Parallels Desktop 27 ist da: OpenGL-Grafik bis zu 160 % schneller, KI-Boost für M4-Macs

Philipp Briel
Philipp Briel · 4 Min. Lesezeit
Parallels Dekstop

Parallels hat mit Parallels Desktop 27 die neue Hauptversion seiner Virtualisierungssoftware für Apple-Silicon-Macs veröffentlicht. Im Zentrum steht ein komplett neuer, Metal-basierter Grafiktreiber mit OpenGL-4.3-Unterstützung, der Windows-Anwendungen wie Blender oder ArcGIS Pro deutlich beschleunigt. Wer einen Mac mit M4- oder M5-Chip besitzt, bekommt zusätzlich einen KI-Performance-Schub für Linux-VMs.

Neuer Grafiktreiber: OpenGL 4.3 statt Notlösung

Bislang war OpenGL unter Windows-VMs auf dem Mac eher ein Kompromiss. Parallels Desktop 27 ersetzt den bisherigen Treiber durch eine komplett neu geschriebene, auf Apples Metal-API aufsetzende Implementierung mit OpenGL-4.3-Support. Laut Parallels‘ eigenen Benchmarks laufen OpenGL-Workloads auf Macs mit M3-Chip oder neuer dadurch bis zu 2,6-mal beziehungsweise 160 Prozent schneller als mit dem alten Treiber. Profitieren sollen davon vor allem CAD- und 3D-Anwendungen: Blender 4.3 und ZWCAD werden explizit als Referenz genannt, bei ArcGIS Pro verspricht der Hersteller in ausgewählten Workflows bis zu 35 Prozent mehr Tempo beim Rendern.

Für alle, die unter Windows auf dem Mac mit Konstruktions-, GIS- oder 3D-Software arbeiten, ist das der relevanteste Fortschritt dieser Version. OpenGL ist in der Windows-Welt trotz DirectX-Dominanz in vielen Fachanwendungen nämlich nach wie vor Standard.

KI-Beschleunigung: Nur mit M4 oder M5

Neu ist außerdem die Unterstützung der Scalable Matrix Extension (SME), einer Recheneinheit, die Apple erstmals im M4-Chip verbaut hat. Parallels Desktop 27 nutzt SME, um Matrixoperationen in Linux-VMs bis zu siebenmal und die Inferenz neuronaler Netze bis zu 1,75-mal schneller auszuführen als zuvor. Wer lokale KI-Modelle über Tools wie Ollama oder llama.cpp in einer virtuellen Linux-Maschine laufen lässt, sollte davon merklich profitieren. Ein Wermutstropfen bleibt: Die Funktion ist an Apples M4- oder M5-Chips gebunden, Nutzer mit M1, M2 oder M3 gehen hier leer aus.

Mehr für Unternehmen: SSO, SOC 2 und eine VM-Datenbank mit 200.000 Einträgen

Neben den Performance-Themen hat Parallels auch an der Enterprise-Seite geschraubt. Die Business Edition bekommt eine überarbeitete grafische Oberfläche zur VM-Verwaltung, eine dynamische Bereitstellung von virtuellen Maschinen über Jenkins sowie eine erweiterte Single-Sign-on-Integration. Dazu kommen eine erneuerte SOC-2-Zertifizierung, ein Penetrationstest durch einen externen Dienstleister und eine Arm-SystemReady-Zertifizierung. Wer unsicher ist, ob eine bestimmte Windows-Anwendung unter Parallels läuft, kann künftig eine Online-Datenbank mit mehr als 200.000 getesteten Programmen durchsuchen, bevor er eine VM aufsetzt.

„Parallels Desktop 27 ermöglicht es unseren Kunden, mehr der Windows-Anwendungen auszuführen, auf die sie angewiesen sind“, wird Elena Koryakina, Chief Product and Technology Officer bei Parallels, in der Ankündigung zitiert.

Preise und Editionen

Parallels Desktop 27 kommt weiterhin in drei Editionen: Standard, Pro und Business. Die Standard-Edition eignet sich für Alltagsnutzer, die gelegentlich eine Windows-Anwendung starten wollen, während Pro und Business zusätzlichen Arbeitsspeicher pro VM, das KI-Paket für Entwickler und (neu ab dieser Version) den schnelleren OpenGL-4.3-Treiber mitbringen.

Edition Zielgruppe OpenGL 4.3 / KI-Beschleunigung
Standard Privatanwender Nein
Pro Entwickler, Power-User Ja
Business Unternehmen Ja, inkl. zentraler Verwaltung

Konkrete Preise nennt Parallels auf der eigenen Bestellseite aktuell nicht pauschal, sondern regional gestaffelt. Laut WinFuture liegt die Standard-Edition bei rund 190 Euro als Dauerlizenz beziehungsweise rund 60 Euro im Jahresabo, Pro- und Business-Lizenzen kosten entsprechend mehr. Wer erst einmal testen will, kann Parallels Desktop 27 14 Tage kostenlos ausprobieren.

Systemvoraussetzungen: Läuft Parallels Desktop 27 auch auf meinem Mac?

Parallels Desktop 27 läuft ausschließlich auf Apple-Silicon-Macs vom M1- bis zum aktuellen M5-Chip, Intel-Modelle bleiben außen vor. Das ist seit einigen Versionen so und dürfte inzwischen kaum noch jemanden überraschen. Neu ist die vollständige Abstimmung auf macOS 27 „Golden Gate“, Apples aktuelle Systemversion. Wer sein Windows unter Mac im Unternehmenseinsatz über Parallels Business Solutions betreibt und demnächst auf macOS 27 aktualisiert, sollte vorher auf Version 27 umsteigen, um Kompatibilitätsprobleme zu vermeiden.

Fazit

Mit Parallels Desktop 27 legt der Hersteller vor allem bei der Grafikleistung nach: Der neue OpenGL-4.3-Treiber macht CAD- und 3D-Anwendungen unter Windows auf dem Mac spürbar flotter, ohne dass Nutzer dafür etwas umstellen müssen. Die KI-Beschleunigung ist ein nettes Extra für M4- und M5-Besitzer, aber kein Grund für einen Umstieg, wenn man noch auf M1 bis M3 unterwegs ist. Wer regelmäßig auf aktuelle macOS-Versionen wie Golden Gate umsteigt und dabei auf eine stabile Windows-Virtualisierung angewiesen ist, findet in Parallels Desktop 27 ein solides, aber kein revolutionäres Update gegenüber der Vorgängerversion.