Noctua sagt Nein zu RGB: Warum der Kühler-Hersteller auf Optik verzichtet

Philipp Briel
Philipp Briel · 5 Min. Lesezeit
Prusament PLA Noctua Beige und Noctua Brown
Bild: Noctua

Noctua wird auch in absehbarer Zukunft auf RGB-Beleuchtung, Displays und poppige Gehäusefarben bei seinen CPU-Kühlern verzichten. Das hat Jakob Dellinger, Chief Product Officer bei Noctua, im Interview mit dem britischen Magazin Club386 bestätigt. Statt in Optik investiert der österreichische Hersteller seine Entwicklungsressourcen weiterhin in Kühlleistung, Lautstärke und Verarbeitungsqualität.

TL;DR: Noctua bleibt seiner Linie treu: kein RGB, keine Displays, keine bunten Farbvarianten. Laut CPO Jakob Dellinger ist das keine Marketing-Entscheidung, sondern schlicht eine Frage der Ressourcenverteilung: Das Unternehmen will lieber in Thermik, Akustik und Bauqualität investieren als in „Beautification“. Ganz ausschließen will er RGB für die Zukunft trotzdem nicht.

Was Noctua im Interview mit Club386 gesagt hat

Im Gespräch mit Club386 wurde Dellinger direkt gefragt, warum Noctua, anders als praktisch die gesamte übrige Kühler-Branche, bislang komplett auf RGB-Beleuchtung verzichtet. Seine Antwort ließ wenig Interpretationsspielraum:

„It’s less a dogmatic branding decision; it’s more just like the general direction of where we put our focus“, so Dellinger. Auf Deutsch: Es ist keine Grundsatzentscheidung aus Marketing-Gründen, sondern schlicht eine Frage, wo das Unternehmen seine Entwicklungskapazitäten einsetzt.

Noch deutlicher wurde er bei der Frage nach beleuchteten Displays auf Kühlern, wie sie mittlerweile auch bei Konkurrenten aus dem Premium-Segment zu finden sind: Es sei „very unlikely for a Noctua product to come out with a huge fancy screen or something like that“. Auch RGB-Beleuchtung werde „very probably“ weiterhin nicht Teil des Portfolios sein.

„Wir wollen so wenig Ressourcen wie möglich in Optik stecken“

Besonders aufschlussreich ist eine weitere Aussage Dellingers, die die Prioritäten des Unternehmens auf den Punkt bringt: Noctua wolle „as little in the way of resources as possible on making things look pretty“ investieren. Stattdessen fließe die Arbeit in drei Kernbereiche: „drive thermal efficiency, improve the quietness of operation, and ensure the best possible quality.“

Bei einem Unternehmen, das seit über zwei Jahrzehnten mit seiner unverwechselbaren braun-beigen Farbgebung auftritt, ist diese Haltung wenig überraschend. Selten wird sie aber so direkt aus der Chefetage bestätigt.

Eine bewusste Zielgruppen-Entscheidung, kein Seitenhieb gegen die Konkurrenz

Dellinger betonte im Interview ausdrücklich, dass es sich nicht um eine Wertung gegenüber Wettbewerbern handle, die auf RGB und auffälliges Design setzen. Noctua positioniert sich stattdessen bewusst für eine andere Zielgruppe: „We like catering to a specific audience who value quietness, performance, and quality, rather than those who might put their priority on visuals.“

Wer also einen Kühler mit adressierbarer Beleuchtung, Wechselblenden oder einem kleinen LCD-Display sucht, findet reichlich Auswahl im Rest des Marktes, nur bei Noctua eben nicht. Andere Hersteller wie SilentiumPC mit dem Fortis 3 EVO ARGB oder ZALMAN mit seinen neuen High-End-Kühlern setzen genau umgekehrte Prioritäten und machen Optik zu einem zentralen Verkaufsargument.

„Niemals sagen niemals“, aber sehr unwahrscheinlich

Ganz in Stein gemeißelt ist die Haltung trotzdem nicht. Auf die Frage, ob RGB bei Noctua kategorisch ausgeschlossen sei, wollte Dellinger sich nicht vollständig festlegen und sprach davon, man solle „never say never“. Gleichzeitig stellte er klar, dass ein solcher Schritt „extremely unlikely“ bleibt. Für Fans der schlichten braun-beigen Optik (oder der matten chromax.black-Variante) dürfte das eine Erleichterung sein.

Aktuelles Flaggschiff: Der NH-D15 G2 als Beispiel für Noctuas Prioritäten

Wie ernst es Noctua mit reiner Ingenieursarbeit statt Optik meint, zeigt der aktuelle Flaggschiff-Kühler NH-D15 G2, der Nachfolger des jahrelangen Bestsellers NH-D15. Statt RGB oder Display gibt es acht Heatpipes, mehr Kühlfläche durch engere Lamellenabstände und ein asymmetrisches Design für mehr Platz am ersten PCIe-Slot und am RAM. Wer es lieber etwas kompakter mag, findet in unserem Test des Single-Tower-Modells NH-D15S eine Alternative aus demselben Haus.

Spezifikation Noctua NH-D15 G2
Heatpipes 8 (vorher 6 beim NH-D15)
Mitgelieferte Lüfter 2× NF-A14x25 G2 (140 mm, rundes Rahmendesign)
Varianten Standard, LBC (optimiert für AMD), HBC (optimiert für Intel)
Sockelkompatibilität AMD AM5, Intel LGA1700/LGA1851, inkl. AM5-Offset-Montage
Mitgeliefertes Zubehör SecuFirm2+-Montagekit, NT-H2 Wärmeleitpaste, LGA1700-Kontaktrahmen
Preis (UVP) 149,90 Euro

Das einzige Zugeständnis an die Optik bleibt die chromax.black-Variante in mattem Schwarz. RGB, Displays oder weiße Editionen sucht man weiterhin vergeblich. Wer sich den NH-D15 G2 genauer ansehen möchte, findet ihn auch bei Amazon.

Fazit: Noctua RGB bleibt Zukunftsmusik, und das ist Teil des Markenkerns

Für alle, die auf ein Noctua-RGB-Modell gehofft haben, ändert sich durch das Interview wenig: Die Aussagen von Jakob Dellinger bestätigen im Kern das, was viele Nutzer längst vermutet haben. Noctua wird seine Entwicklungsressourcen weiterhin in Kühlleistung, Laufruhe und Verarbeitungsqualität stecken statt in RGB-Beleuchtung, Displays oder auffällige Farbvarianten. Für die eine Zielgruppe ist das ein Grund zum Aufatmen, für RGB-Fans bleibt nur der Griff zur Konkurrenz. Wer aktuell nach einem leisen High-End-Luftkühler ohne Schnickschnack sucht, bekommt mit dem NH-D15 G2 aber weiterhin genau das, wofür Noctua seit über zwei Jahrzehnten steht.

Quellen: Club386