Seit dem 1. April 2026 gelten in Deutschland neue Regeln an der Zapfsäule. Tankstellen dürfen die Preise für Benzin und Diesel ab sofort nur noch einmal am Tag erhöhen – und zwar um 12 Uhr mittags. Preissenkungen sind dagegen weiterhin jederzeit erlaubt. Die Bundesregierung reagiert damit auf die stark gestiegenen Spritpreise infolge des Iran-Kriegs und orientiert sich dabei am österreichischen Modell.
Was die neue Tankregel konkret bedeutet
Die Kernregelung ist simpel: Preiserhöhungen an Tankstellen sind nur noch einmal pro Tag zulässig, und zwar exakt um 12 Uhr mittags. Danach dürfen die Preise im Tagesverlauf nur noch sinken. Verstöße gegen diese Vorgabe können mit Bußgeldern von bis zu 100.000 Euro geahndet werden. Bisher waren im Schnitt rund 20 Preisänderungen pro Tankstelle und Tag üblich, in Spitzenzeiten sogar bis zu 50 – das hatte Preisvergleichs-Apps zunehmend nutzlos gemacht.
Zusätzlich zur Preisregel erhält das Bundeskartellamt erweiterte Befugnisse, um gegen überhöhte Kraftstoffpreise vorzugehen. Unter anderem soll eine Umkehr der Beweislast gelten: Mineralölkonzerne müssen künftig nachweisen, dass ihre Preiserhöhungen sachlich gerechtfertigt sind.
Erster Tag: Konzerne reagieren mit kräftiger Erhöhung
Gleich am ersten Tag der neuen Regelung nutzten die Mineralölkonzerne das Zeitfenster voll aus. Laut ADAC stieg der Preis für einen Liter Super E10 im bundesweiten Schnitt um 7,6 Cent auf 2,175 Euro – und zwar in den Minuten direkt nach 12 Uhr. Diesel kletterte um 7,5 Cent auf durchschnittlich 2,376 Euro. Diese Werte lagen sogar deutlich über den morgendlichen Höchstpreisen des Vortags.
Wann sollte man jetzt am besten tanken?
Die bisher geltende Faustregel „nach Feierabend tanken“ ist mit der neuen Regelung hinfällig. Da Preise nach 12 Uhr nur noch sinken dürfen, dürfte der günstigste Zeitpunkt zum Tanken künftig am späten Nachmittag oder Abend liegen – also kurz bevor am nächsten Mittag wieder erhöht werden darf. Erfahrungswerte aus Österreich zeigen allerdings, dass der günstigste Moment oft kurz vor 12 Uhr liegt, also unmittelbar vor der nächsten Erhöhung.
Der ADAC empfiehlt, in den ersten Tagen die Preise an den eigenen Stammtankstellen genau zu beobachten, um neue Muster zu erkennen. Preisvergleichs-Apps wie ADAC Spritpreise oder die Markttransparenzstelle-basierte App „Tankerkönig“ dürften nun wieder zuverlässiger funktionieren, da sich der Preis über Stunden nicht mehr spontan nach oben bewegen kann.
Führt die Tankregel wirklich zu niedrigeren Preisen?
Darüber sind sich Experten uneins. Die Vorständin des Verbraucherzentrale-Bundesverbands, Ramona Pop, äußerte sich skeptisch und verwies auf die Erfahrungen in Österreich: Dort seien die Preise nach Einführung einer vergleichbaren Regel zunächst gesunken, hätten sich aber schnell wieder auf dem alten Niveau eingependelt. Auch der ADAC bezweifelt, dass das Gesetz das Preisniveau insgesamt senkt – erwartet werden vor allem Veränderungen im Tagesverlauf der Preise.
Kartellamt-Präsident Andreas Mundt sieht den Vorteil vor allem in weniger Preisschwankungen und einer besseren Vergleichbarkeit. Der Tankstellenverband (TIV) begrüßt die Regelung grundsätzlich, warnt aber: Entscheidend sei, ob die Mineralölkonzerne den Preiswettbewerb nach 12 Uhr tatsächlich aufnehmen. Bleibe der aus, sei der Markt dysfunktional.
Hintergrund: Warum die Spritpreise so stark gestiegen sind
Der Auslöser für die neue Gesetzgebung sind die massiv gestiegenen Kraftstoffpreise seit Beginn des Iran-Kriegs. Besonders die Lage an der Straße von Hormus – durch die rund ein Fünftel der weltweiten Öltransporte fließt – sorgt für Unsicherheit an den Rohstoffmärkten. Diesel kostete zuletzt im Tagesdurchschnitt rund 2,30 Euro pro Liter, Super E10 lag bei etwa 2,09 Euro. Zum Vergleich: Vor einem Monat waren es noch 1,74 Euro für Diesel und 1,77 Euro für Super E10.
Weitere Maßnahmen der Bundesregierung
Das Spritpreispaket geht über die Tankregel hinaus. Die schwarz-rote Koalition prüft unter anderem eine temporäre Anhebung der Pendlerpauschale, eine befristete Senkung der Energiesteuer, eine Senkung der Stromsteuer sowie die Einführung eines Spritpreisdeckels. Auch eine sogenannte „Übergewinnsteuer“ für kriegsbedingte Profite von Mineralölkonzernen wird diskutiert. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat zudem angekündigt, die Umsetzung der neuen Regelung eng zu begleiten.
Fazit: Neue Tankregel bringt mehr Transparenz, aber nicht zwingend günstigere Preise
Die neue Tankregel ist ein deutlicher Eingriff in den Markt und sorgt zumindest für mehr Verlässlichkeit und Transparenz an der Zapfsäule. Ob sie langfristig zu niedrigeren Spritpreisen führt, bleibt abzuwarten. Autofahrer sollten in den kommenden Wochen ihre Tankgewohnheiten anpassen und den besten Zeitpunkt zum Tanken in ihrer Region beobachten. Der Blick in eine Preisvergleichs-App lohnt sich jetzt mehr denn je.
