Der Smartphone-Hersteller Nothing steht offenbar massiv unter Druck. Laut einem Bericht aus Indien will die Marke von OnePlus-Mitgründer Carl Pei sich aus rund zwölf Märkten zurückziehen und weltweit etwa 40 Prozent der Stellen streichen. Nothing selbst dementiert den Marktrückzug inzwischen – den Stellenabbau bestätigt das Unternehmen dagegen. Der eigentliche Auslöser ist die Speicherkrise, die günstige Nothing-Smartphones zunehmend unrentabel macht.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Bericht des indischen Magazins Digit.in spricht vom Rückzug aus mindestens zwölf Märkten, darunter Japan, der Nahe Osten und Teile Europas.
- Rund 40 Prozent der weltweiten Belegschaft sollen gehen, die Entwicklung besonders hart getroffen sein.
- Mitgründer Akis Evangelidis dementiert den Marktrückzug, bestätigt aber den Stellenabbau als „Neuausrichtung“.
- Ursache sind explodierende Speicherpreise, die das Geschäft mit günstigen Handys kaputt machen.
- Nothing konzentriert sich künftig vor allem auf Indien, wo die Marke stark wächst.
Rückzug aus zwölf Märkten – oder doch nicht?
Ins Rollen gebracht hat die Sache das indische Magazin Digit.in. Unter Berufung auf mehrere Quellen aus dem Umfeld des Unternehmens heißt es, Nothing ziehe sich aus mindestens zwölf internationalen Märkten zurück – der „Shutdown“ laufe bereits. Betroffen seien Japan, der Nahe Osten und „Teile von Europa“.
Kurz nach dem Bericht meldete sich Mitgründer Akis Evangelidis zu Wort und wies den Marktrückzug zurück: „Wir schließen keine Märkte“, es kursierten „ungenaue Berichte“. Ob man dem Dementi in vollem Umfang glauben mag, bleibt jedem selbst überlassen – die Zahlen dahinter sprechen jedenfalls eine deutliche Sprache.
40 Prozent weniger Personal und eine „KI-native“ Neuausrichtung
Den Stellenabbau selbst bestreitet Evangelidis nicht. Rund 40 Prozent der weltweiten Belegschaft sollen das Unternehmen verlassen. Die Forschungs- und Entwicklungsabteilung, die im Verhältnis 70:30 auf China und London verteilt ist, trifft es besonders: In China stehen etwa 50 Prozent der Stellen zur Disposition, in London 30 bis 40 Prozent. Verpackt wird der Kahlschlag als Zukunftsprojekt – man „reorganisiere die Teams für die nächste Wachstumsphase“, inklusive einer neuen „KI-nativen“ Geschäftseinheit.
Die Verkaufszahlen erzählen die eigentliche Geschichte
So freundlich das klingt, die Absatzzahlen tun es nicht. 2025 verkaufte Nothing weltweit noch rund zwei Millionen Geräte. Davon ist die Marke 2026 weit entfernt:
| Modell / Zeitraum | Auslieferungen |
|---|---|
| Alle Geräte 2025 (weltweit) | ca. 2.000.000 |
| Phone (4a) + (4a) Pro zusammen | ca. 150.000 |
| Phone (4b) seit Marktstart | ca. 20.000 |
Evangelidis hält dagegen, das Phone (4b) habe allein am ersten Tag 29.537 Einheiten verkauft und damit einen Rekord in seiner Preisklasse aufgestellt – eine bemerkenswert präzise Zahl für eine bemerkenswert kleine Menge. Immerhin ein Lichtblick: In Indien legte Nothing im zweiten Quartal 2026 laut Counterpoint Research um 105 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Auf diesen Markt will sich das Unternehmen künftig konzentrieren.
Speicherkrise als eigentlicher Gegner
Was Nothing zu schaffen macht, ist kein Design- oder Software-Problem, sondern der Einkauf. Die Preise für Arbeits- und Flash-Speicher haben sich seit September 2025 teils vervierfacht. Firmenchef Carl Pei hat offen gesagt, dass Speicher inzwischen mehr als die Hälfte der Hardware-Kosten eines Smartphones ausmachen kann. Für einen kleinen Anbieter ohne die Einkaufsmacht von Samsung oder Apple ist das existenziell. Schon den Nachfolger der Budget-Marke CMF musste Nothing deshalb streichen – 2026 kommt hier kein neues Modell.
Nothing ist damit nicht allein: Schon in der Vergangenheit haben Hersteller wie Samsung ihre Smartphone-Produktion heruntergefahren, wenn Nachfrage und Marge nicht mehr zusammenpassten. Wer die Marke trotzdem mag, wird beim Zubehör übrigens weiter fündig – etwa bei den Nothing Ear (a) In-Ear-Kopfhörern. Und das aktuelle Flaggschiff, das Nothing Phone (3), ist nach wie vor im Handel erhältlich.
Fazit: Enge Marge, enger Zeitplan
Ob dementiert oder nicht – die Schrumpfung hinter den Schlagzeilen ist real. Nothing setzt jetzt auf weniger Märkte, ein kleineres Team und ein schmaleres Portfolio, mit Indien als Anker. Ob das reicht, damit das Nothing-Smartphone langfristig überlebt, dürften die nächsten zwei Quartale zeigen. Die „KI-native“ Neuausrichtung ist bislang vor allem eine Überschrift; entscheidend werden die nächsten Geräte und ihre Preise sein – und der Spielraum dafür ist schmal, solange der Speichermarkt die Rechnung schreibt.

