LG hat sich jetzt offiziell zu den Spionage-Vorwürfen gegen seine WebOS-Fernseher geäußert, über die wir vergangene Woche ausführlich berichtet haben. Der Hersteller bestätigt dabei zwei zentrale Punkte aus der Gamers-Nexus-Recherche: LG-Fernseher scannen tatsächlich das Heimnetzwerk nach anderen Geräten, und sie lauschen im Standby-Betrieb auf das Aktivierungswort der Sprachsteuerung. Eine heimliche Aufzeichnung ganzer Gespräche im Wohnzimmer bestreitet LG dagegen ausdrücklich.
Kurz zusammengefasst:
- LG hat auf die Vorwürfe des YouTube-Kanals Gamers Nexus reagiert und räumt zwei der kritisierten Funktionen ein.
- Bestätigt: Netzwerk-Scanning nach anderen Geräten im Haushalt sowie Mithören auf das Aktivierungswort im Standby, wenn die Sprachsteuerung aktiv ist.
- Bestritten: eine dauerhafte Aufzeichnung von Umgebungsgesprächen. Nicht erkanntes Audiomaterial werde laut LG sofort und lokal gelöscht.
- Offen bleibt, ob die gemeldeten WebOS-Sicherheitslücken inzwischen geschlossen wurden und ob Geräte in der EU identisch konfiguriert sind wie die in den USA getesteten Modelle.
- ACR (Live Plus) bleibt laut LG opt-in, lässt sich also weiterhin manuell deaktivieren.
Die Vorgeschichte: Was Gamers Nexus vorgeworfen hatte
Die Recherche des Hardware-Kanals Gamers Nexus, unterstützt von Level1Techs und unabhängigen Sicherheitsforschern, hatte LG schwer belastet: Mehrere OLED-Modelle sollen auch im Standby Umgebungsgeräusche über das eingebaute Mikrofon aufgenommen und bei fehlender Internetverbindung lokal zwischengespeichert haben, bis wieder eine Verbindung bestand. Zusätzlich sollen die Fernseher kontinuierlich das Heimnetzwerk nach fremden Geräten durchsucht und WLAN-Namen sowie Signalstärken erfasst haben. Alle Details dazu und die Hintergründe zur Automatic Content Recognition (ACR) haben wir in unserem ersten Artikel zum Thema zusammengefasst.
Das sagt LG jetzt offiziell zu den Vorwürfen
Nach tagelangem Schweigen hat sich LG nun mit einer ausführlicheren Stellungnahme gemeldet:
Aktuelle Medienberichte haben Fragen dazu aufgeworfen, wie LG Smart TVs funktionieren und welche Datenschutzoptionen Nutzerinnen und Nutzern zur Verfügung stehen. LG möchte hierzu transparent informieren und erläutern, wie unsere Smart TVs arbeiten und wie wir den Schutz der Privatsphäre unserer Nutzer sicherstellen.
LG Smart TVs zeichnen Gespräche von Nutzern nicht fortlaufend auf und übertragen sie auch nicht kontinuierlich. Die Sprach-zu-Text-Verarbeitung beginnt erst, wenn Nutzer die Sprachsteuerung über ein unterstütztes Aktivierungswort oder durch Drücken der Sprach- beziehungsweise KI-Taste auf der Fernbedienung aktivieren. Audiodaten zur Erkennung des Aktivierungsworts werden lokal auf dem Fernsehgerät verarbeitet. Wird kein Aktivierungswort erkannt, werden sie weder in Text umgewandelt noch gespeichert oder übertragen. Im Rahmen der Verarbeitung eines Sprachbefehls können Ergebnisse der Spracherkennung sowie zugehörige technische Protokolldaten entstehen. Diese Daten beziehen sich ausschließlich auf konkrete Sprachinteraktionen und bedeuten nicht, dass Gespräche außerhalb einer aktiven Spracherkennungssitzung fortlaufend aufgezeichnet werden.
Ergebnisse der Spracherkennung können zur Unterstützung sprachbasierter Funktionen verwendet werden. Sie werden jedoch nicht nachträglich hochgeladen, wenn das Fernsehgerät offline ist oder die Internetverbindung später wiederhergestellt wird.
Funktionen wie die automatische Inhaltserkennung (Automatic Content Recognition, ACR), Spracherkennung und interessenbasierte Werbung sind optional. Sie sind nicht standardmäßig aktiviert. Nutzer können selbst entscheiden, ob sie diese Funktionen aktivieren möchten, und ihre Einwilligung über die TV-Einstellungen verwalten oder widerrufen.
