Smart Glasses boomen: Umsatz mit Meta-Brillen fast verdoppelt

Philipp Briel
Philipp Briel · 5 Min. Lesezeit

Die Nachfrage nach Smart Glasses zieht kräftig an: Der Umsatz mit den Meta-Brillen hat sich im zweiten Quartal 2026 nahezu verdoppelt. Das teilte EssilorLuxottica mit, der französisch-italienische Brillenkonzern, der die Modelle gemeinsam mit Meta entwickelt und produziert. Die Zahlen belegen, was sich seit Monaten abzeichnet – aus dem Nischenprodukt für Technik-Enthusiasten ist ein Massenmarkt geworden.

Smart Glasses treiben das Wachstum bei EssilorLuxottica

EssilorLuxottica legte am Dienstag seine Halbjahreszahlen vor, und sie fielen deutlich aus. Im ersten Halbjahr 2026 setzte der Konzern rund 14,8 Milliarden Euro um, ein Plus von 9,7 Prozent bei konstanten Wechselkursen. Im zweiten Quartal allein lag das Wachstum bei 8,7 Prozent. Das bereinigte operative Ergebnis kletterte um 15 Prozent, die entsprechende Marge stieg um 80 Basispunkte auf 18,9 Prozent. Der freie Cashflow erreichte mit 1,07 Milliarden Euro den besten Halbjahreswert seit fünf Jahren.

Der entscheidende Wachstumstreiber sind die vernetzten Brillen. Während sich der Gesamtkonzern im hohen einstelligen Bereich bewegt, hat sich der Umsatz mit den KI-Brillen von Meta im Jahresvergleich fast verdoppelt. Zur Einordnung: Der US-Marktforscher Circana beziffert das Wachstum im gesamten Smart-Glasses-Segment auf 233 Prozent, auf rund 436 Millionen US-Dollar in den zwölf Monaten bis Mai 2026. Laut IDC hält Meta dabei einen Marktanteil von gut 69 Prozent.

Über 7 Millionen verkaufte Brillen – und es geht schneller als geplant

Im Gesamtjahr 2025 verkauften die Partner über 7 Millionen Ray-Ban- und Oakley-Meta-Brillen. Das ist mehr als dreimal so viel wie die rund 2 Millionen Stück, die 2023 und 2024 zusammen über die Ladentheke gingen. Ursprünglich wollte EssilorLuxottica die Jahresproduktion bis Ende 2026 auf 10 Millionen Einheiten hochfahren – wegen der starken Nachfrage soll dieser Wert nun früher erreicht werden. In Gesprächen mit Meta steht bereits eine Verdopplung Richtung 20 Millionen Brillen pro Jahr im Raum.

Auch der Modellbaukasten ist breiter geworden. Neben der zweiten Generation der Ray-Ban Meta brachten die Partner im April zwei Varianten speziell für Brillenträger mit Sehstärke, im Juni folgte mit den Meta Glasses eine eigene Marke ohne Ray-Ban-Logo ab 309 Euro, die eine günstigere Preisklasse abdeckt. Verfügbar sind die Brillen inzwischen in 17 Ländern, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Modell Besonderheit Einstiegspreis
Meta Glasses (eigene Marke) KI-Assistent, Kamera, Audio ab 309 Euro
Ray-Ban Meta (Gen 2) Kamera, Lautsprecher, Meta AI ab rund 380 Euro
Oakley Meta Sport-Fokus, längere Laufzeit ab rund 400 Euro
Meta Ray-Ban Display Farbdisplay im Glas + Neural Band 799 US-Dollar (USA)
Preise gerundet und je nach Markt unterschiedlich. Das Display-Modell ist bislang vor allem in den USA und nur eingeschränkt verfügbar.

