Samsung BM9K1: Erste SSD mit RISC-V-Controller statt ARM angekündigt

Simon Lüthje
Simon Lüthje · 4 Min. Lesezeit

Samsung hat auf dem China Flash Market Summit 2026 (CFMS 2026) eine neue SSD vorgestellt, die einen bemerkenswerten Architekturwechsel vollzieht: Die BM9K1 ist Samsungs erste SSD, deren Controller auf der offenen RISC-V-Befehlssatzarchitektur basiert – statt wie bisher auf ARM-Kerne wie den Cortex-R8 zu setzen. Die PCIe-5.0-SSD mit QLC-NAND soll ab 2027 in Kapazitäten von 512 GB, 1 TB und 2 TB auf den Markt kommen.

Samsung setzt bei der BM9K1 auf RISC-V statt ARM

Der Wechsel zu RISC-V ist der zentrale Punkt der Ankündigung. Die offene Befehlssatzarchitektur erlaubt Samsung eine deutlich flexiblere Anpassung des Controllers an die eigenen Bedürfnisse. Laut Samsung ermöglicht das RISC-V-Design eine feinere Firmware-Optimierung, die speziell auf das Verhalten von QLC-NAND-Speicher und KI-bezogene I/O-Muster zugeschnitten ist. Das Ergebnis: Samsung verspricht eine um 23 Prozent verbesserte Energieeffizienz im Vergleich zum Vorgängermodell BM9C1.

Ein willkommener Nebeneffekt des Architekturwechsels: Samsung spart sich die Lizenzgebühren, die für die Nutzung von ARMs Architektur anfallen. Damit folgt Samsung dem Beispiel von Western Digital (mittlerweile unter dem Namen Sandisk), das bereits vor Jahren als erster großer SSD-Hersteller auf RISC-V-Controller umgestiegen ist.

Technische Daten der Samsung BM9K1

Spezifikation Samsung BM9K1
Schnittstelle PCIe 5.0
Controller-Architektur RISC-V (eigenentwickelt)
NAND-Typ QLC (4 Bit pro Zelle)
Seq. Lesen (max.) bis zu 11,4 GB/s
Seq. Schreiben (max.) noch nicht bekannt
Kapazitäten 512 GB, 1 TB, 2 TB
Energieeffizienz +23 % ggü. BM9C1
Verfügbarkeit ab 2027
Zielgruppe Desktop-PCs und Notebooks (OEM)

Lesegeschwindigkeit von 11,4 GB/s dank PCIe 5.0

Samsung gibt für die BM9K1 eine sequenzielle Lesegeschwindigkeit von bis zu 11,4 GB/s an. Das ist laut dem Hersteller rund 1,6-mal schneller als beim Vorgänger BM9C1, der noch auf PCIe 4.0 beschränkt war. Zur Schreibgeschwindigkeit hat Samsung sich noch nicht geäußert – Schätzungen aus der Branche gehen von Werten um die 10 GB/s aus.

Da die BM9K1 auf QLC-NAND setzt, das vier Bit pro Speicherzelle schreibt, dürfte die Schreibleistung außerhalb eines SLC-Caches allerdings deutlich niedriger ausfallen. Das ist der typische Kompromiss bei QLC: höhere Speicherdichte und günstigerer Preis pro Gigabyte, aber weniger Schreibausdauer und geringere Dauerleistung beim Schreiben als bei TLC-SSDs.

Konkurrenz: Micron 3610 und Samsungs eigene TLC-SSDs

Mit der BM9K1 betritt Samsung ein noch sehr überschaubares Feld. Der bislang einzige andere angekündigte PCIe-5.0-QLC-Client-SSD ist Microns 3610, der bereits auf der CES im Januar vorgestellt wurde. Microns Lösung erreicht 11 GB/s sequenzielles Lesen und 9,3 GB/s beim Schreiben, wird in Kapazitäten bis zu 4 TB angeboten und soll bereits an OEM-Partner ausgeliefert werden.

Samsungs eigene High-End-SSDs wie die 9100 Pro und ihr OEM-Pendant PM9E1 auf TLC-Basis erreichen mit dem 5-nm-Presto-Controller bis zu 14,8 GB/s Lesegeschwindigkeit. Das zeigt: Die BM9K1 positioniert sich bewusst im Mittelfeld – als kostengünstigere Alternative für den Massenmarkt.

Effizienz als Schlüsselthema bei PCIe 5.0

Gerade bei Notebooks spielt die Energieeffizienz einer SSD eine zentrale Rolle. Die erste Generation von PCIe-5.0-SSDs war wegen einer hohen Leistungsaufnahme von bis zu 12 Watt und der daraus resultierenden Abwärme noch auf dedizierte Kühler angewiesen. Die versprochene Verbesserung von 23 Prozent bei der Effizienz könnte die BM9K1 daher besonders für mobile Geräte attraktiv machen.

Samsung positioniert die neue SSD ausdrücklich für Anwendungen im Bereich „Personal AI Computing“ – also für lokale KI-Workloads auf Desktops und Laptops. Ob das tatsächlich einen technischen Unterschied gegenüber herkömmlichen Client-SSDs darstellt oder eher dem aktuellen Marketing-Zeitgeist geschuldet ist, bleibt abzuwarten.

Marktstart erst 2027 – Preis noch offen

Die BM9K1 richtet sich primär an PC- und Notebook-Hersteller, die sie in ihre Systeme verbauen. Erfahrungsgemäß gelangen solche OEM-Modelle nur vereinzelt und mit Verzögerung in den freien Handel. Samsung hat weder den genauen Formfaktor noch den Preis der neuen SSD verraten. Angesichts der aktuellen Dynamik auf dem Speichermarkt dürfte der Preis zum jetzigen Zeitpunkt auch noch gar nicht feststehen.

Der Marktstart ist für 2027 geplant. Bis dahin wird sich zeigen, ob weitere Hersteller mit RISC-V-Controllern nachziehen und ob Samsung die Architektur auch für seine leistungsstärkeren TLC-SSDs übernimmt.