LG und NVIDIA: Neue Robotik-Kooperation für Physical AI

Philipp Briel
Philipp Briel · 5 Min. Lesezeit
LG und NVIDIA
Bild: LG und NVIDIA

LG und NVIDIA vertiefen ihre Robotik-Kooperation. In der neuen Data Factory am LG-Forschungscampus in Seoul sollen bis Ende 2026 rund 100.000 Stunden an Trainingsdaten für Roboter zusammenkommen. Damit will LG seine Physical-AI-Strategie beschleunigen und den Sprung vom Industrieroboter zum Haushaltsroboter schaffen.

Nach der gemeinsamen Absichtserklärung vom 13. August 2026 in Santa Clara trafen sich Führungskräfte von LG und NVIDIA nun in Seoul, um die nächsten Schritte festzuzurren. Ganz neu ist die Zusammenarbeit der beiden Konzerne allerdings nicht: Schon im Juni hatten NVIDIA und die LG Group eine deutlich breitere Kooperation rund um eine gemeinsame AI Factory angekündigt, die neben Robotik auch autonomes Fahren und KI-Infrastruktur umfasst. Die aktuelle Vereinbarung ist im Grunde das Robotik-Kapitel daraus, jetzt mit einem konkreten Fahrplan.

Kurz zusammengefasst:

  • LG und NVIDIA vertiefen ihre Robotik-Kooperation über die Data Factory am LG-Forschungscampus in Seoul.
  • Bis Ende 2026 sollen dort 100.000 Stunden reale und synthetische Trainingsdaten für Roboter entstehen.
  • Genutzt werden NVIDIA Omniverse, Cosmos und Isaac (inklusive GR00T) für Simulation und Robotersteuerung.
  • Die Daten fließen in LGs Robot Foundation Model und den Haushaltsroboter CLOiD ein.
  • LG hat im Juli 2026 ein eigenes Robotics Business Center gegründet und will vom Industrie- bis zum Haushaltsroboter breiter aufgestellt sein.

Was ist die LG Data Factory in Seoul?

Die Data Factory liegt auf dem LG-Forschungscampus in Yangjae, Seoul, und erstreckt sich über vier Stockwerke mit insgesamt rund 10.000 Quadratmetern Fläche. Dort trainieren LGs CLOiD-Haushaltsroboter unter möglichst realitätsnahen Bedingungen: Es gibt einen nachgebauten Haushalt für Reinigungsaufgaben, eine Fertigungssimulation nach Vorbild von LGs Waschmaschinenwerk in Tennessee sowie einen Bereich für Logistikautomatisierung, den LG CNS beisteuert. LG Innotek bringt zusätzlich einen eigenen Trainingsbereich für Robotergreifer ein.

LG und NVIDIA
Bild: LG und NVIDIA

Bis Jahresende sollen dort mehrere hundert Roboter im Einsatz sein und gemeinsam auf rund 100.000 Stunden an realen und synthetisch erzeugten Trainingsdaten kommen. Nach LG-Angaben entspricht das umgerechnet etwa zwölf Jahren gesammelter Erfahrung, eine beeindruckende Zahl, auch wenn unklar bleibt, wie genau sich Trainingsstunden in echte Erfahrung übersetzen lassen. Klar ist: Es entsteht ein Kreislauf. Roboter sammeln Daten aus echten Einsätzen, die Daten werden aufbereitet und um synthetische Szenarien ergänzt, und beides fließt zurück ins Training der nächsten Robotergeneration.

Diese NVIDIA-Technologien stecken dahinter

Für Training und Simulation greift LG auf mehrere Bausteine aus dem NVIDIA-Robotik-Stack zurück. Die folgende Tabelle zeigt, wofür die einzelnen Plattformen jeweils zum Einsatz kommen:

NVIDIA-Technologie Einsatzzweck bei LG
NVIDIA Omniverse Simulation und digitale Zwillinge der Trainingsumgebungen
NVIDIA Cosmos Generierung synthetischer Trainingsdaten (World Models)
NVIDIA Isaac (Sim, Lab, GR00T) Entwicklungsplattform für Robotersteuerung und humanoide Basismodelle

Diese Werkzeuge sollen es LG erlauben, Roboter nicht nur in der realen Data Factory, sondern parallel auch in großem Maßstab in der Simulation zu trainieren, deutlich schneller und günstiger, als es allein mit physischen Testläufen möglich wäre.