Was LG bestätigt
Zwei der kritisierten Funktionen gibt LG unumwunden zu. Die Geräte scannen tatsächlich das lokale Netzwerk nach anderen Geräten, das räumt LG offen ein. Der Hersteller nennt das aber schlicht eine „Standardfunktion“, wie sie praktisch jedes Smart-TV und Smart-Home-Gerät zur Kopplung und für Funktionen wie Screen-Mirroring mitbringt. Und: Wer die Fernfeld-Spracherkennung per „Hi LG“ aktiviert hat, dessen Fernseher hört auch im Standby permanent auf das Aktivierungswort mit. LG betont dabei, dass diese Verarbeitung ausschließlich lokal auf dem Gerät passiert und nicht erkanntes Audiomaterial sofort gelöscht wird, statt an LG-Server zu wandern.
Was LG bestreitet
Eine dauerhafte, anlasslose Aufzeichnung von Gesprächen im Raum weist LG klar zurück. Sprachdaten würden ausschließlich verarbeitet, wenn Nutzer aktiv die Mikrofontaste der Fernbedienung drücken oder die „Hi LG“-Aktivierung selbst eingeschaltet haben. Auch bei der Automatic Content Recognition (ACR) betont LG, dass die Funktion weiterhin auf Opt-in-Basis läuft: Ohne explizite Zustimmung sammle das System keine Daten für personalisierte Empfehlungen oder Werbung.
| Vorwurf | Gamers Nexus behauptete | LGs Stellungnahme |
|---|---|---|
| Mikrofon-Aufnahmen | Aufzeichnung von Umgebungsgeräuschen auch im Standby | Bestritten (Verarbeitung nur bei Tastendruck oder aktivem „Hi LG“) |
| Mithören auf Aktivierungswort | Ständiges Mithören im Hintergrund | Bestätigt, aber nur lokal und bei aktivierter Sprachsteuerung |
| Netzwerk-Scan | Erfassung aller Geräte, WLANs und Standortdaten im Haushalt | Bestätigt, als „Standard-Smart-Home-Funktion“ eingeordnet |
| ACR / Live Plus | Tracking von Seh- und Nutzungsverhalten | Bestätigt, aber laut LG weiterhin Opt-in |
Was die Stellungnahme offen lässt
Trotz der ausführlicheren Antwort bleiben einige der brisantesten Punkte aus der Gamers-Nexus-Recherche unkommentiert. LG äußert sich weder zu den angeblich im Klartext gespeicherten Sprach-Transkripten noch zu den von Sicherheitsforschern gemeldeten Schwachstellen in WebOS, über die sich das Mikrofon theoretisch auch ohne Nutzeraktion missbrauchen ließe. Ebenfalls unklar bleibt, ob Geräte in Europa und Deutschland technisch identisch konfiguriert sind wie die in den USA untersuchten Modelle. Für deutsche Besitzer eines LG-Fernsehers ist das eine durchaus relevante Frage.
So schützt ihr euch trotzdem
Wer die Datensammlung unabhängig von LGs Stellungnahme einschränken möchte, sollte auf ein paar Kleinigkeiten achten. Sicherheitsexperten empfehlen grundsätzlich, nicht benötigte Smart-TV-Funktionen zu deaktivieren und die Internetverbindung des Fernsehers nach Möglichkeit über ein separates Gäste- oder IoT-Netzwerk zu isolieren, statt sie mit dem Hauptnetzwerk zu teilen. Konkret für Besitzer eines LG-Fernsehers bieten sich außerdem diese Schritte an:
- Die Sprachsteuerung komplett in den Systemeinstellungen abschalten, statt sie nur per Fernbedienung stummzuschalten.
- ACR über „System“ → „Erweiterte Einstellungen“ → „Live Plus“ deaktivieren.
- Firmware-Updates zeitnah einspielen, sobald LG etwaige WebOS-Lücken schließt.
Fazit
Mit der aktuellen Stellungnahme räumt LG erstmals konkret ein, was Gamers Nexus dem Hersteller vorgeworfen hatte, wenn auch in deutlich abgeschwächter Form: Netzwerk-Scanning und Standby-Mithören sind demnach real, sollen aber ausschließlich lokal und im Rahmen aktivierter Funktionen ablaufen. Ob das reicht, um die Spionage-Vorwürfe gegen die LG Smart-TVs vollständig auszuräumen, bleibt fraglich, solange zentrale Fragen zu Sicherheitslücken und der Situation in Europa unbeantwortet sind. Wer sich für die aktuelle TV-Generation von LG abseits der Debatte interessiert, findet in unserem Bericht zu LGs Auszeichnungen auf der IFA 2026 weitere Hintergründe zum OLED-Line-up.
