Die US-Regulierungsbehörde FCC hat neue ausländische Saugroboter faktisch aus dem US-Markt verbannt. Seit dem 28. Juli 2026 stehen „advanced robotic devices“ auf der sogenannten Covered List, und eine FCC-Sprecherin hat gegenüber The Verge bestätigt, dass auch Saugroboter darunterfallen. Das Verbot betrifft ausschließlich neue Modelle, die eine FCC-Zulassung brauchen. Wer bereits einen Roborock, Ecovacs oder Roomba zu Hause stehen hat, darf ihn weiter nutzen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die FCC hat am 28. Juli 2026 ausländisch produzierte Roboter und Wechselrichter auf ihre Covered List gesetzt – neue Geräte bekommen damit keine US-Zulassung mehr.
- Saugroboter fallen laut FCC ausdrücklich unter die Definition, weil sie autonom navigieren, mehr als 2 kg wiegen und funken.
- Betroffen sind praktisch alle großen Marken: Roborock, Ecovacs, Dreame und selbst der US-Hersteller iRobot (Roomba), der im Ausland fertigen lässt.
- Bereits zugelassene Modelle dürfen weiter verkauft und importiert werden. Dein vorhandener Saugroboter bleibt uneingeschränkt nutzbar.
- Für Deutschland und die EU gilt das Verbot nicht – die Modelle bleiben hier regulär erhältlich.
Was die FCC genau beschlossen hat
Am 28. Juli 2026 hat das Public Safety and Homeland Security Bureau der FCC zwei neue Produktkategorien auf die Covered List gesetzt: ausländisch produzierte Wechselrichter (Power Inverter) und „advanced robotic devices“. Grundlage ist eine Einschätzung eines behördenübergreifenden Gremiums der US-Regierung vom 27. Juli, das den Geräten ein „inakzeptables Risiko“ für Lieferketten und kritische Infrastruktur attestiert.
Die Covered List ist im Kern eine schwarze Liste. Steht ein Gerät darauf, verweigert die FCC die für den US-Verkauf nötige Equipment Authorization. Ohne diese Zulassung darf ein neues Modell schlicht nicht auf den Markt. Wichtig: Die Regelung greift nur bei neuen Modellen, die noch eine Zulassung beantragen. Geräte, die bereits genehmigt sind oder in den Haushalten stehen, sind ausdrücklich nicht betroffen.
Einen Ausweg gibt es trotzdem. Über ein „Conditional Approval“-Verfahren können Hersteller eine Ausnahme beantragen. Ob ein Gerät als unbedenklich gilt, entscheidet bei Robotern das Department of War, bei Wechselrichtern das Department of Homeland Security.
Warum das Saugroboter-Verbot in den USA auch harmlose Geräte trifft
In den ersten Schlagzeilen ging es vor allem um humanoide Roboter. Doch Spionage braucht keine Beine – und die FCC-Definition ist bewusst weit gefasst. Als „advanced robotic device“ gilt ein softwaregesteuerter, autonomer Roboter, der seine Umgebung wahrnehmen kann, sich am Boden fortbewegt, drahtlos kommuniziert und samt Ladestation mehr als 4,4 Pfund (rund 2 kg) wiegt.
Genau diese Beschreibung passt auf so gut wie jeden modernen Saugroboter mit LiDAR, Kamera und App-Anbindung. FCC-Media-Relations-Direktorin Katie Gorscak bestätigte gegenüber The Verge, dass das Verbot Saugroboter mit einschließt. Auch Mähroboter und ähnliche Haushaltshelfer dürften unter die Definition fallen.
Diese Marken sind vom Verbot betroffen
Der Knackpunkt: Nahezu kein Saugroboter wird in den USA gefertigt. Ob chinesische Marke oder US-Firma mit Auftragsfertigung in Asien – ausschlaggebend ist, wo das Gerät produziert wird, nicht wem die Marke gehört. Damit steht praktisch die gesamte Branche vor demselben Problem.
| Marke | Herkunft/Fertigung | Status im US-Markt |
|---|---|---|
| Roborock | China | Neue Modelle brauchen künftig Ausnahmegenehmigung |
| Ecovacs | China | Neue Modelle brauchen künftig Ausnahmegenehmigung |
| Dreame | China | Neue Modelle brauchen künftig Ausnahmegenehmigung |
| iRobot (Roomba) | USA (Firmensitz), Fertigung in China/Vietnam/Malaysia | Ebenfalls betroffen, sofern nicht in den USA gefertigt |
Ein weit verbreiteter Irrtum sei hier korrigiert: Mehrere Medien bezeichnen Roomba als „chinesisch“. Tatsächlich ist iRobot ein 1990 von MIT-Forschern gegründetes US-Unternehmen mit Sitz in Bedford, Massachusetts. Betroffen ist die Marke trotzdem, weil sie ihre Geräte über Auftragsfertiger in China, Vietnam und Malaysia bauen lässt. Wer beim nächsten Kauf ohnehin unsicher ist, findet in unseren Kauftipps für Saugroboter die wichtigsten Kriterien.
