fahrers schonen. Neben der Frontantriebsvariante soll später auch ein Allradmodell folgen, Details dazu nennt Kia noch nicht.

Im Innenraum stehen je nach Markt zwei oder drei Sitzplätze zur Wahl. Moderne Assistenzsysteme wie Spurhalteunterstützung, adaptiver Tempomat und Einparkhilfe sind an Bord. Das neue Infotainmentsystem Pleos Connect basiert auf Android Automotive OS mit integrierter Gleo-KI – ein direkter Schritt hin zu einem vernetzten, digitalen Arbeitsgerät. Interessant für gewerbliche Nutzer ist auch die V2L-Funktion (Vehicle-to-Load): Der PV7 kann externe Verbraucher wie Elektrowerkzeug direkt aus der Fahrzeugbatterie speisen – ähnlich wie portable Powerstations es auf kleinerem Niveau tun.

Kia PV7 Passenger: Sieben bis neun Sitzplätze

Die Passagierversion des PV7 bietet Konfigurationen mit fünf, sieben oder neun Sitzen. Besonders praktisch: Die 7-Sitzer-Variante verfügt über das sogenannte „Long Rail Easy Remove Seat System“, mit dem die hinteren Sitze über ein Schienensystem schnell verschoben oder entfernt werden können. Das macht den PV7 Passenger zum flexiblen Shuttle- oder Familienmobil, das sich je nach Bedarf schnell in einen Laderaum verwandeln lässt. In Kombination mit der CarPlay- und Android-Auto-Konnektivität moderner Fahrzeuge, wie sie etwa Nachrüstlösungen von Ottocast für ältere Autos nachrüsten, setzt Kia hier auf ein vollständig digitales Cockpit ohne Kompromisse.

800-Volt-Architektur: 350 kW und ~25 Minuten von 10 auf 80 %

Technisch setzt Kia beim PV7 auf eine 800-Volt-Architektur – ein Merkmal, das bisher vor allem bei PKW-Modellen wie dem EV6 bekannt ist und nun in einem Nutzfahrzeug landet. Damit lässt sich der PV7 mit bis zu 350 kW Gleichstrom laden, was den Ladestand von 10 auf 80 Prozent in rund 25 Minuten ermöglicht. Für Flottenfahrzeuge, die täglich hohe Kilometerleistungen erbringen müssen, ist das ein relevanter Vorteil gegenüber langsameren 400-Volt-Systemen.

Neu im Kia-Universum ist die optionale doppelte Ladeschnittstelle: Vorne befindet sich ein kombinierter AC/DC-Anschluss, an der Seite hinten lässt sich optional ein zusätzlicher AC-Ladeanschluss verbauen. Das erlaubt das gleichzeitige Laden in Depots mit AC-Infrastruktur, ohne auf Schnellladefähigkeit verzichten zu müssen.

Technische Daten: Kia PV7 im Überblick

Eigenschaft PV7 Passenger Long (9-Sitze) PV7 Cargo Long (3-Sitze)
Batteriekapazität 71,5 kWh / 96,2 kWh 71,5 kWh / 96,2 kWh
Reichweite (WLTP) k. A. bis zu 460 km (96,2 kWh)
Länge 5.350 mm 5.350 mm
Breite 1.995 mm 1.995 mm
Höhe 1.990 mm 1.990 mm
Radstand 3.500 mm 3.500 mm
Antrieb Frontantrieb (AWD folgt) Frontantrieb (AWD folgt)
Leistung (max.) 200 kW 200 kW
Drehmoment (max.) 420 Nm 420 Nm
Max. Nutzlast – bis zu 1.165 kg (Long)
Ladeinfrastruktur 800 V, bis zu 350 kW DC, V2L, dual Ladeanschluss
Sitzplätze 5, 7 oder 9 2 oder 3
Infotainment Pleos Connect (Android Automotive OS, Gleo AI)

Preis und Verfügbarkeit

Konkrete Preise hat Kia zur Weltpremiere auf der IAA Transportation 2026 nicht kommuniziert. Der Marktstart in Südkorea und Europa ist für 2027 geplant, weitere Märkte sollen folgen. Australien ist für Q4 2027 bestätigt. Interessenten sollten die offizielle Kia-Website im Blick behalten, sobald Preise und Konfigurationsmöglichkeiten veröffentlicht werden.

Fazit: Der Kia PV7 setzt den richtigen Ton

Der Kia PV7 ist ein überzeugender nächster Schritt in Kias Nutzfahrzeugstrategie. Die Kombination aus 800-Volt-Laden, bis zu 460 km Reichweite, V2L-Funktion und einem flexiblen Aufbaukonzept adressiert genau das, was Fuhrparkbetreiber und Handwerksbetriebe brauchen. Das vollständig auf Android Automotive OS basierende Infotainment und das optionale Flottenmanagement-Portal heben den PV7 von klassischen Transporter-Konzepten ab.

Ohne Preis bleibt allerdings eine entscheidende Frage offen: Kann Kia den PV7 wettbewerbsfähig positionieren? Der Markt für elektrische Transporter wird 2027 durch etablierte Anbieter wie den Ford E-Transit Custom und den VW e-Transporter bereits gut besetzt sein. Wenn Kia die Preisgestaltung richtig trifft, könnte der PV7 ein ernsthafter Herausforderer werden.