Snapdragon X2 Elite Extreme schlägt im Akkubetrieb sogar Intels Top-Chip am Netzteil

Philipp Briel
Philipp Briel · 5 Min. Lesezeit
Snapdragon X2 Elite Extreme und X2 Elite
Bild: Qualcomm

Ein Windows-Notebook mit Qualcomms Snapdragon X2 Elite Extreme hat im Akkubetrieb ein Intel-System mit Core Ultra X9 388H geschlagen, obwohl dieses am Netzteil auf höchster Leistungsstufe lief. Das geht aus neuen Benchmarks des Analystenhauses Signal65 hervor, die dem Snapdragon-Chip in Geekbench 7 einen Vorsprung von bis zu 53 Prozent vor Intel und 83 Prozent vor AMDs Ryzen AI 9 465 bescheinigen. Auch in Cinebench 2026 lag der Qualcomm-Chip bis zu 87 Prozent vor beiden Konkurrenten.

Für ein Notebook mit ARM-Architektur ist das ein bemerkenswertes Ergebnis, gerade weil der Vergleich alles andere als fair gestaltet war, zumindest auf dem Papier zugunsten von Intel.

TL;DR: Das Wichtigste in Kürze

  • Signal65 hat drei Einzelhandelssysteme mit Snapdragon X2 Elite Extreme, Intel Core Ultra X9 388H und AMD Ryzen AI 9 465 zum Marktpreis gekauft und getestet.
  • Der Snapdragon-Laptop lief im stromsparenden Balanced-Modus auf Akku und war trotzdem schneller als das Intel-System im Höchstleistungsmodus am Netzteil.
  • In Geekbench 7 beträgt der Vorsprung bis zu 53 Prozent gegenüber Intel und 83 Prozent gegenüber AMD, bei der KI-Leistung sind es sogar rund das Doppelte bis 2,4-Fache.
  • Frühere, unabhängige Geekbench-Läufe auf dem Asus Zenbook A16 bestätigen die starke Single-Core-Leistung des Chips bereits seit März 2026.

Was Signal65 getestet hat

Das zu Futurum gehörende Analystenhaus Signal65 unter der Leitung von Tech-Veteran Ryan Shrout hat für die Studie bewusst keine Referenzdesigns der Hersteller verwendet, sondern reguläre Einzelhandelssysteme zum jeweils aktuellen Marktpreis gekauft. Das Snapdragon-Notebook mit dem X2E-96-100 kostete rund 1.699 US-Dollar, das Intel-System mit Core Ultra X9 388H etwa 2.299 US-Dollar. Dieser Ansatz erlaubt zusätzlich eine Aussage zum Preis-Leistungs-Verhältnis und berücksichtigt reale Entscheidungen der Gerätehersteller bei Kühlung und Lautstärke, statt nur die reinen Chip-Daten unter Laborbedingungen zu vergleichen.

Genau hier liegt der eigentliche Clou der Studie: Das Snapdragon-System lief während der Tests im energiesparenden Balanced-Modus und wurde ausschließlich vom Akku versorgt. Das Intel-Notebook hingegen war ans Netzteil angeschlossen und im Modus mit der höchsten verfügbaren Leistungsstufe konfiguriert, also unter den für Intel denkbar günstigsten Bedingungen. Trotzdem gewann der Qualcomm-Chip in jedem einzelnen CPU- und KI-Benchmark der Testreihe.

Die Zahlen im Überblick

Merkmal Snapdragon X2 Elite Extreme (X2E-96-100) Intel Core Ultra X9 388H AMD Ryzen AI 9 465
CPU-Kerne 18 (12× Oryon Prime + 6× Oryon Performance) 16 (4P + 8E + 4 LPE) 10 (4× Zen 5 + 6× Zen 5c)
Max. Taktrate 5,0 GHz 5,1 GHz 5,0 GHz
GPU Adreno X2-90 Arc B390 Radeon 880M
NPU-Leistung 80 TOPS 50 TOPS 50 TOPS
Arbeitsspeicher 48 GB LPDDR5X 32 GB LPDDR5X 32 GB LPDDR5X
Preis des Testsystems ca. 1.699 USD ca. 2.299 USD k. A.