Vom Audio-Gadget zur echten Datenbrille: der Kampf um das Display

Technisch spannend wird es beim Spitzenmodell Meta Ray-Ban Display, das für 799 US-Dollar ein Farbdisplay direkt ins Brillenglas projiziert und sich per Gesten über ein Armband namens Neural Band steuern lässt. Möglich macht das ein sogenannter Waveguide – ein präzise gefertigtes Glassubstrat, das Licht aus einem winzigen Projektor durch das Glas leitet und ins Sichtfeld einspielt, während man weiterhin ganz normal hindurchschaut.

Genau diese Bauteile sind der Flaschenhals. Sie in Millionenstückzahl mit brauchbarer Ausbeute zu fertigen, ist schwierig – das Display-Modell ist seit dem Start knapp. Deshalb hat EssilorLuxottica im Juni eine langfristige Entwicklungspartnerschaft mit Applied Materials geschlossen, einem Ausrüster aus dem Halbleitergeschäft. Ziel ist es, die Fertigung solcher optischen Komponenten zu skalieren und weniger von einzelnen Spezialzulieferern abhängig zu sein. Kurz gesagt: EssilorLuxottica baut sich sein eigenes Display-Fundament.

Zweiter Wachstumsmotor: Brillen gegen Kurzsichtigkeit

Nicht nur die Smart Glasses laufen. Das Geschäft mit Speziallinsen gegen fortschreitende Kurzsichtigkeit bei Kindern wuchs im zweiten Quartal um 24 Prozent, nach 26 Prozent im ersten Quartal. Der Hintergrund ist ein weltweiter Trend: Schätzungen zufolge könnte bis 2050 mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung kurzsichtig sein. Für EssilorLuxottica ist das ein zweites Standbein neben den vernetzten Brillen – medizinnah, planbar und weniger vom Tech-Hype abhängig.

Die Konkurrenz rüstet auf

Noch dominiert Meta den Markt, doch das dürfte sich ändern. Samsung stellte am 22. Juli seine Galaxy Glasses vor – zunächst ohne Display, aber mit Googles Gemini-Assistenten. Google selbst arbeitet mit den Brillenherstellern Warby Parker und Gentle Monster an eigenen KI-Brillen, die im Herbst in ausgewählten Märkten starten sollen. Und Apple wird laut Branchenberichten ebenfalls an einer Datenbrille arbeiten, die frühestens 2027 kommen könnte. Wie das Rennen ausgeht, hängt stark davon ab, wer die Display-Technik zuerst massentauglich macht – und da hat Meta mit dem Vorsprung aus mittlerweile drei Jahren Software-Reife eine gute Ausgangsposition.

Datenschutz bleibt der wunde Punkt

Bei allem Wachstum bleibt die Kamera am Kopf ein heikles Thema. In den USA hat der Bundesstaat New York Smart Glasses zum 20. Juli aus allen Gerichtsgebäuden verbannt, es laufen zudem eine Sammelklage in den USA und eine Untersuchung in Großbritannien wegen der unauffälligen Aufnahmefunktion. Diese Sorgen betreffen die Produkte von Google und Samsung genauso. Wer in einem sensiblen Umfeld arbeitet – etwa im Rechts-, Gesundheits- oder Finanzwesen – sollte lokale Zutrittsregeln im Blick behalten.

Fazit

Die Zahlen von EssilorLuxottica zeigen: Smart Glasses sind endgültig im Massenmarkt angekommen. Der fast verdoppelte Umsatz, über 7 Millionen verkaufte Brillen und die Aufstockung der Produktion sprechen eine klare Sprache. Spannend wird das kommende Jahr: Mit Samsung, Google und perspektivisch Apple bekommt Meta ernsthafte Gegenspieler, und die eigentliche Zukunftsfrage – bezahlbare, alltagstaugliche Datenbrillen mit Display – ist technisch noch nicht gelöst. Die Partnerschaft mit Applied Materials deutet aber an, in welche Richtung EssilorLuxottica investiert. Wer heute einsteigen will, findet mit der aktuellen smarten Brille ein ausgereiftes Produkt – die spannendste Generation steht aber wohl erst noch bevor.

Quellen: EssilorLuxottica Newsroom, Meta AI Glasses.