OneDrive Fotos: Microsoft gibt Zwangsinstallation zu und rudert zurück

Philipp Briel
Philipp Briel · 5 Min. Lesezeit

Microsoft hat eingeräumt, die App OneDrive Fotos ohne Zustimmung auf zahlreichen Windows-Rechnern installiert zu haben, und zwar bei Privatnutzern genauso wie in Firmennetzwerken. Wer die App bislang wieder loswerden wollte, musste dafür OneDrive komplett deinstallieren. Ab September will Microsoft das ändern und eine separate Entfernungsoption nachliefern.

Kurz zusammengefasst:

  • OneDrive Fotos kam als Teil eines regulären OneDrive-Updates auf die Rechner, ganz ohne Abfrage.
  • Auf Firmen-PCs mit Intune-Verwaltung landete die App laut Microsoft „wohl unbeabsichtigt“.
  • Die integrierte Gesichtserkennung ist standardmäßig deaktiviert, biometrische Daten sollen nach 30 Tagen gelöscht werden.
  • Ab September 2026 lässt sich OneDrive Fotos separat entfernen, ohne dass Synchronisierung oder Dateien darunter leiden.

Was ist eigentlich passiert?

Ende Juli 2026 fanden sich plötzlich viele Windows-Nutzer im Startmenü wieder, die eine App namens OneDrive Fotos noch nie bewusst installiert hatten. Verantwortlich war ein automatisches Update des OneDrive-Clients auf Version 26.123.0628.0001. Die neue App bringt eine webbasierte Oberfläche für die eigenen Bilder mit, inklusive Texterkennung in Fotos und einer optionalen Gesichtsgruppierung.

Das eigentliche Problem war weniger die App selbst, sondern wie fest sie mit dem Synchronisations-Client verzahnt wurde. Wer OneDrive Fotos nicht wollte, hatte lange keine andere Wahl, als gleich den ganzen OneDrive-Dienst zu entfernen, also auch die Dateisynchronisierung. Für die meisten Nutzer kam das schlicht nicht in Frage.

IT-Admins waren besonders unglücklich

Noch ärgerlicher wurde es in Firmenumgebungen. OneDrive Fotos funktioniert bislang nur mit privaten Microsoft-Konten, auf Business-Accounts läuft die App faktisch leer. Trotzdem verteilte Microsoft sie flächendeckend auch auf verwaltete Firmenrechner, selbst über Intune ließ sie sich zunächst nicht entfernen. In IT-Foren kursierte danach ein Community-Script, das immerhin die Verknüpfung im Startmenü löschte, an der Installation selbst änderte das aber nichts.

Gegenüber Windows Latest bestätigte Microsoft, dass der Rollout auf Geschäftsrechnern so nicht geplant war. Wie es zu dem Fehler kam, hat der Konzern bisher nicht näher erklärt.

Und was ist mit der Gesichtserkennung?

Der zweite Kritikpunkt betraf die „Personen“-Funktion, die Fotos anhand von Gesichtern gruppiert. Microsoft hat dazu inzwischen etwas ausführlicher Stellung genommen: Die Funktion ist per Voreinstellung ausgeschaltet, Nutzer müssen sie aktiv einschalten. Läuft sie, verarbeitet Microsoft die Daten in der Cloud und ausschließlich anhand der Fotos, die im jeweiligen OneDrive-Konto liegen. Für das Training eigener KI-Modelle würden private Fotos nicht verwendet, so das Unternehmen. Schaltet man die Gesichtserkennung wieder aus, sollen die dafür erfassten biometrischen Daten innerhalb von 30 Tagen vollständig gelöscht werden.

Ob das reicht, um das Vertrauen der Nutzer zurückzugewinnen, ist eine andere Frage. Der eigentliche Kritikpunkt war ja nie nur die Technik hinter der Gesichtserkennung, sondern dass Microsoft im Vorfeld praktisch gar nicht kommuniziert hat, was da auf den Rechnern landet.

Die Kehrtwende: Trennung von OneDrive Fotos und Sync-Client

Nach Wochen öffentlicher Kritik hat Microsoft am 10. August 2026 nachgegeben. Der Konzern kündigte laut einem Bericht von Windows Latest an, künftig eine eigene Steuerung einzuführen, mit der sich „die OneDrive Fotos-Erfahrung separat von der OneDrive-App“ entfernen lässt. Wörtlich heißt es von Microsoft, das biete „eine klare Entfernungsoption für Menschen, die ihre Fotos lieber mit einer anderen App verwalten“.

Technisch bedeutet das: OneDrive Fotos soll sich künftig deinstallieren lassen, ohne den Sync-Client mitzunehmen. Die Dateisynchronisierung läuft währenddessen weiter, vorhandene Fotos und Dateien bleiben unangetastet, und auch die restliche OneDrive-Konfiguration bleibt unverändert. Aktuell ist die App noch fest an den Sync-Client gebunden und wird nicht als eigenständige MSIX-Datei bereitgestellt, genau das soll sich mit dem Update ändern.

Zeitpunkt Ereignis
Ende Juli 2026 OneDrive Fotos taucht über ein automatisches Update ungefragt auf Windows-Rechnern auf
Anfang August 2026 IT-Admins berichten, dass sich die App auch über Intune nicht entfernen lässt
7. August 2026 Microsoft äußert sich erstmals gegenüber der Presse zur Gesichtserkennung und zum Firmen-Rollout
10. August 2026 Microsoft kündigt eine separate Deinstallationsoption an
September 2026 Geplanter Rollout des Updates für alle Nutzer

Was du jetzt tun kannst

Bis zum Update im September bleiben nur die bekannten Behelfslösungen. Wer OneDrive Fotos gar nicht nutzen will, kann die Verknüpfung im Startmenü entfernen, das blendet die App zumindest optisch aus. Wer OneDrive selbst gar nicht braucht, kann den Dienst komplett deinstallieren, verliert dann aber auch die automatische Synchronisierung. Für alle anderen bleibt vorerst nur, die App zu ignorieren und auf September zu warten. Wie du OneDrive und die Autostart-Einträge deines Systems generell im Griff behältst, zeigt unser Ratgeber zum Windows-11-Autostart.

Fazit

Bei OneDrive Fotos hat Microsoft ziemlich genau vorgeführt, wie man sich das Vertrauen der eigenen Nutzer verscherzt: erst eine App ungefragt verteilen, dann tagelang schweigen, während IT-Admins vergeblich nach einer Deinstallationsmöglichkeit suchen. Dass der Konzern jetzt nachgibt und ab September eine saubere Trennung zwischen OneDrive Fotos und dem Sync-Client anbietet, ist immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Bis dahin hilft nur Geduld, oder eben der Griff zur kompletten OneDrive-Deinstallation, wenn einem die App wichtiger ist als der Komfort der Cloud-Synchronisierung.