Siri AI verspätet sich in der EU: Apple macht den Digital Markets Act verantwortlich

Philipp Briel
Philipp Briel · 4 Min. Lesezeit
Siri AI
Bild: Apple

Während Apple mit Siri AI die bislang größte Weiterentwicklung seines Sprachassistenten angekündigt hat, müssen Nutzer in der Europäischen Union vorerst auf die neuen Funktionen verzichten. Nach Angaben des Unternehmens wird Siri AI nicht zeitgleich mit iOS 27 und iPadOS 27 in der EU verfügbar sein. Als Grund nennt Apple die Anforderungen des Digital Markets Act (DMA), die aus Sicht des Konzerns erhebliche Risiken für Datenschutz und Sicherheit mit sich bringen. Für viele Apple-Nutzer in Europa bedeutet das, dass zentrale KI-Funktionen zunächst außen vor bleiben.

  • Siri AI startet nicht mit iOS 27 und iPadOS 27 in der Europäischen Union
  • Apple verweist auf ungelöste Konflikte mit den Vorgaben des Digital Markets Act
  • Betroffen sind unter anderem die neue Siri-App, Visuelle Intelligenz und Schreibtools
  • Für macOS 27, visionOS 27 und watchOS 27 soll Siri AI in der EU verfügbar sein

Siri AI und der DMA: Warum Apple den Start in Europa verschiebt

Mit Siri AI möchte Apple seinen Sprachassistenten deutlich intelligenter und persönlicher machen. Die neue Plattform kann Informationen aus Nachrichten, E-Mails, Fotos und Apps verstehen, Aufgaben über mehrere Anwendungen hinweg ausführen und Inhalte auf dem Bildschirm analysieren. Genau diese tiefe Integration in das Betriebssystem sorgt nun jedoch für Probleme in Europa.

Apple erklärt, dass die aktuellen Anforderungen des Digital Markets Act eine Öffnung zentraler Systemfunktionen für konkurrierende virtuelle Assistenten verlangen würden. Nach Darstellung des Unternehmens müssten Drittanbieter-KI-Systeme dadurch einen sehr weitreichenden Zugriff auf persönliche Daten und Gerätefunktionen erhalten. Dazu könnten unter anderem Nachrichten, Dateien, App-Steuerungen oder andere sensible Informationen gehören.

Nach Angaben von Apple wurden in den vergangenen Monaten mehrere Vorschläge bei den europäischen Regulierungsbehörden eingereicht, um Siri AI unter Einhaltung hoher Datenschutzstandards in der EU anbieten zu können. Keiner dieser Vorschläge wurde laut Unternehmen akzeptiert. Besonders kritisch sieht Apple die Forderung, dass alternative KI-Assistenten auf vergleichbare Systemfunktionen zugreifen können sollen wie Siri selbst.

Dadurch entsteht eine ungewöhnliche Situation: Während Nutzer in vielen Regionen der Welt die neuen Siri-AI-Funktionen bereits mit den kommenden Betriebssystemen erhalten sollen, bleibt der europäische Markt zunächst außen vor. Apple spricht von einer Enttäuschung für Kunden und Entwickler gleichermaßen.

Siri AI bleibt in Europa teilweise verfügbar

Trotz der Verzögerung verschwindet Siri AI nicht vollständig aus Europa. Apple bestätigt, dass die neuen Funktionen unter macOS 27, visionOS 27 und watchOS 27 in der Europäischen Union angeboten werden sollen. Die Einschränkung betrifft aktuell ausschließlich iOS 27 und iPadOS 27.

Besonders bemerkenswert ist, dass auch Entwickler in der EU vorerst keinen Zugriff auf die neuen Siri-AI-Schnittstellen für iPhone- und iPad-Apps erhalten. Dadurch können entsprechende Funktionen nicht getestet oder in Anwendungen integriert werden. Dies könnte die Einführung neuer KI-Features innerhalb des Apple-Ökosystems in Europa zusätzlich verlangsamen.

Zu den betroffenen Funktionen zählen unter anderem die neue Siri-App mit geräteübergreifendem Konversationsverlauf, die erweiterten Schreibwerkzeuge, die Visuelle Intelligenz sowie der neue Siri-Modus innerhalb der Kamera-App. Gerade diese Features gelten als zentrale Bestandteile von Apples neuer KI-Strategie.

Apple betont gleichzeitig, weiterhin an einer Lösung mit den europäischen Behörden arbeiten zu wollen. Ein konkreter Zeitplan für die Einführung von Siri AI auf iPhone und iPad innerhalb der EU wurde jedoch nicht genannt. Aus heutiger Sicht bleibt offen, wann europäische Nutzer Zugriff auf die vollständige Version des neuen Assistenten erhalten werden.

Fazit

Die Verschiebung von Siri AI in der Europäischen Union zeigt, wie stark regulatorische Vorgaben die Einführung neuer KI-Technologien beeinflussen können. Während Apple den Schutz persönlicher Daten als Hauptargument anführt, sehen die EU-Regulierungsbehörden im DMA vor allem die Förderung von Wettbewerb und Interoperabilität. Für Nutzer bedeutet das zunächst längere Wartezeiten auf viele der spannendsten Siri-AI-Funktionen. Wann sich die Situation ändert, ist derzeit noch unklar.