Nintendo als letzte Bastion physischer Spiele? Analyst äußert sich

Jens Scharfenberg
Jens Scharfenberg · 3 Min. Lesezeit
Nintendo Switch 2 in allen drei Spielmodi: TV-Modus, Tisch-Modus und Handheld-Modus

Nur wenige Tage nach Sonys Ankündigung, ab 2028 keine physischen PS5-Discs mehr zu produzieren, richtet sich der Blick der Branche auf die Konkurrenz. Laut Circana-Analyst Mat Piscatella könnte Nintendo der letzte große Konsolenhersteller bleiben, der noch auf physische Spiele setzt – zumindest für die restliche Lebensdauer der Switch 2.

Sonys Disc-Aus setzt die Branche unter Zugzwang

Wie Notebookcheck berichtet, äußerte sich Piscatella im Gespräch mit dem britischen Portal VGC zu Sonys Entscheidung. Er verweist auf einen langjährigen Trend: Die Verkäufe neuer physischer Videospiele seien seit den späten 2000er-Jahren jedes Jahr zurückgegangen. Der US-Markt für physische Spiele habe zuletzt zwar dank der Nintendo Switch 2 ein leichtes Plus verzeichnet, das werde aber nicht von Dauer sein.

Besonders bemerkenswert: Piscatella hält es für so gut wie sicher, dass sowohl die kommende PlayStation 6 als auch Microsofts Project Helix reine Digital-Geräte werden. Discs wird es demnach zwar nicht komplett aus den Regalen verschwinden lassen, Publisher dürften aber weiterhin Download-Codes in physischen Verpackungen oder Sonderauflagen mit Merchandise anbieten, solange sich das wirtschaftlich lohnt.

„Nintendo bleibt Nintendo“ – kein Kurswechsel in Sicht

Auf die Frage, ob Sonys Schritt auch Nintendo zum Umdenken bewegen könnte, zeigt sich der Analyst skeptisch: „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass Nintendo das macht, was Nintendo machen will, und ich sehe nicht, dass das Unternehmen seine Pläne aufgrund dessen ändert, was Sony oder Microsoft tun oder sagen.“ Der Einzelhandel habe sich in den vergangenen Jahren zudem immer stärker auf Nintendo ausgerichtet, was sich durch die Entwicklung eher noch verstärken dürfte. Zur Einordnung: Nintendo hält seit dem Start der Switch 2 einen sehr hohen Marktanteil bei physischer Software und Hardware, was sich auch in den aktuellen Verkaufscharts gegenüber der PS5 zeigt.

Ganz ohne Folgen dürfte der branchenweite Wandel für Nintendo trotzdem nicht bleiben. Piscatella rechnet auch bei physischen Nintendo-Spielen mit einem anhaltenden Rückgang der Handelsumsätze, selbst wenn Module weiterhin in den Regalen liegen.

Ein psychologischer Wendepunkt für die Branche

Laut Piscatella markiert Sonys Entscheidung weniger eine echte Marktverschiebung – die habe längst stattgefunden – als vielmehr einen psychologischen Wendepunkt: „Es ist ein trauriger Tag für die Welt der Videospiele.“ Gleichzeitig gibt er zu bedenken, dass 2026 bereits für einige Überraschungen gesorgt habe und nichts endgültig feststehe.

Fazit

Sonys Rückzug aus dem Disc-Geschäft dürfte laut Piscatella eher ein Symbol als ein plötzlicher Bruch sein, da physische Spielverkäufe schon lange rückläufig sind. Für Sammler und Fans physischer Medien bleibt die Nintendo Switch 2 mit ihrer starken Softwarebibliothek damit aller Voraussicht nach die letzte relevante Konsolenplattform, auf der neue Spiele noch regulär auf physischen Modulen erscheinen – zumindest solange Nintendo nicht selbst umschwenkt.