Die Gaming-Smartphones RedMagic 11 Pro und 11 Pro+ sind aus den 3DMark-Ranglisten von UL Solutions geflogen – wegen Benchmark-Manipulation. Wie interne Tests zeigen, aktivierten die Geräte bei erkannten Benchmark-Apps automatisch ihren Hochleistungsmodus, was die Ergebnisse erheblich verfälschte. Nubia hat sich zu den Vorwürfen geäußert, konnte die Kritik aber nicht entkräften.
- Bis zu 24% bessere Ergebnisse im öffentlichen 3DMark gegenüber einer intern umbenannten, nicht erkannten Testversion
- Automatische Aktivierung des „Diablo“-Modus bei Erkennung bekannter Benchmark-Apps – ohne Nutzereingriff
- Oberflächentemperaturen über 50 °C im Diablo-Modus, was RedMagic selbst für den Dauerbetrieb ausdrücklich nicht empfiehlt
- Delisting aus mehreren 3DMark-Tests, darunter Solar Bay, Steel Nomad Light und Slingshot Extreme
Was UL Solutions nachgewiesen hat
UL Solutions führte parallele Tests mit zwei Versionen von 3DMark durch: einer öffentlich verfügbaren und einer intern umbenannten Variante, die von den RedMagic-Geräten nicht als Benchmark-App identifiziert werden konnte. Das Ergebnis war eindeutig: Im öffentlichen Test sprang das Gerät automatisch in den sogenannten „Diablo“-Modus – den höchsten Leistungszustand, den RedMagic bietet. In der umbenannten Version hingegen lief das Gerät im normalen Profil. Dieser Unterschied schlug sich in einem Leistungsvorsprung von rund 24% nieder.

Laut den Richtlinien von UL Solutions ist der Einsatz optionaler Leistungsmodi beim Benchmarking grundsätzlich erlaubt – jedoch nur dann, wenn diese Modi standardmäßig deaktiviert sind und vom Nutzer manuell aktiviert werden müssen. Genau das war hier nicht der Fall: Die Smartphones erkannten die Benchmark-App anhand ihres Namens und schalteten den Hochleistungsmodus vollautomatisch ein. UL Solutions stuft dieses Verhalten als klaren Regelverstoß ein und hat die gesamte RedMagic-11-Pro-Serie daraufhin aus seinen Rankings entfernt.
Nubia verteidigt sich – mit begrenzter Überzeugungskraft
Nubia, die Muttergesellschaft von RedMagic, reagierte auf die Vorwürfe mit einer Stellungnahme, in der das Unternehmen die Leistungsprofile seiner Smartphones als legitimes Feature zur Nutzerkontrolle bezeichnete – nicht als unethische Praxis. Diese Verteidigung greift jedoch zu kurz: Auf den entscheidenden Punkt, nämlich die automatische Aktivierung des Diablo-Modus beim Erkennen von Benchmark-Apps ohne Nutzerwissen, ging Nubia nicht ein. Ein freiwilliger Hochleistungsmodus ist eine Sache – eine heimliche, software-gesteuerte Ergebnisoptimierung beim Testen eine ganz andere.
Erschwerend kommt hinzu, dass RedMagic selbst in seiner eigenen Dokumentation davor warnt, den Diablo-Modus über längere Zeiträume zu nutzen. UL Solutions maß in eigenen Tests Gehäusetemperaturen von über 50 °C. Nutzerberichte bestätigen zudem, dass die Geräte im Diablo-Modus unter anhaltender Last zu Instabilität, Abstürzen und starker Überhitzung neigen.
Kein Einzelfall in der Branche
Benchmark-Manipulation ist im Smartphone-Segment leider keine Seltenheit. Hersteller wie Huawei und Oppo wurden bereits in der Vergangenheit für ähnliche Praktiken aus 3DMark-Rankings entfernt, auch MediaTek geriet wegen Abweichungen von thermischen Vorgaben bei erkannten Benchmarks unter Beschuss. Das Muster ist stets dasselbe: Geräte verhalten sich im Test anders als im realen Alltagsbetrieb, was Vergleiche mit Konkurrenzprodukten verzerrt und das Vertrauen in Benchmark-Ergebnisse insgesamt untergräbt.
Für Käufer bedeutet das: Benchmark-Werte sollten nie als alleiniges Kaufargument dienen, sondern immer im Kontext von Praxistests und Langzeiterfahrungen betrachtet werden. Unabhängige Reviews, die Geräte bewusst ohne vorherige Erkennung als Benchmark-Tool testen, gewinnen dadurch noch mehr an Bedeutung.
Fazit
Der Fall RedMagic 11 Pro zeigt exemplarisch, wie Hersteller durch gezielte Software-Tricks Benchmark-Ergebnisse aufblähen können – mit 24% besseren Scores im erkannten Test ein erheblicher Unterschied. Die offizielle Reaktion von Nubia bleibt unbefriedigend. RedMagic 11 Pro und 11 Pro+ sind derzeit ab rund 650 Euro erhältlich; ob und wann die Geräte wieder in die UL-Solutions-Ranglisten aufgenommen werden, ist aktuell unklar.
Quelle: UL Solutions