CLOiD und das Robot Foundation Model

Im Zentrum der Data Factory steht LGs eigener Haushaltsroboter CLOiD, den das Unternehmen bereits auf der CES 2026 vorgestellt hatte. Die dort gesammelten Daten fließen direkt in die Weiterentwicklung von LGs Robot Foundation Model (RFM) ein, einem Basismodell, das laut LG die Fähigkeiten humanoider Roboter verbessern soll. Die Idee dahinter ähnelt einem großen Sprachmodell, nur lernt das System hier Bewegungsabläufe statt Wörter. Berichten zufolge peilt LG für einen ersten bipedalen humanoiden Roboter das erste Quartal 2027 an, offiziell bestätigt ist dieser Termin bislang aber nicht.

Vom Industrieroboter zum Haushaltsroboter: LGs Robotik-Offensive 2026

LG erklärt 2026 zum Ausgangspunkt seiner Robotik-Offensive. Aufbauend auf jahrzehntelanger Erfahrung in Fertigung und Logistik will der Konzern sein Portfolio von Industrie- und Servicerobotern nun gezielt um Haushaltsroboter erweitern. Saug- und Mähroboter gehören in vielen Haushalten längst zum Alltag, wie zuletzt etwa der Poolroboter Beatbot Sora 70 oder der Gartenroboter Yarbo im Test gezeigt haben. Anders als diese spezialisierten Geräte soll CLOiD ein vielseitiger Assistent für verschiedene Haushaltsaufgaben sein, so zumindest der Plan.

Auf der Industrieseite ist der Trend zu stärker vernetzten, KI-gestützten Robotern ebenfalls längst angekommen. Logistikroboter setzen zunehmend auf präzise Sensorik, etwa wenn BALYO für seine Lagerroboter auf ein digitales Lidar-System von Ouster setzt. Genau in diesem Umfeld will sich auch LG mit seiner Robotik-Sparte breiter aufstellen.

Organisatorisch hat LG dafür im Juli 2026 ein eigenes Robotics Business Center eingerichtet, das direkt an den CEO berichtet und die unternehmensweite Robotik-Strategie bündelt, von einzelnen Komponenten wie Aktuatoren bis zu kompletten Hardware- und Softwarelösungen.

Einordnung: Wettlauf um Physical AI

LG steht mit seinen Robotik-Ambitionen nicht allein da. Auch Samsung und die SK Group treiben in Südkorea eigene Physical-AI-Programme voran, während NVIDIA mit Isaac und GR00T branchenübergreifend zum bevorzugten Infrastrukturpartner für humanoide und mobile Roboter wird. LG-Electronics-CEO Lyu Jae-cheol brachte die Strategie so auf den Punkt: „Durch die Synergie, die wir unter dem Motto ‚One LG‘ bündeln, und durch strategische Partnerschaften mit globalen Partnern werden wir unsere Wettbewerbsfähigkeit im Bereich Physical AI sichern.“

Fazit

Mit der LG-NVIDIA-Kooperation und der Data Factory in Seoul schafft LG die Dateninfrastruktur, die für konkurrenzfähige Physical-AI-Produkte nötig ist. Ob daraus bis 2027 tatsächlich ein marktreifer humanoider Roboter wird, bleibt abzuwarten. Der Fahrplan mit 100.000 Trainingsstunden bis Jahresende und einem eigenen Robotics Business Center zeigt aber, dass LG das Thema Robotik inzwischen mit ähnlichem Nachdruck verfolgt wie sein Kerngeschäft aus Haushaltsgeräten und Unterhaltungselektronik.