Was Besitzer jetzt wissen müssen
Für alle, die schon einen Saugroboter besitzen, ändert sich nichts. Die FCC schickt niemandem einen Techniker ins Wohnzimmer, und bereits zugelassene Geräte bleiben im Handel. Auch Ersatzteile, Updates und der Betrieb laufen weiter wie gewohnt.
Spürbar wird das Verbot erst mittelfristig: Neue Generationen und Nachfolgemodelle könnten in den USA später oder gar nicht erscheinen, solange die Hersteller keine Ausnahmegenehmigung bekommen oder ihre Produktion in die USA verlagern. Selbst Hersteller von Saugrobotern werden laut 9to5Mac bereits aufgefordert, sich zu einer US-Fertigung zu bekennen. Das Muster erinnert an das Router-Verbot vom Frühjahr 2026, das nach demselben Prinzip funktioniert.
Die Sicherheitsdebatte: Kartografierte Wohnungen als Risiko
Die Begründung der Behörden dreht sich um Datensicherheit. Ein Gerät, das eine Wohnung autonom kartografiert, Kameras mitführt und dauerhaft mit der Cloud verbunden ist, sammelt sensible Informationen über den Grundriss und die Gewohnheiten seiner Besitzer. Die US-Regierung sieht darin ein potenzielles Einfallstor für ausländische Zugriffe.
Kritik gibt es trotzdem. Da die FCC ausdrücklich keine Gefahr in bereits verkauften Geräten sieht, bleibt die Frage offen, wie das Verbot die Sicherheit tatsächlich verbessert. In der Praxis erschwert es zunächst vor allem den Herstellern das Geschäft, während Millionen bereits vernetzter Geräte unangetastet weiterlaufen.
Was bedeutet das für Deutschland und Europa?
Kurz gesagt: erst einmal nichts. Das FCC-Verbot ist eine rein US-amerikanische Marktzulassungsfrage. In Deutschland und der EU bleiben Roborock, Ecovacs, Dreame und Co. regulär erhältlich – hier gelten CE-Kennzeichnung und die EU-Regeln, nicht die FCC. Wer also mit einem neuen Modell liebäugelt, kann bei den aktuellen Roborock-Modellen bei Amazon weiterhin frei zugreifen.
Interessant wird die politische Ebene. Die EU diskutiert seit Längerem über die Sicherheit vernetzter Geräte und die Abhängigkeit von chinesischer Hardware. Ob Brüssel dem US-Kurs perspektivisch folgt, ist offen – ausgeschlossen ist es angesichts der laufenden Debatten um digitale Souveränität aber nicht.
Häufige Fragen zum US-Saugroboter-Verbot
Ist mein aktueller Saugroboter jetzt verboten?
Nein. Das Verbot betrifft nur neue Modelle, die eine FCC-Zulassung beantragen. Bereits zugelassene und verkaufte Geräte bleiben uneingeschränkt nutzbar und dürfen weiter verkauft werden.
Welche Marken sind betroffen?
Praktisch alle großen Anbieter, darunter Roborock, Ecovacs, Dreame und iRobot (Roomba) – überall dort, wo die Geräte außerhalb der USA gefertigt werden.
Gilt das Verbot auch in Deutschland?
Nein. Es handelt sich um eine US-Regelung der FCC. In Deutschland und der EU sind die Geräte weiterhin ganz normal erhältlich.
Warum sieht die US-Regierung Saugroboter als Sicherheitsrisiko?
Weil moderne Saugroboter Wohnungen kartografieren, teils Kameras nutzen und permanent mit der Cloud verbunden sind. Die Behörden befürchten Datenabfluss und Angriffe auf kritische Infrastruktur.
Fazit: Sicherheitspolitik trifft Wohnzimmer
Das Saugroboter-Verbot in den USA ist weniger eine Verbraucherschutzmaßnahme als ein weiterer Baustein im Handels- und Sicherheitskonflikt mit China. Dass ein Putzhelfer plötzlich in einem Atemzug mit humanoiden Robotern und kritischer Infrastruktur genannt wird, wirkt auf den ersten Blick überzogen. Die Sorge vor Geräten, die den eigenen Grundriss kennen und ständig funken, ist andererseits nicht völlig aus der Luft gegriffen.
Meine Einordnung: Solange bereits verkaufte Modelle unangetastet bleiben, ist der unmittelbare Sicherheitsgewinn überschaubar – der Schritt ist vor allem industriepolitisch motiviert und soll Fertigung in die USA holen. Für uns in Deutschland bleibt es vorerst eine spannende Randnotiz. Sollte die EU aber ähnliche Töne anschlagen, könnte aus der US-Randnotiz schnell ein Thema werden, das auch das heimische Wohnzimmer betrifft. Zuletzt sorgte iRobot übrigens mit der Ankündigung für Aufsehen, dass seine Saugroboter künftig tierische „Tretminen“ erkennen sollen – die Innovationsfreude der Branche ist also ungebrochen.
