Publisher könnten schon 2027 auf PS5-Discs verzichten

Jens Scharfenberg
Jens Scharfenberg · 3 Min. Lesezeit
playstation 5 pro
Bild: Sony

Sony stellt die Produktion neuer PS5-Discs offiziell erst ab Januar 2028 ein. Mehreren Publishern könnte das aber zu lange dauern: Sie könnten schon 2027 komplett auf digitale Veröffentlichungen umsteigen. Das legt zumindest eine Einschätzung von CI-Games-CEO Marek Tyminski nahe, der auf deutlich attraktivere Gewinnmargen im digitalen Vertrieb verweist.

CI Games sieht schnellen Kurswechsel der Branche voraus

CI Games wird „Lords of the Fallen 2“ im Jahr 2027 zwar noch regulär auf Disc veröffentlichen. Tyminski geht aber davon aus, dass viele andere Studios diesen Schritt gar nicht mehr gehen werden. Auf X schrieb er, Sonys angekündigtes Ende der physischen Unterstützung ab 2028 könnte Disc-Veröffentlichungen schon 2027 oder sogar früher deutlich einbrechen lassen. Auch die Entscheidung, GTA 6 auf ein reines Code-in-a-Box-Format statt einer echten Disc zu setzen, dürfte laut Tyminski als Signal an die restliche Branche wirken.

Sony produziert weiterhin die Blu-ray-Datenträger für PS5-Spiele, überlässt die Entscheidung für eine rein digitale Veröffentlichung aber den einzelnen Publishern. Gerade kleinere Studios bekommen die steigenden Produktionskosten deutlich zu spüren und tun sich zunehmend schwer, ihre Gewinnziele zu erreichen.

Die Rechnung hinter dem Umstieg

Tyminski hat vorgerechnet, warum der digitale Vertrieb für Publisher so viel attraktiver ist: Bei einem Disc-Spiel für 70 US-Dollar behalten Händler laut seiner Aufstellung 25 bis 35 Prozent, während Distributoren weitere 10 bis 20 Prozent einbehalten. Nach Abzug zusätzlicher Kosten bleiben dem Publisher demnach nur rund 26 US-Dollar. Bei einer digitalen Veröffentlichung sind es dagegen bis zu 49 US-Dollar.

Vertriebsweg Bruttopreis Anteil Handel/Distribution Verbleibender Umsatz für Publisher
Disc (Handel) 70 $ ca. 35–55 % ca. 26 $
Digital (Store) 70 $ deutlich geringer bis zu 49 $

Folgen für Händler und Sammler

Für den stationären Handel ist die Entwicklung ein Problem. Tyminski verweist auf GameStop, das selbst bei verfügbaren PS5-Vorbestellungen für GTA 6 Schwierigkeiten hat, neue Kunden zu gewinnen. Weitere Händler könnten deshalb gezwungen sein, den Spieleverkauf zugunsten von Sammlerstücken und Merchandise zurückzufahren.

Bei Fans und Sammlern sorgt die Entwicklung weiterhin für Unmut. In den sozialen Netzwerken von PlayStation häufen sich negative Kommentare, manche Kritiker geben sogar an, ihr PS-Plus-Abo gekündigt zu haben. Ein wiederkehrendes Argument: Digitale Spiele besitzt man streng genommen nie wirklich, sondern erwirbt nur eine Lizenz. Als Beispiel wird oft Sonys jüngste Entfernung von 551 Filmen und Serien aus Nutzerkonten angeführt. Unabhängig von der Kritik wächst bei vielen Publishern der Wunsch, sich früher als geplant von physischen PS5-Spielen zu verabschieden, da der Gewinn zunehmend im Fokus steht.

Internes

Mehr zum Hintergrund findest du in unserem Artikel zu Sonys offiziellem Aus für PS5-Discs ab 2028. Wie die Konkurrenz auf den Schritt reagiert, zeigt unser Beitrag dazu, warum Nintendo als letzter Konsolenhersteller an physischen Spielen festhalten könnte. Wer noch auf der Suche nach Spielenachschub ist, wird in unserer Übersicht der besten PS5-Spiele fündig.