PayPal hat ein Übernahmeangebot über 53 Milliarden Dollar (rund 46,3 Milliarden Euro) von Konkurrent Stripe und dem Finanzinvestor Advent International zurückgewiesen. Dem Vorstand in San Jose sind die gebotenen 60,50 Dollar je Aktie zu niedrig, obwohl der Preis deutlich über dem zuletzt gebeutelten Börsenkurs liegt. Statt zu verkaufen, will das Management mit dem eigenen Sanierungsplan weitermachen.
Das Wichtigste in Kürze:
- Stripe und Advent bieten 53 Mrd. Dollar bzw. 60,50 Dollar je Aktie für PayPal.
- Der PayPal-Vorstand hält das Gebot für zu niedrig und lehnt ab.
- CEO Enrique Lores setzt lieber auf den laufenden Umbau des Konzerns.
- Eine Fusion würde die Kartellwächter auf den Plan rufen.
- Die Quartalszahlen am 28. Juli dürften über den weiteren Kurs entscheiden.
Warum PayPal die Stripe-Übernahme ablehnt
Die Bieter legten Mitte Juli ein Angebot von 60,50 Dollar pro Aktie vor, was einem Aufschlag von rund 28 Prozent auf den vorherigen Börsenkurs entspricht. Für den Vorstand spiegelt diese Summe das langfristige Potenzial trotzdem nicht wider. Und das hat einen Hintergrund: Die PayPal-Aktie ist von einst fast 300 Dollar zeitweise auf etwa 41 Dollar abgestürzt. Aus Sicht der Führungsetage kauft Stripe hier also ein unterbewertetes Unternehmen zum Schnäppchenpreis.
Laut einem Bericht von Reuters vertraut das Management auf seinen eigenen Sanierungsplan. Der seit Februar amtierende CEO Enrique Lores will PayPal über Umstrukturierungen und Sparmaßnahmen zurück auf einen stabilen Wachstumskurs bringen. Analysten scheinen das ähnlich zu sehen: Cantor Fitzgerald taxiert den fairen Wert auf 70 Dollar je Aktie, der Vermögensverwalter Davis Park kommt auf 65,20 Dollar. Beide Werte liegen klar über dem aktuellen Gebot.
Kartellrecht und Finanzierung als Knackpunkte
Neben dem Preis gibt es weitere Hürden. Ein Zusammenschluss der beiden großen Online-Zahlungsabwickler würde die Wettbewerbshüter beschäftigen. Um kartellrechtlichen Problemen vorzubeugen, prüfen Stripe und Advent bereits, einzelne Geschäftsbereiche abzuspalten, etwa die PayPal-Tochter Braintree.
Auch die Finanzierung ist eine Hausnummer. Die Banken JPMorgan und Morgan Stanley haben ein Paket über rund 50 Milliarden Dollar zugesagt. Stripe und Advent steuern zusätzlich etwa 17 Milliarden Dollar an Eigenkapital bei. Dass hier so viel Geld mobilisiert wird, zeigt, wie ernst es den Bietern ist. Viele Beobachter rechnen deshalb damit, dass die beiden mit einem höheren Angebot zurückkommen, statt das Vorhaben zu begraben.
Wie es mit PayPal weitergeht
Der Druck bleibt hoch, denn PayPal verliert seit Monaten Marktanteile an Apple Pay und Google Pay. Am 28. Juli stehen die nächsten Quartalszahlen an. Fallen sie stark aus, hat Lores gute Argumente für den Alleingang. Enttäuschen sie, dürften die Rufe nach einer Übernahme durch Stripe wieder lauter werden. Wer PayPal im Alltag nutzt, muss sich vorerst keine Sorgen machen: Am Dienst selbst ändert sich durch das abgelehnte Angebot nichts. Praktische Tipps gibt es weiterhin in unseren Ratgebern, etwa wenn ihr Geld von PayPal aufs Konto überweisen wollt oder eine PayPal-Autorisierung in Bearbeitung stoppen möchtet.