Die GEMA hat mit klang.io aus Karlsruhe den ersten Lizenzvertrag für ihr neues Datenpaket PLAI by GEMA unterschrieben. Das Unternehmen erhält damit rechtlich freigegebene Musikdaten für das Training seiner KI-Software, während die beteiligten Rechteinhaber dafür bezahlt werden. Laut GEMA ist es die erste Vereinbarung dieser Art in Europa.
Kurz zusammengefasst:
- klang.io ist die erste KI-Firma mit einer Lizenz für PLAI by GEMA.
- Der Datensatz umfasst rund 178.000 Soundfiles aus über 57.000 Musikwerken, Rechte inklusive.
- Der Deal folgt kurz auf den GEMA-Sieg gegen den KI-Musikgenerator Suno vor dem Landgericht München am 31. Juli 2026.
- klang.io nutzt die Daten für KI-gestützte Notenerkennung, nicht für die Erzeugung neuer Songs.
Was ist PLAI by GEMA?
PLAI by GEMA ist ein Musikdatensatz, den die Verwertungsgesellschaft zusammen mit fünf Musikverlagen aufgebaut hat: Bailer Music Publishing, Earmotion Audio Creation, Intervox Production Music, Music Sculptor und Sonoton Music. Er umfasst rund 178.000 Soundfiles aus mehr als 57.000 Musikwerken und über 60 Genres, jeweils mit Metadaten zu Tempo, Tonart, Stimmung und Zielgruppe.
Der Unterschied zu klassischen KI-Trainingsdaten liegt in den Rechten: Bei PLAI sind Urheber- und Masterrechte von Anfang an geklärt. KI-Firmen müssen sich Nutzungsrechte also nicht mehr selbst zusammensuchen oder, wie es beim Web-Scraping häufig passiert, gar nicht erst einholen. Wer Material beisteuert, wird laut GEMA anteilig und angemessen vergütet.

GEMA-Vorstand Thomas Theune beschreibt das Ziel so: „Mit PLAI by GEMA machen wir Musikinhalte für das Training von KI-Tools so einfach zugänglich wie nie zuvor.“ Der Datensatz richtet sich an KI-Tools, die Musikschaffende unterstützen, etwa bei Transkription oder Produktion, nicht an Generatoren, die selbst neue Songs komponieren.
klang.io: Notenerkennung statt Musikgenerierung
Das 2018 von Sebastian Murgul und Alexander Lüngen gegründete Unternehmen entwickelt Software, die Musik aus Aufnahmen oder Live-Performances in Noten umwandelt. Für genau solche unterstützenden Transkriptionswerkzeuge ist PLAI gedacht, was klang.io zu einem naheliegenden ersten Lizenznehmer macht.
klang.io-CEO Sebastian Murgul erklärt den Schritt so: „Unsere Kunden und wir selbst sind Teil der Musikbranche. Deshalb ist Fairness und Rechtssicherheit für uns ein großes Thema. Mit dem GEMA Musikdatensatz haben wir die Lösung gefunden, auf die wir gewartet haben: rechtlich vollständig geklärte Trainingsdaten, bei denen wirklich alle Rechte abgedeckt sind. Das gibt uns die Sicherheit, unsere KI-Tools auf solidem Fundament weiterzuentwickeln.“
In der englischsprachigen Pressemitteilung zieht Murgul zusätzlich einen Vergleich zur Musikindustrie der frühen 2000er-Jahre. Sein Punkt: 2003 reagierte die Branche auf Musikpiraterie vor allem mit Klagen, während Apple mit dem iTunes Store zeigte, dass ein einfacher legaler Weg oft wirksamer ist. PLAI soll aus seiner Sicht genau das für KI-Training leisten.
Der Hintergrund: GEMA gewinnt gegen Suno
Die Lizenz kommt keine zwei Wochen nach einem für die GEMA zentralen Gerichtsurteil. Am 31. Juli 2026 entschied das Landgericht München, dass der KI-Musikgenerator Suno mit dem unlizenzierten Training an Songs wie „Atemlos“, „Mambo No. 5“ und „Rasputin“ gegen deutsches und US-amerikanisches Urheberrecht verstoßen hat. Das Gericht stellte klar, dass die Lizenzpflicht für deutsche Werke auch bestehen bleibt, wenn das Training in den USA stattfindet.
GEMA-Chef Tobias Holzmüller sagte nach dem Urteil, menschliche Kreativität sei die Grundlage jeder generativen KI, und Anbieter dürften sich nicht kostenlos an geschützten Werken bedienen. PLAI ist damit auch ein Angebot an alle, die keinen Rechtsstreit wollen: lizenzieren statt klagen lassen.
Was das für die Branche bedeutet
Für Musikschaffende ist PLAI vor allem eine zusätzliche Einnahmequelle für bereits produziertes Material. Für KI-Entwickler bedeutet es Rechtssicherheit und Zugang zu Daten, die Scraping nicht liefert, etwa einzelne Stems oder DAW-Projektdateien. Wie sich das preislich gestaltet, verrät die GEMA nicht. Die Konditionen werden offenbar von Fall zu Fall verhandelt.
Für generative Musik-KI ändert PLAI zunächst wenig, da der Datensatz ausdrücklich auf unterstützende Tools zugeschnitten ist. Ob und wie die GEMA ein ähnliches Modell für Musikgeneratoren anbieten wird, ist offen. Bei anderen KI-Themen mit rechtlichem Regelungsbedarf zeigt sich unterdessen ein ähnliches Muster: Bei der KI-Kennzeichnungspflicht 2026 entstehen klare Regeln gerade erst, während die Technik selbst längst im Einsatz ist. Auch bei generativer Musik-KI wie Googles Lyria 3 Pro dürfte die Frage nach Trainingsdaten und Lizenzen in den kommenden Monaten lauter werden.
Weitere Informationen zu PLAI by GEMA gibt es direkt bei der GEMA, mehr zum Unternehmen bei klang.io.