In Geekbench 7 lag der Snapdragon damit um bis zu 53 Prozent vor Intel und 83 Prozent vor AMD. Bei der reinen KI-Leistung in UL Procyon AI Computer Vision fiel der Abstand noch größer aus: fast das Doppelte gegenüber Intel und etwa das 2,4-Fache gegenüber AMD.

Von der Ankündigung bis zum Härtetest: Kein Zufallsergebnis

Die aktuelle Studie fügt sich in eine Reihe von Messungen, die seit der offiziellen Vorstellung des Chips im September 2025 ein konsistentes Bild zeichnen. Schon bei der Ankündigung gab Qualcomm für den Snapdragon X2 Elite Extreme einen Geekbench-6.5-Einzelkern-Wert von 4.072 Punkten an, 7 Prozent vor Apples M4 Pro und 36 Prozent vor dem damaligen Intel Core Ultra 9 285H. Auch im Mehrkern-Benchmark sah Qualcomm einen Vorsprung von 35 Prozent gegenüber Intel, in 3DMark Steel Nomad Light zudem ein 139 Prozent stärkeres Ergebnis als beim Vorgängerchip X1E-84-100.

Als der Chip im März 2026 erstmals in einem regulären Einzelhandelsgerät auftauchte, dem Asus Zenbook A16, bestätigten unabhängige Geekbench-Läufe die starke Single-Core-Leistung: 4.033 Punkte im Einzelkern- und 23.198 Punkte im Mehrkern-Test, während ein Intel Core Ultra X9 388H im selben Vergleich nur auf 3.066 respektive 17.809 Punkte kam. Selbst gegen Apples M4 Max musste sich der Snapdragon nur im Mehrkern-Bereich geschlagen geben, im Einzelkern-Test lag er mit 4.033 zu 3.880 Punkten vorn.

Ein Wort zur Einordnung

Wer die Zahlen einordnen will, sollte zwei Dinge im Hinterkopf behalten. Erstens: Signal65 ist ein etabliertes, aber kommerzielles Analystenhaus, das solche Vergleichsstudien regelmäßig im Auftrag von Chipherstellern erstellt. Ob auch dieser konkrete Test von Qualcomm beauftragt wurde, ist öffentlich nicht dokumentiert. Der Kauf regulärer Einzelhandelsgeräte statt Referenzdesigns spricht zwar für eine seriöse Methodik, ersetzt aber keinen komplett unabhängigen Nachtest. Zweitens spielt bei einem Vergleich zwischen x86 und ARM immer auch die Software-Optimierung eine Rolle. Native ARM64-Anwendungen laufen auf dem Snapdragon-Chip naturgemäß besser als emulierte x86-Programme, was Geekbench als natives Benchmark-Tool zwar nicht direkt betrifft, bei der Kaufentscheidung für den Alltag aber trotzdem mitgedacht werden sollte. Bereits im direkten Duell mit Apples M5 hatten wir gezeigt, dass der Snapdragon X2 Elite in Rendering-Aufgaben stark punktet, bei Einzelkern-Leistung und in DaVinci Resolve aber weiterhin hinter Apple liegt.

Fazit

Egal wie man die Herkunft der Studie bewertet: Dass ein Akku-betriebenes Snapdragon-X2-Elite-Extreme-Notebook im sparsamen Balanced-Modus ein am Netzteil hängendes Intel-System im Höchstleistungsmodus schlägt, ist ein starkes Signal für Qualcomms Fortschritte bei Windows-on-ARM-Notebooks. In Kombination mit den unabhängig bestätigten Geekbench-Werten vom Frühjahr 2026 und den offiziellen Herstellerangaben vom Herbst 2025 ergibt sich ein stimmiges Bild: Der Snapdragon X2 Elite Extreme gehört aktuell zu den schnellsten CPU-Kernen, die in einem Windows-Notebook stecken, auch wenn bei GPU-Leistung und Software-Kompatibilität weiterhin Kompromisse bleiben.

Quellen: WCCFTech, Signal65 und Qualcomm Product Brief.