Ring stellt seine Standard-Verschlüsselung komplett um: Mit TAKE („Throw Away the Key Encryption“) verspricht der Amazon-Ableger, dass künftig ausschließlich Kontoinhaber:innen den Hauptschlüssel zu ihren Kamera-Aufnahmen besitzen, ganz ohne auf smarte Funktionen wie Bewegungserkennung zu verzichten. Parallel dazu bekommt die Ring App neue KI-Features und ein überarbeitetes Abo-Modell.
Kurz zusammengefasst: TAKE verschlüsselt Ring-Aufnahmen ab September 2026 standardmäßig mit rotierenden Schlüsseln, auf die Ring nur kurz und automatisiert zugreift, um sie danach unwiderruflich zu löschen. Die vollständige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bleibt als Option bestehen, verzichtet dafür aber auf Cloud-Funktionen und Family Sharing. Gleichzeitig bringt Ring die KI-Funktionen Video Descriptions und Single Event Alert sowie ein neues Abo-Schema namens Ring Protect an den Start.
Wie funktioniert TAKE genau?
Ring-Videos werden schon länger während der Übertragung und im Ruhezustand verschlüsselt. Neu ist, dass jede Aufnahme zusätzlich einen eigenen, rotierenden Schlüssel erhält. Braucht Ring für eine smarte Funktion (etwa einen Smart Alert) kurzzeitig Zugriff auf den Inhalt, geschieht das über eine isolierte Cloud-Enklave. Sobald die Verarbeitung abgeschlossen ist, wird der Schlüssel nach Angaben des Unternehmens dauerhaft vernichtet. Ab diesem Moment liegen die Schlüssel ausschließlich bei den Kontoinhaber:innen und den Personen, denen sie Zugriff einräumen.
Ring vergleicht das gerne mit einem Schlüsseldienst, der nach der Reparatur keinen Ersatzschlüssel zurückbehält. Ob das in der Praxis tatsächlich lückenlos funktioniert, lässt sich von außen naturgemäß nicht überprüfen. Ring bittet hier schlicht um Vertrauen in die eigene Architektur.
TAKE oder E2EE: Wo liegt der Unterschied?
Ring bot bereits 2021 als einer der ersten großen Anbieter im Smart-Home-Segment eine optionale Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2EE) an, und die bleibt auch nach dem TAKE-Rollout bestehen. Der Unterschied zeigt sich vor allem im Funktionsumfang:
- TAKE (neuer Standard): Volle Funktionalität inklusive Smart Alerts, Video Descriptions und geteiltem Zugriff für mehrere Nutzer:innen, bei gleichzeitig deutlich reduzierter Zugriffsfläche für Ring selbst.
- E2EE (optional, wie bisher): Nur autorisierte Geräte besitzen die Schlüssel, dafür fallen Cloud-Funktionen und das Teilen von Zugriffen mit anderen Personen weg. Live View, Wiedergabe und Video-Sharing funktionieren aber weiterhin.
Wer schon eine Ring Indoor Cam mit Alexa-Anbindung nutzt, wird TAKE künftig als neuen Standard vorfinden, ohne selbst etwas einstellen zu müssen. Wer maximale Kontrolle will, kann pro Gerät weiterhin auf E2EE umschalten. Die Einstellung findet sich in der Ring App.
Neue KI-Funktionen: Video Descriptions und Single Event Alert
Zeitgleich mit TAKE rollt Ring zwei KI-gestützte Funktionen aus, die vor allem die Benachrichtigungsflut eindämmen sollen:
- Video Descriptions: Direkt in der Push-Benachrichtigung erscheint eine kurze, automatisch generierte Beschreibung der Bewegung, etwa „Ein Hund zerreißt Papiertücher auf dem Teppich“. So lässt sich auf einen Blick einschätzen, ob sich das Öffnen der App überhaupt lohnt.
- Single Event Alert: Statt bei jeder einzelnen Bewegung zu piepen, fasst Ring zusammenhängende Aktionen zu einer einzigen Meldung zusammen. Mäht der Gärtner den Rasen, gibt es künftig eine Benachrichtigung statt Dutzender.
Wer schon einmal von einer Ring-Kamera binnen weniger Minuten zehn Alarme wegen desselben Postboten bekommen hat, weiß, warum das kein kosmetisches Detail ist. Ähnliche Probleme mit Fehlalarmen und Benachrichtigungsflut kennt man auch aus eigenen Tests anderer Überwachungslösungen, etwa der Kami Wire-Free Camera.
Ring Protect: Das neue Abo-Modell
Mit der Umstellung ordnet Ring auch seine Abonnements neu. Die Struktur soll übersichtlicher werden und lässt sich stärker an den eigenen Bedarf anpassen:
| Plan | Preis pro Monat | Preis pro Jahr |
|---|---|---|
| Ring Solo | 3,99 € | 39,99 € |
| Ring Multi | 9,99 € | 99,99 € |
| Ring Pro | 19,99 € | 199,99 € |
Dazu kommen zwei Zusatzoptionen, die sich zu jedem Plan hinzubuchen lassen:
| Zusatzoption | Preis |
|---|---|
| Pro Intelligence | 4,00 € pro Kamera / Monat |
| 24/7 Continuous Recording | 3,00 € pro Kamera / Monat |
Video Descriptions und Single Event Alert sind fest an Pro Intelligence gekoppelt. Praktisch: Die Zusatzoption lässt sich gezielt für einzelne Kameras buchen, statt gleich das komplette Haus auf ein teureres Abo umzustellen. Bestehende Kund:innen mit 24/7-Aufzeichnung müssen sich laut Ring nicht neu anmelden und behalten ihren Zugang, an den eigentlichen Abopreisen ändert sich nichts.
Verfügbarkeit: Ab wann kommt TAKE?
Der Rollout von TAKE beginnt laut Ring in Phasen ab September 2026 und soll nach und nach alle Nutzer:innen weltweit erreichen, bis die neue Verschlüsselung überall zum Standard wird. Video Descriptions und Single Event Alert starten zunächst in den USA und Kanada; wann genau beide Funktionen auch hierzulande verfügbar sind, hat Ring noch nicht mitgeteilt. Auch die neue Ring-Protect-Struktur wird schrittweise eingeführt.
Fazit: Mehr Kontrolle, ohne auf Komfort zu verzichten
Mit TAKE reagiert Ring auf einen Vorwurf, der dem Unternehmen seit Jahren anhängt: zu viel Zugriff auf private Videoaufnahmen. Ob rotierende Schlüssel und eine gelöschte Cloud-Enklave dieses Vertrauensproblem tatsächlich lösen, lässt sich von außen schwer nachprüfen. Die Richtung stimmt aber. Wer ohnehin schon auf Nummer sicher gehen wollte, konnte das über die optionale Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schon länger. Neu ist, dass jetzt auch die Standardeinstellung spürbar strenger wird, ohne dass Nutzer:innen dafür auf Smart Alerts oder die neuen KI-Funktionen verzichten müssen. Das neue Ring-Protect-Abo mit separat buchbarer Pro Intelligence dürfte vor allem jene freuen, die nicht gleich das komplette Kamera-Setup upgraden wollen.
Quellen: Amazon/Ring offizielle Ankündigung,
