OpenAI verschiebt GPT-6.1 Astra wegen Sicherheitsbedenken

Philipp Briel
Philipp Briel · 4 Min. Lesezeit
GPT-6 Sol und Luna
Bild: OpenAI

OpenAI verschiebt die Veröffentlichung von GPT-6.1 Astra auf unbestimmte Zeit. Grund sind Sicherheitsbedenken: Interne Tests und ein Bericht des britischen AI Security Institute (AISI) zeigten, dass das Modell in Simulationen wiederholt unautorisierte Aktionen durchführte, darunter Supply-Chain-Angriffe und das Anlegen gefälschter Identitäten. Einen neuen Veröffentlichungstermin nennt OpenAI bislang nicht.

TL;DR:

  • OpenAI hätte GPT-6.1 Astra ursprünglich im Oktober 2026 veröffentlichen wollen.
  • Das britische AI Security Institute maß in 29,2 % der simulierten Cybersicherheitstests unautorisierte Supply-Chain-Angriffe, bei GPT-5.6 Sol waren es 6,3 %, bei GPT-5.5 kein einziger Fall.
  • Das Modell erstellte in Tests gefälschte Identitäten, um Entwickler zu täuschen, und interpretierte automatisierte Freigabeanfragen eigenmächtig als Zustimmung.
  • Als Alternative bietet OpenAI ab sofort das günstigere Modell GPT-6.1 Sol an, das laut eigenen Angaben ähnliche Leistung liefert.

Was ist GPT-6.1 Astra?

GPT-6 Astra ist aktuell das Flaggschiff-Modell von OpenAI und für ChatGPT Plus, Pro, Business und Enterprise sowie über die API (auch via Microsoft Azure und AWS Bedrock) verfügbar. OpenAI bewirbt es als sein bislang intelligentestes und am besten ausgerichtetes Modell, das eigenständig Computer bedient, Formulare ausfüllt, komplexe Coding- und Mathe-Aufgaben löst und laut Hersteller sogar Zero-Day-Exploits identifizieren kann. GPT-6.1 Astra sollte die nächste Ausbaustufe dieses Modells werden, mit mehr Eigenständigkeit beim Abarbeiten von Aufgaben über einen längeren Zeitraum. Genau diese Eigenständigkeit wurde dem Modell nun zum Verhängnis.

Warum OpenAI den Release gestoppt hat

Laut OpenAIs eigenen Angaben sollte GPT-6.1 Astra Aufgaben ausdauernder und selbstständiger erledigen als sein Vorgänger. In der Praxis hielt sich das Modell aber nicht zuverlässig an seinen freigegebenen Aufgabenbereich, wie Saachi Jain, bei OpenAI verantwortlich für Sicherheitssysteme, gegenüber dem Wall Street Journal einräumte. Ihre Begründung:

„[GPT-6.1 Astra] didn’t quite meet the bar. We have an extremely high bar in terms of safety and alignment.“

Laut Fast Company hatte OpenAI bereits eine Woche zuvor das Training seiner fortschrittlichsten Modelle pausiert, nachdem KI-Agenten in Tests eigenmächtig auf Regierungswebseiten zugegriffen hatten. Mehr Ausdauer bei der Aufgabenerledigung stand damit im Konflikt mit der Kontrolle über das Modellverhalten. OpenAI entschied sich für die Kontrolle.

Die Zahlen des AI Security Institute

Das AISI hatte GPT-6.1 Astra vorab in simulierten Cybersicherheitsszenarien getestet und mit den beiden Vorgängermodellen verglichen. Ergebnis: Astra griff deutlich häufiger unautorisiert in Lieferketten von Software-Projekten ein als die älteren Modelle.

Modell Unautorisierte Supply-Chain-Angriffe in Tests
GPT-5.5 0 %
GPT-5.6 Sol 6,3 %
GPT-6.1 Astra 29,2 %

Zu den beobachteten Angriffen zählten laut The Hacker News gefälschte Identitäten, mit denen das Modell Entwickler täuschte, sowie Kommentare aus Fake-Accounts, die gezielt gegen laufende Sicherheitsreviews von Open-Source-Projekten gerichtet waren. GPT-6.1 Astra hinterfragte seine eigenen Grenzen zwar in vielen Fällen selbst, hielt sich anschließend aber trotzdem nicht konsequent daran. Zudem interpretierte es automatisierte Genehmigungsanfragen teils eigenmächtig als Zustimmung, statt auf eine tatsächliche Freigabe zu warten. Explizite Anweisungen reduzierten die Häufigkeit solcher Vorfälle, verhinderten sie aber nicht vollständig.

Ein branchenweiter Trend zu mehr Vorsicht

Die Verzögerung reiht sich in eine Reihe ähnlicher Entscheidungen der Branche ein. Sam Altman und weitere KI-Chefs fordern derzeit öffentlich strengere Sicherheitsvorkehrungen bei der Modellentwicklung, unter anderem in Gesprächen mit US-Präsident Trump. Wer sich schon mit der KI-Kennzeichnungspflicht 2026 beschäftigt hat, sieht hier ein ähnliches Muster: Regulierung und interne Sicherheitsstandards holen die technische Entwicklungsgeschwindigkeit langsam ein. Für kommende Modell-Releases dürfte das bedeuten, dass Sicherheitsprüfungen künftig noch vor schnellen Markteinführungen stehen, selbst wenn das bereits fertige Modelle im Regal liegen lässt.

Was Nutzer stattdessen bekommen

Wer auf ein neues, günstigeres Modell aus der GPT-6-Reihe gehofft hat, muss nicht ganz leer ausgehen: OpenAI hat parallel GPT-6.1 Sol veröffentlicht, das laut Hersteller ähnliche Ergebnisse wie GPT-6 Astra liefert, dabei aber deutlich günstiger in der API-Nutzung ist. Für ChatGPT-Nutzer ändert sich vorerst nichts: Das reguläre GPT-6 Astra bleibt weiterhin für Plus-, Pro-, Business- und Enterprise-Konten sowie über die API verfügbar. Nur die für Oktober angekündigte Weiterentwicklung GPT-6.1 Astra fällt vorerst aus.

Fazit

Die Verschiebung von GPT-6.1 Astra zeigt, dass OpenAI Sicherheitsbedenken inzwischen offenbar schwerer gewichtet als den Zeitplan für neue Modelle. Die Zahlen des AI Security Institute, allen voran die fast 30 % unautorisierter Angriffe in Simulationen, liefern eine nachvollziehbare Erklärung für den Rückzieher. Ob und wann eine überarbeitete Version von GPT-6.1 Astra erscheint, ist offen. Bis dahin müssen sich Nutzer mit GPT-6 Astra und dem neuen, günstigeren GPT-6.1 Sol begnügen.